„Glück kommt von Gelingen“

Glück und Zufriedenheit wünschen sich alle – viele setzen sich daher gute Vorsätze fürs neue Jahr. Der Großrosseler Pfarrer und Motivationsredner Axel-Maria Kraus hält regelmäßig Vorträge zum Thema „Wie gewinne ich Lebensfreude?“ Mit ihm sprach SZ-Redakteurin Ute Kirch.

Zum neuen Jahr stecken sich viele Menschen Ziele, oft mit dem Wunsch, dass es ihnen dann besser geht. Lässt sich so Lebensfreude gewinnen?

Kraus: Wir müssen sogar Ziele haben - dem Menschen sind dabei keine Grenzen gesetzt! Ziele machen uns groß und reich. Es reicht nicht, nur die Grundbedürfnisse abzudecken. Wer keine Ziele hat, ist langweilig. Wir sind doch gestalterische Wesen. Wenn ich ein Fernziel habe, muss ich mir auf dem Weg dahin Teilziele stecken. Aber nur große Ziele begeistern: Wernher von Braun wollte Raketen bauen, die bis zum Mond fliegen, aber zuerst baute er welche, die nicht ganz so weit fliegen. Es ist der älteste Wunsch des Menschen, glücklich zu sein. Glück kommt von Gelingen. Wenn Ihnen etwas gelingt, sind Sie glücklich. Und wenn es Ihnen gut geht, überträgt sich das auf andere. Glück und Lebensfreude bestehen darin, dankbar zu sein.

Aber oft scheitern wir an den guten Vorsätzen. . .

Kraus: Menschen scheitern nicht an guten Vorsätzen, sondern daran, dass sie diese nicht umsetzen. Viele lassen sich treiben. Sie finden vieles interessant und sind wie ein Schmetterling - mal hier, mal dort. Sie halten sich - etwa bei der Suche nach dem Partner - viele Optionen offen und legen sich nicht fest. Andere werden von ihrer Umgebung gebremst durch Sätze wie: Eine Frau braucht das nicht zu können, der Bruder kann das besser.

Wird einem die Lebensfreude in die Wiege gelegt?

Kraus: Ja, ich war schon immer so, dass ich nach den Stärken in den Menschen geschaut habe. Bei der Geburt haben wir noch keine eigene Meinung. Wir wurden von unseren Eltern besprochen wie eine Festplatte. Hier ist Arnold Schwarzenegger ein schönes Beispiel: Er bedankt sich heute noch öffentlich bei seiner Mutter. Er verdanke ihr alles, weil sie ihm stets gesagt habe: Junge, gleich, was du tust, du wirst erfolgreich sein.

Aber was ist mit Leuten, die in ihrer Kindheit nicht positiv bestärkt wurden?

Kraus: Es ist wie bei einer klassischen Kassette: Man kann die Aufnahme nicht löschen, aber man kann sie überspielen. Das haben Menschen selbst in der Hand. Etwa indem sie ein Erfolgstagebuch führen. Jeden Tag tragen sie dort drei Dinge ein, die ihnen gut gelungen sind. An einem schlechten Tag sagt einem ein Blick ins Buch, wie gut sie tatsächlich sind. Das ist wie bei einem Sportler, der ein Pokalzimmer hat. Betritt er es, werden die Erinnerungen an die Erfolge wieder Realität.

Was ist Ihr Tipp, um Lebensfreude zu gewinnen?

Kraus: Ein glückliches Leben beginnt mit der Kunst, erfolgreich zu sprechen. In Nancy lebte der Apotheker Émile Coué (1857-1926), der seinen Kunden den Rat gab, sich beim Aufwachen und vor dem Einschlafen immer wieder den Satz: "Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser!" laut aufzusagen. So kann man sein Unterbewusstsein besprechen. Dann kann man umsetzen, was man möchte. Jeder kann irgendetwas, diese Stärke muss man hervorheben. Das muss man auch sagen. Positiv über sich zu reden, hat nichts mit Angeberei zu tun. Eigenlob stimmt!

Die eigene Sicht, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, spielt bestimmt auch eine Rolle?

Kraus: Unser Schicksal wird von zwei Faktoren bestimmt: Wünsche und Hoffnungen oder Ängste und Befürchtungen. Sie haben die Wahl, fröhlich zu sein oder ängstlich. Unser Körper hat eine Funktion: Energie zu produzieren. Nutzen wir sie, um Gas zu geben, oder uns und andere auszubremsen? Da stimmt das Wort Jesu: Wer suchet, der findet. Suche ich die Stärken oder suche ich die Schwächen?

Wer um einen verstorbenen Angehörigen trauert, fällt es oft schwer, die Stärken zu sehen.

Kraus: Ja, viele halten das Leben dann für sinnlos. Ein neuer Sinn muss gefunden werden. Ich möchte den Menschen wieder Mut machen. Sie können Kummer und Sorgen bei mir aussprechen. Dann gebe ich ihnen eine Aufgabe, etwa Altenheim-Bewohnern aus der Zeitung vorzulesen. Es kann gelingen, dem Leben trotz Elend einen Sinn zu geben.

Axel-Maria Kraus hält am Freitag, 20. Januar, 18 Uhr, in der Volkshochschule Großrosseln, Alte Schule Naßweiler, einen Vortrag zum Thema "Wege zum Erfolg - wie werde ich erfolgreich?". Der Eintritt ist frei.

Zum Thema:

Zur Person Axel-Maria Kraus (60) ist Pfarrer in Großrosseln. Der gebürtige Altenkessler ist ein Spätberufener: Nach einer kaufmännischen Lehre ging er zur Luftwaffe nach München, wurde Waffenexperte, Offizier und Buchprüfer. Mit 26 Jahren studierte er Theologie, Psychologie und Philosophie und beendete die Ausbildung mit der Weihe zum Diakon im Trierer Dom 1987. Kraus spricht in der ganzen Republik über "Wege zum Erfolg" oder "Wie gewinne ich Lebensfreude ". Er ist Mitglied der "German Speakers Association", eines Netzes besonders guter Referenten. Sein Honorar spendet er für karitative Zwecke. ukl