Geduldsprobe am Steuer

Am ersten Tag der Sperrung der Stadtautobahn zwischen Malstatt und Gersweiler hat sich der Verkehr nur durch die Landeshauptstadt quälen können. Staus bildeten sich auch auf der A 620-Umleitung durch Burbach und in anderen Stadtteilen.

Die Umleitungsstrecke durch Burbach – wie hier an der Malstatter Hochstraße – war völlig überlastet. Fotos: Becker&Bredel

Dass die A 620 Richtung Saarlouis und Luxemburg zwischen den Ausfahrten Malstatter Brücke und Gersweiler Brücke ab gestern gesperrt sein würde, haben die meisten einheimischen Autofahrer gewusst. Doch am ersten Tag der Sperrung hätten sich wohl viele gedacht, dass sie trotzdem durchkommen würden und landeten im Stau. "Das ist immer so", sagte Uwe Wilhelm, Leiter der Polizeiinspektion Alt-Saarbrücken, die auch für die Stadtautobahn zuständig ist, der SZ. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Am ersten Tag fahren noch alle zur üblichen Zeit zur Arbeit. Erst nachdem man im Stau gesteckt hat, ändert man seine Gewohnheiten." Also hofft Wilhelm, dass sich die Lage in den nächsten Tagen verbessern wird. Denn die Sperrung hat nicht nur Konsequenzen auf die Umleitungsstrecke, die B 51 durch den Stadtteil Burbach. "Die Menschen versuchen alle mögliche Ausweichstrecken zu fahren", so Wilhelm. Dadurch würden sich an mehreren Stellen in der Stadt Staus bilden wie etwa auf dem Rastpfuhl.

Von Stau-Umfahrungsversuchen riet Gerd Kloy vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) ab: "Der Versuch, über Ausweichrouten zu fahren, kostet noch mehr Zeit. Es gibt keine Alternative: Die geschilderte Umleitungsstrecke durch Burbach ist die schnellste." Diese sei in Zusammenarbeit mit der Stadt Saarbrücken "optimiert" worden, zum Beispiel was die Ampelschaltung angehe. "Zurzeit sind im Stadtgebiet an der Saar noch ein paar Spuren zusätzlich gesperrt, die für das Saar-Spektakel genutzt wurden", ergänzte Kloy. Bis spätestens Donnerstag sollten sie aber wieder befahrbar sein. Wie Polizei-Leiter Wilhelm ging auch Kloy davon aus, dass sich die Verkehrssituation in ein paar Tagen entspannen werde. "Ganz flüssig wird der Verkehr aber während der ganzen Bauarbeiten nie werden. Die Autobahn hat einfach ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, das sich schwer auf eine teilweise einspurige Bundesstraße umstellen lässt."

Dass Autos und Lkw schneller durch Burbach kämen, wenn man die Ampeln ausschalten und stattdessen Polizisten den Verkehr regeln ließe, glaubt Wilhelm nicht. "Dass auf einer 2,5 Kilometer langen Strecke bei jeder Kreuzung und Einmündung Polizisten stehen, die gleichzeitig Grün geben, wird das Problem nicht lösen", sagte der Polizist. Spätestens am Ende der Umleitungsstrecke an der Gersweilerbrücke müssten alle Fahrzeuge einspurig auf die Autobahn gelangen.

Nicht jeder, dessen Weg über Burbach führt, kann auf das Auto verzichten. Für kürzere Strecken, zum Beispiel von der Stadtmitte bis zu den Saarterrassen , lohnt es sich aber laut Gerd Kloy durchaus, aufs Fahrrad zu steigen. Wer einen weiteren Weg hat, zum Beispiel bis Saarlouis, kann auf Sonderzüge der Deutschen Bahn ausweichen. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, pünktlich sein Fahrziel zu erreichen. Denn auch Busse stecken im Stau. Gestern kam es laut Stadtwerke-Pressesprecherin Sarah Schmitt im gesamten Netz zu Verspätungen.

Für die Dauer der Autobahn-Sperrung bietet der Saar-VV ein "Baustellen-Ticket" an. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte moniert, dass das Angebot wenig attraktiv sei, da der Preis, auf den Tag umgerechnet, höher als beim Monatsticket sei (wir berichteten). "Die Baustelle dauert 20 Tage. Deshalb kommt für die betroffenen Fahrgäste eine Monatskarte nicht in Frage, sondern eine Wochenkarte", erwiderte Saar-VV-Sprecher Peter Gentes. Orientiere man sich an der Wochenkarte, sei das "Baustellen-Ticket" bis zu 26 Prozent günstiger. Wie viele Personen diese Sonderkarte in Anspruch nehmen, könne man erst am Ende der Aktion sagen, erklärte Gentes.

Der Stau auf der A 620, der gestern Vormittag teilweise bis zur Anschlussstelle St. Arnual und am Nachmittag bis zur Wilhelm-Heinrich-Brücke reichte, machte auch Taxifahrern zu schaffen. Viele mussten umkehren, weil sie nicht durch den Stau kamen. Wolfgang Ramm, Geschäftsführer der Taxizentrale, berichtete von einem Fahrer, der gestern eine Stunde an der Westspange feststeckte. "In Burbach geht gar nichts mehr und alle Ausweichstraßen sind auch dicht." Doch er blieb gelassen: "Wenn die Stadtautobahn gesperrt ist, gibt es keine Alternative. Da hilft nur: Augen zu und durch." Und das für die nächsten drei Wochen. Die Bauarbeiten sollen bis zum 30. August dauern.