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Große Hunde haben's echt schwer

Hovawart-Mischling Snoopy ist 2009 geboren, kastriert, topfit und ein echter Naturbursche. Deshalb wundern sich seine Betreuer, dass der Prachtkerl überhaupt noch im Heim ist. Fotos: jeanne herzog
Hovawart-Mischling Snoopy ist 2009 geboren, kastriert, topfit und ein echter Naturbursche. Deshalb wundern sich seine Betreuer, dass der Prachtkerl überhaupt noch im Heim ist. Fotos: jeanne herzog
Saarbrücken. Sie wurden ausgesetzt, schweren Herzens weggegeben oder waren nach dem Tode der Besitzer unversorgt. Im Bertha-Bruch-Tierheim warten diese Geschöpfe auf ein neues Zuhause. Wir präsentieren in dieser Folge der Serie „Wer will mich?“ große dunkle Hunde. Sie finden besonders schwer ein neues Zuhause. Mögen sie auch noch so gutmütig sein. Frank Kohler

Dunkles Fell, womöglich sogar schwarz und so richtig groß? Dann ist ein Hund arm dran. Zumindest, wenn er in einem Tierheim landet. Tabatha Walter, die Sprecherin des Tierschutzvereins Saarbrücken , kann sich über die Vorurteile mancher "Experten" nur wundern. Dennoch gibt es sie. "Schwarzen Hunden in Tierheimen schreiben die Besucher oft schlechte Eigenschaften zu. Sie wirken bedrohlich, aggressiv, bringen angeblich Unglück. Das macht diese Heimbewohner besonders schlecht vermittelbar." Dabei sollte jeder wissen, was für einen tollen Charakter die meisten dieser Hunde haben. Die vier Schönheiten in dieser Folge unserer Tierheim-Serie beweisen es.

Benny, der stattliche Neufundländer, hätte nun wirklich allen Grund, Menschen misstrauisch zu begegnen. Bennys Besitzer entledigten sich des prächtigen Tieres direkt am Heim im Schutze einer Novembernacht. Ein Zettel lieferte die dürren Informationen, Herrchen sei krank - und sonst niemand da, der Benny versorgen könne. Dabei ist der flauschige Riese ein echter Gewinn.

Er geht gut an der Leine, mag Artgenossen, passt allerdings nicht in jeden Haushalt. Das . Weil er mit Kindern offenbar wenig Erfahrung hat, sollte sein neues Zuhause kinderlos und groß genug für diesen lieben Hünen sein, der noch nicht viel von der Sonnenseite des Lebens sah. Fehlt nur noch ein Neufundländerliebhaber, der ihm ein neues Zuhause geben will.

Spike, dem Stafford-Mix auf dem mittleren der kleinen Fotos, erging es beinahe wie Benny. Nur dass jemand den Vorbesitzer nachts gerade noch in der Nähe des Heims erwischte.

Name: Benny

Rasse: Neufundländer-Mix

Alter: fünf Jahre

Kastriert: nein

Besonderheit: verträgt sich gut mit Hündinnen

Spike hatte eine Wunde im Gesicht, und wegen einer Hautkrankheit übersäten Krusten seinen Körper. Der Tierarzt und die Liebe seiner Betreuer machten Spike zu einem ansehnlichen Rüden. Lieb und verschmust ist er. Da kommt jede Streicheleinheit gut an. Ein Fitnesswunder ist Spike überdies, wie er bei langen Spaziergängen beweist. Fehlt nur noch jemand, der auch einen so kernigen Typ wie den Spike artgerecht behandelt Name: Spike

Rasse: Stafford-Mix

Alter: neun Jahre

Kastriert: nein

Besonderheiten: verschmust und lauffreudig

und ihn nicht wegen seiner Muckis, sondern wegen seiner sanften Seiten haben möchte.

Und Balou? Der ist auch ein Opfer menschlicher Kälte. Einfach ausgesetzt, lebte er auf einer Pflegestelle. Ab ins Heim hieß es, nachdem der Kerl einem Mofa hinterhergejagt war. Jetzt wartet er am Folsterweg darauf, dass ihn jemand für immer als Wegbegleiter haben will. Balou ist sensibel, stubenrein und leidet unter dem Tierheimleben.

Name: Balou

Rasse: Beauceron

Alter: fünf Jahre

Kastriert: ja

Besonderheit: verträgt sich gut mit Katzen

Auf der Pflegestelle lebte er gut mit Kindern zusammen und machte nichts kaputt, wenn ich mal allein bleiben musste. Ein großer Spaziergänger ist er wegen eines inzwischen behobenen Hüftproblems nicht. Aber das könnte sich noch ändern, wenn er endlich ein eigenes Zuhause gefunden hat.

Weitere Auskünfte über die vier Hunde gibt das Heim täglich (außer montags) von 14 bis 17 Uhr, Tel. (06 81) 5 35 30.

Wer Vorurteilen aufsitzt, mache es sich zu einfach, findet Tabatha Walter. Die Tierschützerin appelliert an die Heimbesucher, sich auf jeden einzelnen Hund einzulassen, ihm Charakterzüge und Eigenschaften zuzubilligen, egal zu welcher Rasse er gehört. Es seien nun einmal Individuen, die da ins Haus kommen und ihren Besitzern einiges abverlangen.

"Hunde bedeuten Verantwortung. Tägliche Spaziergänge bei Wind und Wetter, Tierarztbesuche, Erziehung und noch viele weitere Faktoren kommen auf den künftigen Besitzer zu. Wer sich entschließt, einem Hund ein Zuhause zu schenken, muss sich bewusst sein, dass es eben nicht nur Spiel und Spaß gibt. Die einen sind noch recht ungestüm und müssen konsequent erzogen werden, was einen Besuch in der Hundeschule unvermeidbar macht. Andere bringen kleine Macken mit. sich. So läuft der eine gerne Mofas hinterher, und der andere möchte seinen Menschen mit niemandem teilen." All das hat aber mit Rasse und Größe nichts zu tun, findet Tabatha Walter. "Wichtig ist doch, dass Mensch und Tier zusammenpassen. Denn dann hat man einen treuen Weggefährten für viele tolle Stunden."



Zum Thema:

StichwortSommerfest feiert das Bertha-Bruch-Tierheim, Folsterweg 101, am Samstag und Sonntag, 4. und 5. September. Es dauert am Samstag von 11 bis 21 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. An beiden Tagen gibt es eine Tombola. Samstags sind für die Kinder Schminken, ein Quiz und ein Malwettbewerb im Angebot. Ab 18 Uhr gibt's für die Großen einen Partyabend mit der Band Sonic Voices und Cocktails. Sonntags stellt sich auch der Stadttaubenverein vor. ole