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Geschichte der Freundschaft zweier autistischer Außenseiter

Geschichte der Freundschaft zweier autistischer Außenseiter

Das geht nur im Theater: Um zu verdeutlichen, wie der Hauptfigur Rico extrem unterschiedliche Gedanken durch den Kopf schießen, wird Rico in der Bühnenfassung von vier Darstellern gleichzeitig gespielt.

"Wer von Euch hat die Nudel geklaut? Also wenn ich den erwische!" Und dann tönt es unisono aus vier Kehlen: "Mann, Mann, Mann, Mann!" Nanu? Wieso drohen gleich vier Ricos dem potenziellen Nudeldieb Prügel an?, werden sich womöglich all die Schüler fragen, die Andreas Steinhöfels Buch "Rico, Oskar und die Tieferschatten" aus dem Unterricht kennen - vor zwei Jahren war es nämlich Schullektüre. Denn im Buch ist es nur ein Rico, der verzweifelt seine "Fundnudel" sucht; in Felicitas Loewes gleichnamiger Bühnenfassung jedoch, die am Sonntag im Theater Überzwerg Premiere hat, wird Rico gleich von vier Schauspielern verkörpert: um zu verdeutlichen, wie extrem unterschiedlichste Gedanken in Ricos Kopf durcheinanderklackern. Denn Rico ist ein ganz besonderer Junge. Nicht, dass er denkfaul wäre: Rico braucht einfach ein bisschen länger als andere, um was zu kapieren.

Er ist "tiefbegabt", wie er selbst das nennt. Rico hat das Orientierungsvermögen einer besoffenen Brieftaube und Schwierigkeiten mit Fremdwörtern. Was ihm außerdem zu schaffen macht, sind die "Tieferschatten" im Hinterhaus: Ob es in der Nachbarwohnung spukt, weil sich da mal jemand umgebracht hat? Sein Leben wird noch turbulenter, als er sich mit dem merkwürdigen Oskar anfreundet.

Der ist das genaue Gegenteil von ihm, hochbegabt und übervorsichtig, um nicht zu sagen ängstlich. Als ausgerechnet Oskar von einem berüchtigten Kidnapper entführt wird, läuft Rico zu großer Form auf, um seinen Kumpel zu retten. Andreas Steinhöfel, mehrfach preisgekrönt und einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, wurde für sein Gesamtwerk 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Letzteren erhielt er 2009 auch für "Rico, Oskar und die Tieferschatten", den ersten Teil von mittlerweile drei Bänden. Das Theaterstück für Kinder ab 9 Jahren konzentriert sich nun ganz auf die Figur des Rico, der am Überzwerg gleichzeitig von Eva Coenen, Nina-Mercedés Rühl, Nicolas Bertholet und Reinhold Rolser gespielt wird. Ricos Beziehung zu dem komplementären Oskar erzählt die Geschichte einer Freundschaft zweier Außenseiter, die einander perfekt ergänzen.

Wobei sich nach Ansicht von Regisseur Bob Ziegenbalg die beiden Charaktere auch als gegensätzliche Pole einer Persönlichkeit mit autistischen Zügen lesen lassen.

Die Herausforderung für die Schauspieler besteht nun darin, zu viert eine einzige Figur zu interpretieren und dafür gleiche Gesten und Manierismen zu entwickeln - und obendrein in fliegendem Wechsel noch in weitere Rollen zu schlüpfen.

Premiere: Sonntag, 1. November, 15 Uhr, Karten: (0681) 9582830.

www.ueberzwerg.de