Gesellschaftskritiker mag's farbig

Maler Kurt Emser verabscheut „Typen, die einem das Leben absaugen“. Solche, die das Wirtschaftssystem eiskalt für ihre Profitgier nutzen. Ihnen setzt er eigenwillige Denkmäler im Großformat.

Jahrelang bemalte er fast ausschließlich Schuhkartons. "Seit anderthalb Jahren arbeite ich etwas größer", sagt Kurt Emser - eine glatte Untertreibung: An den Wänden seines herausfordernd erleuchteten Ateliers in der Heinrich-Böcking-Straße hängen mehrere Meter große Tableaus. Regelrechte Wimmelbilder, die mit ihrer Farbigkeit und der Kombination aus Typografie und Malerei an Comic-Szenarien erinnern und beim Betrachter ein Kopfkino in Gang setzen: pastellig bis poppig krass die Farben, wuselig verquickte und doch klar konturierte Köpfe und Körper. Dazwischen Schrift, graffitiartig eingebettet. Sie transportiert literarisch oder gesellschaftskritisch motivierte Fragen und hintergründige Botschaften: "Ich male politisch", erklärt Kurt Emser. Seine Kritik gilt Schönfärberei und marktwirtschaftlichen Auswüchsen, was sich bereits im Titel seiner Werke äußert.

Und auch seine aktuelle Ausstellung im Sali e Tabacchi in der Feldmannstraße positioniert sich unter dem Namen "Von Wiesenfeen und Dieben" gegen kapitalistische Ausbeuter: "Mit Dieben meine ich Typen, die einem das Leben aussaugen", sagt Emser. Der künstlerische Werdegang des 57-jährigen gebürtigen Homburgers verlief nicht geradlinig. Sein Studium der Sozialarbeit finanzierte er mit einem Kneipenjob, bei dem er hängen blieb.

Parallel wuchs das Bedürfnis, sich künstlerisch zu äußern - seine zunächst autodidaktische Ausbildung professionalisierte Emser mit Kursen in Aktzeichnen bei Bodo Baumgarten an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK).

Eine erste größere Einzel-Ausstellung zeigte er 2001 im Saarlouiser Museum Haus Ludwig; heute zieren seine Gemälde Europa-Institut und Saarbrücker Rathaus. Auch die Mitgliedschaft im Bundesverband Bildender Künstler (BBK) und im Künstlerhaus Saarbrücken wertet Emser als späte Anerkennung. Gern kombiniert er ganz unterschiedliche Techniken und Materialien: Heißluftpistolen, Nagellack, Haarspray und sogar Frischhaltefolien finden ebenso Einsatz wie Acryl, Öl, Zeichenstifte und Spraydosen. Die meisten Inspirationen holt Emser sich beim Spazierengehen. "Ich bin ein Flaneur", erzählt er. Bei dem Jazz und Punkrock ebenso zum Schaffensprozess gehören wie Zigaretten und ein gutes Glas Rotwein.

Kurt Emsers Ausstellung "Von Wiesenfeen und Dieben" ist bis 30. Januar im Sali e Tabacchi zu sehen, Montag und Mittwoch von 16 bis 18 Uhr.

kurt-emser.de

salietabacchi-sb.de

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