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„Glamour ist nicht meine Welt“

Für gleich drei Shows kommt Jürgen von der Lippe mit seinem neuen Programm „Wie soll ich sagen. . .?“ vom 23. bis 25. April in die Congresshalle nach Saarbrücken. SZ-Mitarbeiter Marko Völke sprach vorab mit dem 66 Jahre alten Komiker und TV-Moderator.

Bei Ihren vorherigen Auftritten im Saarland haben Sie die Zeit tagsüber genutzt, um Essen zu gehen oder zu schreiben. Was haben Sie dieses Mal geplant?

Von der Lippe: Beim letzen Mal waren wir in einem Hotel, da war gegenüber ein sensationelles französisches Restaurant. Da haben wir jeden Tag gegessen, weil es einfach so viele tolle Sachen auf der Karte gab. Das war jetzt kein Sternelokal, sondern eine ganz ehrliche, köstliche, deftige, französisch-deutsche Küche - aber einfach mit frischen Zutaten hervorragend zubereitet. Das war eine Freude. Ich hoffe, der ist noch da; dann freue ich mich sehr. Ansonsten ist Saarbrücken ja ohnehin eine kulinarisch sehr erfreuliche Gegend. Zudem kommt meine ganze Ton-Crew da her. Es ist auch so, dass die Schreiberei immer mehr wurde. Seit einigen Jahren führe ich eigentlich tagsüber verstärkt das Leben eines Schriftstellers, da ich fast jedes Jahr ein Buch herausbringe. Zurzeit arbeite ich an dreien: an zwei romanartigen und einer schöne Comedy-Geschichte. Dann müssen Sie natürlich gucken, dass Sie auch die Zeit in der Garderobe nutzen. Sonst kommen Sie nicht klar. Das mit dem Schreiben ist natürlich auch langfristig angelegt. Irgendwann höre ich mal mit den Comedy-Auftritten in den Hallen auf und mache nur noch Lese reisen. Darauf läuft das ja hinaus, wenn man dann mal so richtig alt ist. Die Lesungen kosten auch nicht so viel Kraft, aber machen genauso viel Spaß. Und man hat auch den Vorteil, dass Sie das, was Sie frisch geschrieben haben, abends schon vortragen können.

Wann wäre für Sie der richtige Zeitpunkt, mit Ihren Comedy-Tourneen aufzuhören?

Von der Lippe: Das sind natürlich auch immer kaufmännische Entscheidungen. Wenn mein Veranstalter sagt: "Wir tun uns jetzt so schwer mit dem Ticketverkauf, das wird riskant", dann sagt man: "Gut, dann machen wir meinetwegen eine Abschiedstour durch kleinere Theater". Ich rede jetzt von in 20 Jahren. Das ist ja auch in Ordnung. Ab dann wird halt nur noch gelesen - die nächsten 30 Jahre.

Sie sagen, dass das Altern als Comedian viele Vorteile mit sich bringt und man Sachen machen kann, die junge Kollegen nicht tun können. Gibt es auch Dinge, die weniger lustig sind?

Von der Lippe: Natürlich zwickt da jeden Morgen irgendwas. Mit dem Sport geht das eben nicht mehr so wie früher. Aber das empfinde ich als völlig normal - solange ich überhaupt noch hinten hochkomme und auch noch ein bisschen Sport machen kann. Danach fühlt man sich einfach toll. Und dann geht man mit einem anderen Schwung an den Computer. Ansonsten läuft es wahnsinnig toll für mich. Ich kann im Moment eigentlich nur dankbar sein, dass ich im relativ gesetzten Alter so viel Erfolg bei etwas habe, was mir so viel Spaß macht.

Sie haben mal gesagt, dass Sie mehr TV-Angebote abgelehnt als angenommen haben. Haben Sie das irgendwann mal im Nachhinein bereut?

Von der Lippe: Na gut, ich habe "Wetten, dass. . ?" abgelehnt. Das war ja schon ein Erfolg und auch hinterher einer. Aber das hat mich nicht interessiert, weil ich zu der Zeit mein "Geld oder Liebe" hatte. Das war mein eigenes Kind und mir einfach wichtiger. Ich wäre auch nicht geeignet für "Wetten, dass. . ?" gewesen, denn ich bin keiner, der auf diesen Glamour schielt und es geil findet, wenn internationale Stars kommen. Das ist nicht meine Welt. Ich hätte das auf keinen Fall so gut wie Gottschalk gemacht. Man muss die Dinge tun, bei denen man sich absolut sicher und zu Hause fühlt. Bei allem anderen würde der Zuschauer eine Verspannung merken. So wie ich mich beim Autofahren unwohl fühle. Das ist einfach nicht meins. Das wird auch immer schlimmer. Ich habe richtig Angst, Fehler zu machen. Das ist einfach nicht mein Ding. Und das sind immer Bauchentscheidungen. Das ist ganz wichtig. Man muss nicht Argumente abwägen, sondern in sich hinein horchen und fragen: "Wie fühlst du dich dabei?" Und wenn der Bauch Nein sagt, dann ist es Nein. So einfach ist das bei vielen Sachen.