Gemeinsame Sprache ist die Musik

Deutsche und französische Schüler aus Geislautern und Forbach üben derzeit intensiv für die neue Aufführung innerhalb ihres gemeinsamen Konzertprojektes. Den Hintergrund stellt diesmal der Erste Weltkrieg.

Deutsche und französische Schüler proben in Forbach die Operette "Die lustige Witwe", als die Kriegserklärung verlesen wird. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Die Fronten verhärten sich, die Jugendlichen müssen sich für eine Seite entscheiden. Wir schreiben das Jahr 1914, der Erste Weltkrieg steht vor der Tür. Mit dieser Handlung präsentieren etwa 250 Schüler das Stück "L'Heure exquise - 1914 - Im Walzertakt" am Donnerstag, 27. März, 19.30 Uhr, in der Gebläsehalle der Völklinger Hütte.

Das etwa anderthalbstündige Stück ist als Musical konzipiert, wie Nils Hollendieck jüngst bei einer Pressekonferenz erklärte. Hollendieck betreut auf Völklinger Seite für das Warndt-Gymnasium Proben und Aufführung. Die Schule ist auf deutscher Seite die einzige, die sich an dem grenzüberschreitenden Projekt "Europäisches Konzert der Saar- und Moselle-Schüler" beteiligt. Auf französischer Seite stehen die Forbacher Gymnasien. Das Warndt-Gymnasium stieg vor zehn Jahren ein. Nun, pünktlich zum 50-jährigen Bestehen der Jumelage zwischen Völklingen und Forbach, sei zu sehen, dass die "deutsch-französische Freundschaft ein konkreter Ausdruck für uns ist", sagte Schulleiterin Beatrix Lafontaine.

"L'Heure exquise - 1914 - Im Walzertakt" enthält neben der klassischen Musik Franz Lehárs auch rockige Klänge. Diese symbolisieren dann die kriegerischen Akte, wie Nils Hollendieck ausführt. Generell handele es sich um eine Mixtur, in die Elemente aus Musik, Theater und Show eingeflossen sind, fügt Christian Bur vom Fachbereich Musik beim Warndt-Gymnasium hinzu. Das Stück ist in drei Aufzüge gegliedert und enthalte "Krieg, ganz viel Liebe und ganz viele Küsse", so Nils Hollendieck. Das Stück sei jedoch keine Gedenkfeier zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Vielmehr solle gezeigt werden, was die Menschen in der Region getrennt und zerrissen hat. Schließlich gehörte Forbach zu diesem Zeitpunkt zum Deutschen Reich.

Diese Mischung von Klassik und Rock "öffnet für uns Schüler Türen für ein ganz neues Musikempfinden", schwärmt Jimmy Deglarges, der den besten Freund der Hauptfigur verkörpert. Die Proben sah auch Michelle Rouget positiv: "Das ist mal etwas ganz außerhalb des Schulalltags." Sie schlüpft in die Rolle der Verlobten eines weiteren Freundes der Hauptfigur. Beide waren sich darüber einig, dass alle beteiligten Schüler ein Ziel verfolgten: "Wir haben die gleiche Leidenschaft für Musik".

Neben der Aufführung am Donnerstag, 27. März, 19.30 Uhr, in der Gebläsehalle im Weltkulturerbe wird "L'Heure exquise - 1914 - Im Walzertakt" zwei weitere Male aufgeführt. Am Mittwoch, 19. März, 20 Uhr, im Arsenal in Metz und am Samstag, 29. März, 20 Uhr, im Centre d'animation culturelle in Forbach. Karten für zehn Euro (Erwachsene) und fünf Euro (Schüler) gibt es bei der Tourist-Info in Völklingen und im Warndt-Gymnasium.

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HintergrundDas Projekt des "Concert des Lycées" gibt es seit 22 Jahren. Angefangen hatte es als lothringisches schulübergreifendes Chor- und Orchesterprojekt mit Beteiligung von mehreren Schulen aus Metz und aus Forbach. Vor zehn Jahren wurde das Konzert-Projekt dann grenzübergreifend, indem das Geislauterner Warndt-Gymnasium miteinbezogen wurde. Anlass war seinerzeit das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Völklingen und Forbach. bo