Für offene Debatte über Homo-Ehe

Nach den Äußerungen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Homo-Ehe haben sich evangelische Kirchenvertreter gestern für eine offene Debatte über das Thema ausgesprochen.

Als Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) gestern die wesentlichen Punkte des Treffens mit den Spitzen der evangelischen Kirchen im Rheinland und der Pfalz gegenüber der Presse zusammenfasst, betont sie auch: "Wir waren uns einig, dass gegenteilige Positionen akzeptiert und respektiert werden müssen." Eine Aussage, die sich allerdings nicht auf Meinungsverschiedenheiten zwischen der Landesregierung und der evangelischen Kirche bezog. Sondern auf die mitunter verunglimpfenden Attacken gegen ihre Äußerungen zu der so genannten Homo-Ehe. Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad erklärte denn auch: "Es ist wirklich befremdlich, wie bei Facebook und Twitter auf diese Äußerungen reagiert wurde." Er mahnte eine "Ethik der Medien" an. Zudem riefen Schad und der rheinische Präses Manfred Rekowski zu einer offenen Debatte und nüchternen Diskussion über die Homo-Ehe auf.

Beide Kirchenvertreter zeigten sich offen gegenüber homosexuellen Lebenspartnerschaften. So sei auch in beiden Landeskirchen seit über einem Jahrzehnt die gottesdienstliche Begleitung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare möglich. Gleichwohl offenbarten sie eine ähnliche Auffassung wie die katholische Ministerpräsidentin. Schad räumte ein: "Die Ehe verstehe ich eher als Partnerschaft zwischen Mann und Frau." Sie zeichne sich zudem dadurch aus, dass dieses Paar auf natürlichem Weg Kinder bekommen könne. Rekowski erklärte zwar, dass "man es nur unterstützten kann, wenn zwei Menschen - gleich welchen Geschlechts - gemeinsam für Verlässlichkeit, Treue und Liebe die Verantwortung übernehmen wollen". Eine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wollte er daraus auf Nachfrage jedoch nicht ableiten. Beide Kirchenvertreter betonten allerdings ebenso wie Kramp-Karrenbauer, dass eine Lebenspartnerschaft gegenüber der Ehe nicht benachteiligt werden dürfe.

Bei dem rund zweistündigen Gespräch der Kirchenvertreter mit der Landesregierung war am Morgen auch die Flüchtlingspolitik thematisiert worden. Dabei appellierten Kirchen- und Regierungsvertreter an die Zivilgesellschaft, ohne deren Unterstützung eine Integration von Flüchtlingen nicht zu leisten sei. Kramp-Karrenbauer erklärte angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen , dass weitere "intelligente Lösungen zur Schaffung von Wohnraum benötigt" würden. Die Landesregierung rechnet im Saarland im laufenden Jahr mit rund 5000 zusätzlichen Flüchtlingen.

Im Saarland leben rund 200 000 evangelische Christen, davon gehören rund 158 000 zur Evangelischen Kirche im Rheinland und rund 42 000 zur Evangelischen Kirche der Pfalz.