GEW-Chef Balnis will Bildung für Flüchtlinge

Die Lehrergewerkschaft GEW will Flüchtlingen best- und schnellstmöglich Zugang zu Bildung ermöglichen. Dabei setzt die GEW nicht nur auf Schulen und Kitas, sondern auch auf Lern-Apps für die Handys.

Der Landesausschuss der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland steht heute in der Arbeitskammer in Kirkel ganz im Zeichen des Themas "Bildung für Flüchtlinge ". Die 60 Delegierten wollen dort mit Schulminister Ulrich Commerçon (SPD ) ein Positionspapier debattieren, das Vorschläge enthält, wie das Recht auf Bildung für Flüchtlinge bestmöglich umgesetzt werden kann, wie GEW-Landeschef Peter Balnis mitteilte. Diese Vorschläge umfassen alle Bildungsbereiche vom Aufnahmelager über Kitas, Schulen , Berufsschulen, Hochschulen und Erwachsenenbildung bis hin zu Unterstützungssystemen der Jugendhilfe. "Die GEW bekennt sich zu der Verantwortung, Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, aufzunehmen und die Unterstützung zukommen zu lassen, der sie für eine Existenz in Würde und Gleichberechtigung bedürfen", lautet der Kernsatz des Positionspapiers, der von Balnis und dem Vorstand erarbeitet worden ist. Scharf wendet sich der GEW-Vorstand dagegen, das Bildungsangebot an den Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge zu knüpfen. Alle Menschen, die nach Deutschland zuwanderten, sollten Zugang zur Bildung passend zu ihrem Lernstand und ihren sonstigen Voraussetzungen erhalten "und zwar von Anfang an und unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus ", formuliert es der GEW-Vorstand. Abzuwarten, ob Flüchtlinge "ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten, ist unzumutbar und verantwortungslos", erklärte Balnis.

Es gebe an saarländischen Schulen , Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen viele hoch motivierte Lehrkräfte und Sozialpädagogen, die bereit seien, sich über die ihnen bereits gestellten Anforderungen hinaus zu engagieren. Das reiche aber nicht: Daher fordere die GEW die Einsetzung eines Bildungsrates für Flüchtlinge mit allen zuständigen Einrichtungen, um ein Gesamtkonzept zu erstellen.

In der Erstaufnahmestelle Lebach müsse die Bildung ab dem ersten Tag der Ankunft für die Flüchtlinge beginnen, lautet eine Kernforderung. Allen Kindern und Jugendlichen müsse ab der ersten Woche ein tägliches Lern- und Spielangebot gemacht werden.

Für die 1300 Kinder unter sechs Jahren, die ins Saarland in diesem Jahr kämen, würden 160 zusätzliche Erzieherinnen benötigt. "Dafür müssen jetzt zügig Stellen geschaffen und die Ausbildungskapazität dementsprechend angepasst werden", so der GEW-Vorstand. Im Saarland würden 2015 mindestens 60 "Sprach-Kitas" gemäß dem gleichnamigen Bundesprogramm gebraucht. "Die durch den Wegfall des Betreuungsgeldes frei werdenden Mittel müssen im Saarland für den weiteren Ausbau von Kitaplätzen verwendet werden", so der GEW-Vorstand, der sich damit klar auf Seiten der Saar-SPD positionierte. An den Schulen müsse der Lehrerstellenabbau angesichts von 4000 erwarteten schulpflichtigen Flüchtlingskindern sofort gestoppt werden. Zudem würden 250 und nicht wie von Commerçon geplant 130 zusätzliche Lehrer gebraucht.

Die GEW macht sich für neue Lernmethoden für junge Flüchtlinge stark: Sie stellt den 60 Delegierten das eLearning-Portal "Dafür - Deutsch als Fremdsprache für Integrationen" vor, dass von der Firma Eurokey und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) entwickelt worden sei. Das von der GEW finanziell unterstützte Projekt biete kostenlose Lernmodule und Smartphone Apps an, hieß es.