Grimmsches Horrormärchen

Mit einem echten Gruselstück frei nach den Gebrüdern Grimm hat das Kleine Theater im Saarbrücker Rathaus am Samstag seine Spielzeit eröffnet. „Die Exen“ begeisterten mit dem „Märchen vom guten Ende“.

"Träume und Albträume" heißt das Motto der laufenden Spielzeit im Kleinen Theater im Rathaus. Zur Eröffnung der Herbstsaison präsentierte Thomas Altpeter, künstlerischer Leiter des Figurentheaters, nun eine Inszenierung, die vor fünf Jahren bereits zu sehen war, damals aber vor nur wenigen Zuschauern. Altpeters Hoffnung auf ein verdient größeres Publikum ging am Samstag in Erfüllung: Proppenvoll war der Gewölbekeller beim "Märchen vom guten Ende", einem Gastspiel der "Exen" aus Erfurt und Leipzig.

Kathrin Blüchert, Annika Pilstl und Karin Schmitt sind Absolventinnen der renommierten Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und haben sich zu einem freien Ensemble zusammengeschlossen. Für ihre makabre Suche nach dem Happy End kombinieren sie hier Schauspiel mit Stab- und Handpuppen und stützen sich auf sieben weniger bekannte Märchen der Gebrüder Grimm, die sie zu einer schockierenden Gruselgeschichte verweben.

Ein Theaterstück wie ein Horrorfilm: Es wimmelt sehr plastisch von abgehackten Körperteilen, herausgeschnittenen Herzen und Augen und anderen Gräueltaten. Zugleich ist der morbide Reigen eine Farce über menschliche Dummheit, Eitelkeit, Hoffahrt und Habsucht. Das Böse ist immer und überall, und die Menschheit so töricht, dass sie sogar den Teufel wiederbelebt, der seine Opfer in verschiedener Gestalt versucht und sich hernach zufrieden die Hörner streichelt.

Drastisch, blutrünstig - dass dieses Kabinett des Grauens dennoch Spaß macht, hat mehrere Gründe. Da wäre der absurde und zugleich lakonische Humor, gepaart mit einer geradezu kindlichen Lust am Spiel, an Übertreibungen und Albernheiten - Monty Python lässt grüßen. Zum andern beweisen die "Exen" mit ihrer grotesken Kostümierung als versehrte Feldscherer (Feldärzte) einen fabelhaften Mut zur Hässlichkeit und verblüffen mit einer kleinen, aber originell gehandhabten Ausstattung, Slapstik und hinreißenden Bildern. Und zumindest für die drei Ärzte, die durch eine Selbst-Operation in den Strudel des Entsetzens hineingezogen werden, geht die Sache - anders als im grimmschen Original - tatsächlich gut aus.