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Für Kinderschutz ist wenig Geld da

Sie treiben im Kinderschutzbund Saarbrücken viele Projekte für Kinder und Eltern voran (von links): Marianne Lamour, die stellvertretende Vorsitzende, Gerda Scheel, die Vorsitzende, und Nicole Burkert, Erziehungswissenschaftlerin, Beraterin und Projektbetreuerin. Fotos: Patricia Müller
Sie treiben im Kinderschutzbund Saarbrücken viele Projekte für Kinder und Eltern voran (von links): Marianne Lamour, die stellvertretende Vorsitzende, Gerda Scheel, die Vorsitzende, und Nicole Burkert, Erziehungswissenschaftlerin, Beraterin und Projektbetreuerin. Fotos: Patricia Müller
Saarbrücken. Im April 2012 führte der Kinderschutzbund Saarbrücken die „Erweiterte Offene Sprechstunde“ (EOS) an Grundschulen ein. Im Gegensatz zur Offenen Sprechstunde bedeutet das: mehr Präsenzzeit der Fachkräfte in den Schulen sowie zusätzliche Kurse, die Problemen vorbeugen. Projektbetreuerin Nicole Burkert sprach mit SZ-Redaktionsmitglied Patricia Müller über den Start und die Aussichten des Projekts. Von SZ-Redaktionsmitglied Patricia Müller

Ob Gewalt in der Familie oder Mobbing in der Schule: Die Mitarbeiter des Kinderschutzbunds befassen sich mit dem, was Jungen, Mädchen und ihren Eltern Kummer macht. Sie hören zu und versuchen zu helfen. Der Jahresbericht 2012 zeigt, was neu ist und was Rat suchende Kinder und Erwachsene voriges Jahr beschäftigte. Schon in der Grundschule starten die Beratungsprojekte des Kinderschutzbunds. Probleme in der Jugend rührten oft schon aus der Kindheit, erklärt Nicole Burkert, Beraterin des Kinderschutzbundes.

Aber auch andere Zielgruppen will der Bund ansprechen. Angefangen bei den Jüngsten, die in der "Bücher-Zwerge-Gruppe" Sprache entdecken, bis hin zu einer Gruppe, die im Herbst starten soll: "Starke Großeltern - starke Kinder."

Dort lernen Großeltern, mit ihrer Rolle in der Familie umzugehen und familiäre Konflikte zu lösen. "Wir wollen etwas Struktur in das Beziehungsgefüge bringen", sagt Burkert.

Aus dem Jahresbericht geht hervor, dass Verhaltensauffälligkeiten und Schülerkonflikte bei Erwachsenen und Kindern an der Spitze der Problem-Tabellen stehen. "Eltern kommen meist mit Erziehungsfragen zu uns. Kinder haben in der Regel eher Probleme mit sich oder mit Gleichaltrigen", sagt Burkert. Liebe und Sexualität sind die Themen, die am häufigsten am Kinder- und Jugendtelefon (KJT) beziehungsweise beim Telefonservice "Jugendliche beraten Jugendliche" (JBJ) zur Sprache kommen. Dem Jahresbericht zufolge rufen bis zu 40 Prozent beim JBJ wegen Problemen in der Partnerschaft und Liebe an. Sexualität interessierte etwa 25 Prozent am KJT. Vor allem bei den Telefonberatungen und in den Sprechstunden sei es besonders wichtig, dass das Besprochene die Kinder in keiner Beziehung belaste. Der Kinderschutzbund sei eine unabhängige Anlaufstelle, sagt Burkert. Die stellvertretende Vorsitzende Marianne Lamour ergänzt: "Bei uns gibt es keine Hürde."

Erfreulich sei, dass sich zunehmend mehr Jungs ans Kinder- und Jugendtelefon wenden, sagt Burkert. Und dass die Anruferzahl am Telefon, an dem Jugendliche andere Jugendliche beraten, gestiegen sei. Lamour: "Dieses ehrenamtliche Engagement ist den Jugendlichen hoch anzurechnen. Es macht sie zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft." Sorgen macht dem Kinderschutzbund stets die Finanzierung seiner Arbeit. Immer weniger Geld komme von der Stadt, sagt Lamour. Doch die Zahl der Beratungen steige, vor allem in der "Offenen Sprechstunde" an Grundschulen. Stemmen lasse sich das nur dank vieler treuer Sponsoren und Spender.

Für die Vorsitzende Gerda Scheel steht jedenfalls fest: "Wir haben in unseren Projekten eine Stabilität erreicht und sind auf dem Sprung in die nächste Ebene."Wie ist Ihre Bilanz für das erste Jahr EOS?

Nicole Burkert: Die Kolleginnen, die im Einsatz sind an den Schulen, sind sehr froh mit der EOS. Es ist ein intensiveres Arbeiten, als wenn man, wie bei der Offenen Sprechstunde, nur einmal die Woche eine Stunde vor Ort ist. Von den Schulleitungen kommen durchweg positive Rückmeldungen. Die wollen auf jeden Fall, dass die EOS erhalten bleibt - auch neben Schulsozialarbeit und schulpsychologischem Dienst. Aber oft wägen Schulen ab. Wenn das Eine schon an der Schule ist, dann braucht man das Andere nicht. Aber es gibt auch Schulen, wo wir beides vereinen, und da funktioniert das Miteinander sehr gut.

Bislang gibt es die EOS an nur vier Schulen. Will der Kinderschutzbund sie an weiteren Schulen anbieten?

Burkert: Es ist schon so, dass wir Interesse hätten, unsere Projekte auszubauen. Und es gibt durchaus auch Anfragen von Schulen. Voraussetzung ist aber immer, dass die Finanzierung stimmt, sonst können wir nicht aktiv werden. 2012 und 2013 wurden wir über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes mitfinanziert. Doch das läuft nur noch bis Ende des Jahres. Wir müssen immer überlegen: Was kommt danach?

2012 hatte die Grundschule Weyersberg 132 Beratungen, die Maria Montessori-Schule nur 13. Wieso?

Burkert: Je nach Standort ist der Bedarf anders. Die Grundschule Weyersberg ist die größte Grundschule im Saarland, von daher gibt es dort viel mehr Anfragen. Die Montessori-Schule hat eine besondere Pädagogik, die dort umgesetzt wird. Dort arbeiten wir eher präventiv, weil die Kinder keinen großen Beratungsbedarf haben. Welche Kurse umgesetzt werden, wird mit Schulleitung und Lehrern abgesprochen.