„G 8-System muss besser werden“

Keine Rückkehr zu G 9 am Gymnasium, dafür aber Verbesserungen in der Oberstufe, fordert der neue Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren der saarländischen Gymnasien (VOS), Wolfram Peters. Der Direktor des Christian von Mannlich-Gymnasium in Homburg beklagt im Gespräch mit SZ-Redakteurin Ute Klockner zudem zu viele befristete Verträge für Jung-Lehrer.

Der Landtag hat in seiner letzten Sitzung eine Rückkehr zu G 9 abgelehnt. Wie positioniert sich die VOS?

Peters: Bei der Anhörung im Landtag zu G 8 und G 9 waren fast alle Gefragten, so auch die Oberstudiendirektoren, der Meinung, dass man jetzt nicht noch einmal zurückrudern sollte. Das liegt nicht daran, dass wir G 8 so toll finden, sondern daran, dass wir nicht die nächsten Jahre erneut viele Ressourcen für ein Nebeneinander zweier Systeme verschwenden wollen. Im Vergleich dazu finden wir es besser, das jetzige G 8-System zu verbessern.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Peters: Bei der derzeitigen Struktur der gymnasialen Oberstufe (GOS) haben wir einige Kritikpunkte. Zum Beispiel im Bereich der Fächerwahl: Schüler können heute einzelne Fachrichtungen nicht mehr stark vertiefen, seien es etwa Natur- oder Geisteswissenschaften. Ebenso wenig ist es auch möglich, innerhalb einer normalen Stundentafel zwei Fremdsprachen oder zwei Naturwissenschaften zu wählen. Im Vergleich zum alten System mit den Leistungs- und Grundkursen ist ein Leistungsverlust festzustellen. Die Leistungskurse etwa hatten einen höheren Anspruch als die heutigen Erweiterungskurse. Im laufenden Unterricht ergibt sich folglich in der aktuellen gymnasialen Oberstufe ein Quantitäts- ebenso wie ein Qualitätsverlust. Wir kritisieren zudem, dass derzeit ein zweistündiges und ein vierstündiges Fach gleichberechtigt in der mündlichen Abiturprüfung stehen können. Das führt angesichts des geringeren Aufwandes zu einer Inflation der zweistündigen Fächer im mündlichen Abitur. Als Schüler hätte ich auch meine Prüfung lieber in einem zweistündigen Fach abgelegt, aber aus heutiger Sicht gesprochen: Vergleichbare Leistungsanforderungen sind das nicht.

Der Saarländische Lehrerinnen und Lehrerverband klagt, der Grundschullehrermarkt sei leer gefegt. Wie stehen die Gymnasien da?

Peters: Es ist nicht mehr so, dass jeder, der hier Lehrer werden möchte, es auch wird. Aber wer nicht unbedingt ins Saarland will, findet anderswo bessere Einstiegsgehälter und oft auch eine bessere Einstellungssituation, im späteren Berufsleben wesentlich bessere Beförderungschancen und nicht selten bessere Arbeitszeitregelungen. Häufig sind im Saarland die Arbeitsverhältnisse junger Lehrer auch befristet.

Würde es helfen, die Eingangsbesoldung anzuheben?

Peters: Das wäre sicherlich ein Marketinginstrument. Das heißt dann aber noch lange nicht, dass die hiesigen Junglehrer auch hier die Stelle erhalten. Denn die Notenniveaus der fertigen Junglehrer aus den einzelnen Bundesländern sind hoch verschieden. Wenn man aus einem Bundesland kommt, wo das mittlere Notenniveau hoch liegt, und bewirbt sich im Saarland, dann haben hiesige Absolventen, die hier eigentlich optimal eingearbeitet sind, nicht mehr so gute Chancen.

Andererseits bleiben manche Stellen Jahre lang unbesetzt. . .

Peters: Ja, es gibt an manchen Stellen Beförderungsstau beziehungsweise ausgewiesene Planstellen werden nicht besetzt. Es dauert auch bei Schulleiterstellen oft zu lange, bis sie besetzt ist; das trifft ebenso auf Koordinatoren- und Abteilungsleiterstellen zu. An meiner Schule hat etwa die Besetzung der Stelle "Abteilungsleiter Didaktik" über drei Jahre gedauert. Manchmal dauert es gar noch länger. Das sind keine Zustände!

Über 4000 schulpflichtige Flüchtlingskinder werden im ersten Schulhalbjahr im Saarland erwartet. Ist das für Sie ein großes Thema?

Peters: Landesweit betrifft das eher die Gemeinschaftsschulen, diese sind die Pflichtschulen. Die Bundesdirektorenkonferenz hat aber eine Erklärung verabschiedet, dass die Gymnasien gerne bereit sind, ihren Teil zur schulischen und sozialen Integration zu erbringen; dazu stehe ich voll und ganz. Wir erwarten aber vom Bund und den Ländern auch die notwendigen Ressourcen. An meiner Schule haben wir inzwischen etwa 30 Flüchtlingskinder . Im Moment bin ich zufrieden, wie es läuft. Wir kriegen es so hin, wobei damit nicht gesagt ist, dass es einfach ist. Meine Auffassung in Hinblick auf die Flüchtlinge ist: Nicht jetzt auch noch die Bildungsbiografie zerstören, wo schon alles andere im Eimer ist. Erst einmal eine Chance geben. Natürlich verbunden mit dem Risiko, dass die Chance nicht genutzt werden kann.