Goethes neues Zeitalter überwindet alles Trennende

„Blume und Hubers“ Stück feierte am Freitag Premiere im „Theater im Viertel“. Die Macher wagen sich dabei an ein Stück, das schon oft interpretiert wurde. Eindeutig blieben sie dabei nicht, aber dafür gab es viel Leichtigkeit.

"Ich hoffe, die 18 Figuren dieses Dramatis sollen, als soviel Rätsel, dem Rätselliebenden willkommen sein." Mit diesem Satz sollte Goethe richtig liegen. Sein Kunstmärchen wurde in den letzten Jahrhunderten unterschiedlichst interpretiert.

Goethes Märchen spielt in einer symbolischen Landschaft, die durch einen Fluss getrennt wird. Auf der einen Seite liegt ein unterirdischer Tempel. Ein Jüngling tritt mit einigen anderen Figuren die Reise zur schönen Lilie an. Erreicht werden kann sie nur durch den Fährmann, die grüne Schlange, die sich am Mittag zu einer Brücke über dem Fluss verwandelt. Die Lilie hat die Fähigkeit, Totes durch Berührung wieder lebendig zu machen und Lebendiges zu töten. Durch freiwillige Berührung der Lilie stirbt der Jüngling schließlich, der die Lilie liebt. Die grüne Schlange opfert sich, rettet sein Leben und die Liebe der beiden. Unter ausgefeilter Symbolik bricht ein neues Zeitalter an, in dem Trennendes überwunden wird.

Die Inszenierung durch "Blume und Huber" bedient sich als Erzähl-, Objekt-, Figuren- und Schauspieltheater einfacher Mittel, die - raffiniert eingesetzt - der phantastischen Bildhaftigkeit dieses Kunstmärchens gerecht werden. Dietmar Blume und Martin Huber gelingt es dabei auf erfrischende Weise, mit zwei Personen sämtliche Figuren gleichzeitig darzustellen und dabei für mancherlei komische Situation zu sorgen. So wirken die "anmutigen" Bewegungen Dietmar Blumes, gepaart mit dem Frauenschrei Martin Hubers, zuweilen wie Szenen aus einem Männerbalett. Diese wechseln sich mit ernsthaft-nachdenklichen Momenten ab.

Nein, eine eindeutige Interpretation liefern auch "Blume und Huber" nicht. Aber mit ihrer Art der Inszenierung verhelfen sie dem Stück zu einer Leichtigkeit, in der das Publikum das ohne Weiteres verschmerzen kann.