Geschafft hann mir schnell

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann war beim Arbeitsfrühstück.

Nach mehreren solcher Treffen weiß ich nun seit gestern ganz genau, warum ein Arbeitsessen so schön ist. Man darf essen und reden und reden und essen. Das war früher, im elterlichen Haus, nicht so gern gesehen. Da sollte man beim Kauen und Schlucken doch eher den Mund halten. Mehr Andacht für das, was auf dem Teller lag, wurde eingefordert. Und deshalb mag ich Arbeitsessen. Die heißen so, weil man während des Verzehrs dienstliche Dinge regelt oder regeln will. Oder was hört, was einen schlauer macht.



Das gestrige Date war ein Arbeitsfrühstück. Es machte schon ein bisschen Arbeit, aus dem ausladenden Büfett auszuwählen. Nehm' ich ein weiches Ei oder Rührei? Welches Weckchen wähle ich? Ist der Orangensaft frisch gepresst? Nehme ich mir noch einen Obstsalat ? Schließt Käse den Magen? All das will bedacht und abgewogen sein.

Nun sollte man seinen Gesprächspartner zum Arbeitsessen sorgsam auswählen. Unentwegt zutexten sollte er einen nicht. Gute Laune muss er auch mitbringen, um einem die Nahrungsaufnahme so angenehm wie möglich zu machen. Er sollte unterhaltsam sein, während man in den Wurstweck beißt. Nette Konversation ist eben wichtig. So habe ich mich also abgerackert, um dann zur Arbeit (ohne Essen) zu fahren, und zwar schnell. Denn die Zeit, sie lief davon. In Anbetracht dessen, was alles im Büro auf mich wartete, fiel mir auf dem Weg zum Auto ein passender Spruch der Saarländer ein: Wenn mir erschd emòòl gess hann - geschafft hann mir schnell.