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Saarbrücken
Großes Lob für Stadttauben-Haus

Stadttauben über dem Rathausdach von St. Johann. Dank zweier ehrenamtlich betriebener Taubenhäuser gilt ihr Bestand als weitgehend „unproblematisch“. Fotos: Becker & Bredel
Stadttauben über dem Rathausdach von St. Johann. Dank zweier ehrenamtlich betriebener Taubenhäuser gilt ihr Bestand als weitgehend „unproblematisch“. Fotos: Becker & Bredel
Saarbrücken. Der Saarbrücker Stadttaubenverein kontrolliert den Bestand durch zwei Schläge auf Parkhäusern. Der Besuch des bekannten Fachtierarztes Marcellus Bürkle aus Achern war für die Tierfreunde eine besondere Ehre. Peter Wagner

"Ich tue es zuerst für die Tiere und dann für die Stadt, jeden Tag zwei bis drei Stunden", erklärt freundlich die ältere Dame in der Kapuzenjacke. Das Kleidungsstück ist nicht das neueste, schließlich trägt es die Besitzerin beim Saubermachen des Taubenhauses auf dem Parkdeck "Rathaus". Das "Ausmisten" dieses Wohnhauses für Stadttauben, in dem etwa 300 Tiere fest unterkommen, ist eine unappetitliche Arbeit, die die wenigsten Menschen erledigen würden.

Die Ehrenamtler des Vereins Stadttauben Saarbrücken e.V tun es. Sie unterhalten auf zwei Parkdecks - Rathaus und Lampertshof - zwei Taubenhäuser. Hier werden die Tiere artgerecht gefüttert und tierärztlich betreut. Ihre Eier werden durch Attrappen ausgetauscht, um die Population zu kontrollieren. Durch die feste Bindung an den Schlag werden keine Gelege an an zugänglichen Stellen wie maroden Immobilien abgelegt. Es gibt in der Stadt sichtbar weniger Tauben, was wiederum ihre Akzeptanz erhöht. Leider, so Vereinssprecher Andreas Goldschmidt, fänden Stadttauben vor allem im Sommer genügend sorglos weggeworfene Lebensmittel. Gerade im Umfeld der Freiluftgastronomie komme es deshalb zu vermehrten Taubenansammlungen. Immobilienbesitzer sollten ihrer Sorgfalt nachkommen und Fassaden, Dächer, Balkone, Simse und Fenster in Ordnung halten.

Dank der beiden Stationen, die vom Parkhausbetreiber Q-Park kostenfrei geduldet werden, gelten Bahnhofstraße und St. Johanner Markt als "unproblematisch", was Taubendreck angeht. "Wir könnten zwei weitere betreute Taubenschläge in Alt-Saarbrücken und am Bahnhof gebrauchen", um die sichtbare Population zu verringern, erklärt Vereinsvorsitzende Helga Ehretsmann. Das Problem dabei seien nicht einmal die Kosten von jeweils 4500 Euro, sondern es fehle an freiwilligen Mitarbeitern, die die tägliche Arbeit mit den Tieren verrichten.

Jetzt hatte der Verein im doppelten wahren Wortsinn hohen Besuch auf dem Dach des Parkhauses am Rathaus: Der Badener Tierarzt und Vogelexperte Dr. Marcellus Bürkle schaute auf einer "Deutschland-Tour" vorbei, um die engagierten Tierschützer in "Schlaghygiene" und Tiergesundheit zu informieren. Bürkle, der vor allem durch seine Tätigkeit im "Loro Parque" auf Teneriffa bekannt wurde, dürfte als erste Person in die Stadtgeschichte eingehen, die einen Fachvortrag auf dem Parkhaus hielt. Nach seiner Überzeugung gibt es "kein Ei des Kolumbus", um die Population von Stadttauben zu verringern. Die Saarbrücker Methode sei aber nach allem, was man wisse, nicht die schlechteste. Hier werde sehr gut gearbeitet.


Dr. Marcellus Bürkle gestern im Taubenhaus in Saarbrücken.
Dr. Marcellus Bürkle gestern im Taubenhaus in Saarbrücken.