Geschichte und Gegenwart zugleich

Die Geschichts-AG der zehnten Klasse des Saarpfalz-Gymnasiums war im vergangenen Jahr zu Besuch in der Bundeshauptstadt Berlin. Die Schüler nahmen jetzt an unserem Zeitungsprojekt teil und erinnern sich an ihre Erlebnisse.

Jorge Garcia Vázques, der kubanische Zeitzeuge und ehemalige Häftling des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen, mit den Schülerinnen Lea Karrenbrock (links) und Lina Ernert (rechts), fotografiert durch das winzige Guckloch einer Gefängniszelle. Foto: Jung/Schule. Foto: Jung/Schule

Sowohl zu saarländischen Abgeordneten des deutschen Bundestages als auch zum nur wenige Meter davon entfernten Bundeskanzleramt hat unsere Arbeitsgemeinschaft Geschichte seit vielen Jahren eine gute Verbindung. Im Bundeskanzleramt hängt sogar ein großes Gemälde von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, das unsere diesjährige Abiturientin Alina Keßler gemalt und vor drei Jahren der Bundeskanzlerin in Berlin geschenkt hat. Als uns die frühere Bundestagsabgeordnete Astrid Klug (SPD) in die Hauptstadt einlud und einen Fahrtkostenzuschuss in Aussicht stellte, haben wir nicht lange überlegt und sind als 20-köpfige Reisegruppe mit unserem Lehrer Eberhard Jung übers Wochenende nach Berlin gefahren.

Astrid Klug führte uns höchstpersönlich durch das weitläufige Reichstagsgebäude und gewährte uns authentische Einblicke in die Berliner Politik. Auf großes Interesse stießen der Andachtsraum, die Wandinschriften von sowjetischen Rotarmisten aus dem Jahre 1945, der Plenarsaal und die Reichstagskuppel.

Außerdem erlebten wir einen Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt. Ganz besonders neugierig waren wir auf den Helikopter der Kanzlerin, der im Kanzlergarten zu besichtigen war, auf den gepanzerten Kanzlerwagen und die Motorräder der Polizei-Eskorte, auf denen wir kurz Platz nehmen durften. Von innen und außen ist das Bundeskanzleramt ein wunderschönes Gebäude. Das bebaute Grundstück ist mit Hubschrauberlandeplatz und Kanzlerpark rund 7000 Quadratmeter groß. Mit einer Gesamtfläche von 12 000 Quadratmetern und einer Höhe von 36 Metern ist das Gebäude eines der größten Regierungsquartiere der Welt, größer als das Weiße Haus in Washington. Der spöttische Begriff "Kohllosseum" verweist darauf, dass es in der Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl (1982 bis 1998) entworfen wurde. Unser Highlight war der große Kanzlergarten, wo wir vor dem Helikopter der Kanzlerin lange in der Sonne lagen und uns von dem anstrengenden Tagesprogramm etwas erholten, ein Privileg, das die vielbeschäftigte und mächtigste Frau der Welt wohl so noch nie genießen konnte.

In der Nähe versammelten sich auch bald Fernsehteams und Fotografen, umringt von zahlreichen Besuchern. Nach kurzem Warten stand sie dann vor uns: die Bundeskanzlerin hautnah. Wir überreichten ihr als Gastgeschenk unser Buch mit Erinnerungen und Gedichten zum 100. Geburtstag des Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch - ein Thema, das sie sehr interessiert.

Natürlich gab es noch viele Einblicke in verschiedene andere Geschichtsepochen: Durch die Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen führte uns ein kubanischer Zeitzeuge, der während des Kalten Krieges in die Fänge der Geheimdienste von Havanna und Ostberlin geraten war. Er berichtete über die Haftbedingungen, die Machenschaften der Stasi und vermittelte ein abschreckendes Bild der SED-Diktatur. Ein weiteres Gänsehauterlebnis war die Besichtigung eines Atomschutzbunkers aus der Zeit des Kalten Krieges. In dem Museum "Story of Berlin" erhielten wir einen guten Einblick in die Berliner Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, im Ägyptischen Museum und der Papyrussammlung (auf der Museumsinsel) bestaunten wir zahlreiche antike Mumien, Alltagsgegenstände, Grabbeigaben, Sarkophage, Statuen und die weltbekannte Büste der Königin Nofretete. Im benachbarten Pergamonmuseum sahen wir den riesigen Pergamonaltar, das babylonischen Ischtar-Tor und eine Sonderausstellung über das mesopotamische Uruk, eine der ersten Großstädte der Welt. Aber auch Flohmärkte, Straßenmusikanten, die Mauerkunst der East Side Gallery und allerlei "schräge Großstadttypen" erregten unser Interesse. Und weil das prall gefüllte Besichtigungsprogramm und die Stadtbummel viel Appetit machten, fanden wir es toll, auch die abwechslungsreiche Gastronomie der Weltstadt kennen zu lernen - bei Türken, Syrern, Italienern und Indern. So wurde der viertägige Aufenthalt in Berlin zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Lea Karrenbrock und Celina Pirrung (10b) für die AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums in Homburg.

Hohenschönhausen

Eiskalt rinnt das Wasser

über meine Haut.

Vom Hinterkopf

über das Gesicht

in die Schüssel,

über die ich gebeugt bin.

TROPF

Warten auf den Tod,

der bald bevorsteht.

Kein Ausweg.

TROPF

Glasklar sehe ich es vor mir:

Ich werde ertrinken.

TROPF

Im Stasi-Knast

Hohenschönhausen:

gefangen, gefesselt, gefoltert.

TROPF

Wo ist meine Familie?

Wo sind meine Freunde?

Was passiert hier mit mir?

TROPF

So viele Fragen.

Keine Antworten.

TROPF

Angst. Verzweiflung.

Hilflosigkeit.

Wut und Trauer.

TROPF

Ich will schreien.

Ich will nicht mehr allein sein.

Ich will mein altes Leben zurück.

Ich will ein Ende meiner Qualen.

TROPF

Aus und vorbei.

Ich schließe die Augen.

Und diesmal fällt

statt eines Wassertropfens

eine Träne in den Behälter.

TROPF

Lara Gönner und Cara Thiel

aus der 10b des Saarpfalz-Gymnasiums

Erlebnis der besonderen ArtBerlin, Bundeskanzleramt:

Ausflug mit der Klasse,

Schlangestehen mit leuchtenden Augen -

erwartungsvoll.

Das Machtzentrum Deutschlands, ein Riesengebäude mit großem Park.

Man kennt es vom Fernsehen, jetzt in echt.

Im Hof: die Polizei-Eskorte der Kanzlerin,

ihre Limousine, zwei Motorräder - Staunen.

Ich steige auf.

Von oben schweift der Blick

über die Menschen.

Wind in den Haaren,

Sonnenbrille auf.

Berauschendes Gefühl,

Ich, Laura Friedel,

Schülerin als Polizistin.

Wie im Traum.

Blitzlichter.

Lächeln für Fotos.

Auf mir der wachsame Blick des Polizisten.

Vorbei der Traum,

wieder Realität.

Andere wollen dran.

Doch die Erinnerung bleibt,

festgehalten

auf einem Foto.

Für immer.

Heut' schau ich es an,

denke zurück:

Ein schöner Tag!

Danke dafür.

Das Lächeln bleibt.

Laura Friedel, 10b

des Saarpfalz-Gymnasiums

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