| 00:00 Uhr

Für zehn Monate ins Nachbarland

Saarbrücken. Neben seinem Sitz in Paris und Berlin hat das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) vor einem Jahr eine Außenstelle in der saarländischen Landeshauptstadt eröffnet. Von hier aus kümmert sich Alice Pirlot um junge Erwachsene, die einen Freiwilligendienst beim Nachbarn absolvieren. Hélène Maillasson

Zurzeit sind die Arbeitstage lang für Alice Pirlot. In ihrem Büro am Ludwigsplatz bereitet sie in Absprache mit ihren Kollegen in Paris die Sitzungen vor, bei denen die Jury geeignete Kandidaten für den Freiwilligendienst des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) auswählen wird. 60 junge Männer und Frauen sind seit September und noch bis Juni in Schulen im Einsatz - 30 in Frankreich , 30 in Deutschland. Ab September soll die Zahl auf 80 steigen. "Die Freiwilligen sind in den Schulen für AGs verantwortlich, sie leiten eigene Workshops und unterstützen die Lehrer im Sprachunterricht", beschreibt Pirlot die Aufgaben. Damit es gut funktioniert, sollen die Freiwilligen das Sprachniveau A2/B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens haben.

Laut Alice Pirlot haben die deutschen und die französischen Bewerber unterschiedliche Profile: "Die deutschen Bewerber sind sprachlich oft stärker. Viele möchten direkt nach dem Abitur Berufserfahrung sammeln. Die Franzosen sind meistens älter. Viele entscheiden sich nach dem Bachelor für diesen Schritt." Nicht alle wollen später Lehrer werden. Für viele stehe das menschliche Erlebnis im Vordergrund und die Lust, zehn Monate im Nachbarland zu leben.

Das Programm läuft seit dem Schuljahr 2012/2013. Das Saarland war als eines der ersten Bundesländer von Anfang an dabei. Dieses Jahr arbeiten fünf der 30 französischen Freiwilligen an saarländischen Schulen. Nach Paris oder Berlin werden die Teilnehmer nicht geschickt - eher in ländliche Gegenden. "Unser Anspruch ist es, beiderseits der Grenze Regionen bekannter zu machen, auf welche die Bewerber von sich aus nicht kommen würden", sagt Pirlot. Das Leben in einem eher kleineren Ort ist nicht jedermanns Sache. Wenn manche französische Kandidaten mit der Abgelegenheit zu kämpfen haben und es Probleme gibt, ist Alice Pirlot zur Stelle. Auch bei Problemen mit der Schule fährt sie zu ihnen und versucht zu vermitteln. Das Gleiche machen ihre Kollegen in Paris für die Deutschen in Frankreich . Doch diese Fälle sind selten. "Fast alle Freiwilligen geben mir nach dem Jahr ein gutes Feedback. Am meisten schätzen sie, dass sie durch diese Erfahrung selbstständiger geworden sind. Sie sind stolz darauf, dass sie diese Herausforderung im Ausland gemeistert haben", gibt Pirlot ein Fazit. Die 29-jährige Koordinatorin hilft auch im Voraus, zum Beispiel bei der Suche nach einer Unterkunft. "In Frankreich haben viele weiterführende Schulen auf dem Land ein Internat, wo die deutschen Freiwilligen wohnen können. In Deutschland ist es anders. Oft geben die Betreuungslehrer den Neuankömmlingen ein paar Tipps, aber wir schalten uns auch ein."

Wer seinen Freiwilligendienst nicht an einer Schule absolvieren möchte, aber trotzdem in Frankreich beziehungsweise in Deutschland, bekommt auch Hilfe von Alice Pirlot und der Freiwilligen, die sie in Saarbrücken unterstützt. "Das DFJW arbeitet mit vielen Partnern in den Bereichen Umwelt, Soziales, Kultur und Sport. Da vermitteln wir gerne Kandidaten weiter."

volontariat.ofaj.org