Gesundes Essen für jeden Schultag

Gesundes und leckeres Essen bietet das Merziger Peter-Wust-Gymnasium seinen Schülern jeden Tag. Ziel der schuleigenen Mensa mit 50 Plätzen ist es, die Schüler an gesunde Ernährung heranzuführen.

Merzig. 13 Uhr, eine anstrengende Doppelstunde Sport ist vorbei. Jetzt heißt es erstmal, sich zu stärken, bevor es in der siebten Stunde mit Geschichte weitergeht. Also geht es ab zum nächsten Imbiss. Eine Currywurst und eine Portion Pommes sind jetzt vielleicht genau das Richtige. Dazu eine große Cola. Schließlich hat das Lauftraining vorhin ganz schön durstig gemacht. Dass Fast Food nicht gerade gesund ist, das wissen die Schüler schon. Aber schmecken tut's halt. Doch da gibt's ja noch die schuleigene Mensa. Und von dem ein oder anderen hat man schon gehört, dass es dort auch munden soll und das Essen mit vier Euro auch noch günstig ist. Fettige Pommes und andere frittierte Sachen sind Fehlanzeige. Jedenfalls in der Kantine des Peter-Wust-Gymnasiums (PWG) in Merzig. Dort stehen heute Hähnchenschnitzel mit Kartoffelpüree und gemischtem Gemüse auf dem Speiseplan. Als Nachtisch gibt es Fruchtjoghurt.

50 Plätze bietet die Mensa. Die sind zwar nicht alle besetzt. Aber denjenigen, die hier jeden Mittag herkommen, scheint es zu schmecken. Die Fünftklässler Tim Weiler, Raphaël Croon und Marc-Kevin Wetta haben gerade ihre Teller leergeputzt. "Es schmeckt hier immer gut. Ich mag vor allem die Salate", lobt der elfjährige Tim die Verpflegung in seiner Schule. Auch die frisch gekochten Spaghetti gelingen stets gut, versichert Raphaël. Und dass es keine gezuckerten Getränke, sondern ungesüßten Tee gibt, stört auch nicht. "Die Getränke schmecken mir sehr gut", meint Marc-Kevin.

Mit Beginn des Schuljahrs 2013 hat die Mensa am PWG ihren Betrieb aufgenommen. Eingerichtet wurde sie in der ehemaligen Hausmeisterwohnung, erklärt Schulleiterin Gabriele Hewer. Pächter ist die DSG Catering GmbH. "Die kochen hier alles frisch vor Ort. Das machen eine Köchin und eine weitere Angestellte", erklärt Hewer. "Unser Ziel ist es, die Schüler an gesunde Ernährung zu gewöhnen."

Damit will die Schule auch einem alarmierenden Trend entgegenwirken: Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) leiden 67 Prozent der Männer hierzulande und knapp die Hälfte der Frauen unter Übergewicht. Starkes Übergewicht (Adipositas) wurde bei 23 Prozent der männlichen und 24 Prozent der weiblichen Bevölkerung diagnostiziert. Das Problem macht besonders vor den Jungen unter uns nicht halt. Wie aus einem Einschulungsbericht des Saarlandes hervorgeht, waren im Einschuljahrgang 2007 etwa fünf Prozent der Jungen und 6,6 Prozent der Mädchen übergewichtig, 6,3 Prozent der Schüler und 5,2 Prozent der Schülerinnen adipös.

Dass Übergewicht und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen zu einem immer größeren Problem werden, hat die Bundesregierung erkannt und im Jahr 2008 die Initiative "In Form" ins Leben gerufen. Das Ziel: das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Deutschen zu verbessern. Dazu zählt auch, dass in den Schulen ausgewogene Mahlzeiten serviert werden. In jedem Bundesland wurden im Zuge der Aktion sogenannte Vernetzungsstellen eingerichtet, die den Schulen und Caterern Tipps für einen ausgewogenen Speiseplan geben.

Rat bei der Vernetzungsstelle hat sich auch das PWG geholt. "Viele Eltern hatten den Wunsch, dass wir ihren Schülern ein vollwertiges Mittagessen anbieten. Daraufhin habe ich mich an die Vernetzungsstelle im Saarland gewandt", erklärt Christoph Josten, Sport- und Biologielehrer am PWG und Mitglied der Schulkonferenz. Er hat sich federführend um die Umsetzung des Verpflegungskonzepts am Gymnasium gekümmert.

Und ein solches aufzustellen, ist nicht leicht: Denn was in saarländischen Schulkantinen auf den Tisch kommt, muss seit Beginn des Schuljahrs 2013/14 dem Qualitätsstandard für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entsprechen. Das bedeutet, es dürfen innerhalb von 20 Verpflegungstagen maximal acht Fleischspeisen angeboten werden, es müssen "minimal vier Fischspeisen und minimal acht Milchprodukte" serviert werden, zählt Jürgen Renner vom Ministerium für Bildung und Kultur auf. Nahrungsmittel mit hohem Fett- und Zuckeranteil dürfen nicht angeboten werden. Obst mit Zuckerzusätzen ist tabu.

Wie gesund sich Schüler im Saarland in den Mensen ernähren, wird vom Ministerium kontrolliert. Wer ein Mittagessen anbietet, muss seine Speisepläne archivieren und auf einer Liste angeben, welche Lebensmittel wie häufig serviert werden, schildert Jürgen Renner. Bei Hygienekontrollen sammelt das Landesamt für Verbraucherschutz die Pläne und Listen ein und übermittelt sie an das Ministerium, erklärt Volker Franz vom Landesamt. Stellen Mitarbeiter des Ministeriums Abweichungen von den Richtlinien fest, müssen die Schulen nachbessern und weitere Speisepläne einreichen. Solche Beanstandungen seien jedoch relativ selten, zur genauen Zahl konnte das Ministerium auf Anfrage keine Angaben machen.

Am Speiseplan des PWG hatten Ministerium und Schüler bislang nichts zu meckern, versichert Gabriele Hewer. Allerdings wird das neue Angebot von den Schülern bislang nicht so gut angenommen, wie sich die Schulleiterin das wünschen würde. "Es kommen vor allem die Schüler zum Mittagessen , die an der freiwilligen Ganztagsschule teilnehmen und am Nachmittag in der Betreuung sind." Wie auch die anderen Schüler für das hauseigene Essen begeistert werden können, werde demnächst Thema in der Schulkonferenz sein. "Angedacht ist, dass wir eine Umfrage in der Schülerschaft starten. Vielleicht veranstalten wir auch Thementage", schildert Christoph Josten. Eine Themenwoche mit saarländischen Spezialitäten wie zum Beispiel "Geheirate" habe es schon gegeben.

Ein ausgewogenes Mittagessen anzubieten, ist allerdings nur ein Ansatz am PWG, um die Schüler für das Thema gesunde Ernährung zu sensibilisieren. Im vergangenen Schuljahr hatte Christoph Josten einen Kurs angeboten, bei dem die Kinder den Umgang mit frischen Nahrungsmitteln lernten, selbst kochen durften und die Küche anschließend reinigen mussten. "Hygiene ist nun mal das Wichtigste", betont Josten. Wie das in der Schule üblich ist, absolvierten die Kinder am Ende des Kurses einen Test. Dafür durften sie sich über einen "Ernährungsführerschein" freuen. Der bescheinigt ihnen, dass sie gesund kochen - und darüber hinaus ihre Küche auch sauber halten können. Kurse wie dieser will Josten im nächsten Schuljahr wieder anbieten.

Tim, Raphaël und Kevin-Marc haben zwar noch keinen Ernährungskurs belegt. Dass das Essen in ihrer Mensa aber gesund und dazu noch lecker ist, das stellen sie jeden Tag aufs Neue fest. Und wer sich täglich gesund ernährt, der sollte auch mal eine Pizza haben dürfen. "Aber nur ein mal im Monat", da sind sich die drei einig.

Zum Thema:

HintergrundDie Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bietet Speiseanbietern die Möglichkeit, sich für die Einhaltung des Qualitätsstandards für Schulverpflegung zertifizieren zu lassen. Zurzeit gibt es im Saarland laut Elke Liesen von der DGE fünf für den Schulbereich und zertifizierte Anbieter, weitere haben einen Antrag gestellt.Schulen und Speisenanbieter, die sich Hilfe bei der Gestaltung eines ausgewogenen Speiseplans holen möchten, können sich von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung im Saarland beraten lassen. Ihre Mitarbeiter informieren unter anderem über die Anforderungen an den Qualitätsstandard von Schulessen der Deutschen Gesellschaft über Ernährung und geben Tipps, wie verstärkt regionale und saisonale Lebensmittel in den Verpflegungsplan aufgenommen werden können. eibschuleplusessen.de/qualitaetsstandard.htmlvernetzungsstelle-saarland.de

Zum Thema:

Auf einen BlickIm Landkreis Merzig-Wadern bieten insgesamt 30 Schulen ein Mittagessen an. Es werden unterschiedliche Verpflegungssysteme eingesetzt: Laut Angaben des Landkreises erhalten die meisten Schulen ihr Essen von Speiseanbietern in Wärme-Containern, die für die Essensausgabe angeliefert werden. In einigen wenigen Mensen werden die Mahlzeiten frisch zubereitet. Sämtliche Schulen sind verpflichtet, den Qualitätsstandard für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einzuhalten. eib

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