Für jeden ist eine Chance dabei

Herr Weber, welche Bedeutung hat die Aktion "Ausbildung für alle!" für die IHK?Weber: Eine sehr große. Die Aktion steht für ein sehr erfolgreiches Angebot für Jugendliche auf der Suche nach Ausbildungsplätzen und ist ein zentrales Element unserer gemeinsamen "Allianz für mehr Ausbildung"

Herr Weber, welche Bedeutung hat die Aktion "Ausbildung für alle!" für die IHK?Weber: Eine sehr große. Die Aktion steht für ein sehr erfolgreiches Angebot für Jugendliche auf der Suche nach Ausbildungsplätzen und ist ein zentrales Element unserer gemeinsamen "Allianz für mehr Ausbildung". Diese Allianz hat einen großen Anteil daran, dass es uns im Saarland gelungen ist, jedem Jugendlichen, der ausbildungswillig und -fähig ist, eine Ausbildungsperspektive zu geben. Das Saarland steht sehr viel besser da als viele andere Regionen. Wir liegen bei der Ausbildungsdichte an der Spitze in Deutschland. Zudem gibt es in kaum einer anderen Region so wenige noch unversorgte Ausbildungsplatzbewerber; und dies schon seit beinahe zehn Jahren.

Herr Kirf, gibt es hierzu Ergänzungen aus Sicht des Handwerks?

Kirf: Wir machen seit zwei Jahren mit einer bundesweiten Imagekampagne auf die Leistungsfähigkeit und die Bedeutung des Handwerks gezielt aufmerksam. Mit dem Slogan "Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan." zeigen wir mit einem kleinen Augenzwinkern auf, dass das Handwerk eine beeindruckende Größe ist. Wir haben, lieber Kollege Weber, mehr Kunden als Aldi, allerdings kennt jeder Handwerker seine Kunden persönlich. Für uns ist aber genauso wichtig, dass wir die Karrierechancen einer dualen Ausbildung im Handwerk auf dem Messestand von "Ausbildung für alle!" zeigen können.

Was soll im günstigsten Falle für die Betriebe, die Sie vertreten, bei dem Messeauftritt herauskommen?

Kirf: In erster Linie suchen unsere Betriebe natürlich geeignete Fachkräfte. Wir stellen dabei fest, dass es nicht unbedingt an Bewerbungen fehlt, aber Bewerber mit guten Schulabschlüssen werden rar. Mindestens genauso wichtig sind die so genannten sozialen Kompetenzen. Diese Eigenschaften schlagen sich natürlich auch in Schulnoten nieder, es gibt aber auch andere Indikatoren, nicht zuletzt das Auftreten. In einem ersten Bewerbungsgespräch muss auch ein junger künftiger Auszubildender in der Lage sein, einen einfachen Dreisatz zu berechnen. Wir hoffen, dass sich bei den saarländischen Handwerksbetrieben wieder mehr geeignete junge Menschen bewerben. Wir würden uns natürlich auch darüber freuen, wenn die ausstellenden Innungen den Messebesuchern ihr Können, ihre Leistungen und das hohe Niveau ihrer Tätigkeit erfolgreich veranschaulichen können.

Das Motto ist "Duale Ausbildung - vielseitig, attraktiv und chancenreich". Woran denken Sie dabei konkret?

Weber: Dieses Motto zeigt, was duale Ausbildung ausmacht. Mit rund 350 unterschiedlichen Lehrberufen ist das Angebot äußerst vielseitig. Allein im IHK-Bereich Saarland gibt es rund 130 Ausbildungsberufe. Da ist wirklich für jeden etwas dabei - für die theoretisch Begabten ebenso wie für die eher praktisch Begabten. An unserem Gemeinschaftsstand finden Jugendliche die Beraterinnen von "Anschluss Direkt", die sich in einem Modellversuch dafür engagieren, dass Jugendliche mit Hauptschulabschluss eine geeignete Ausbildungsperspektive erhalten. Angeboten werden aber auch Informationen über duale Studiengänge. Diese Studiengänge verbinden eine Ausbildung mit einem Studium, sei es an einer Hochschule oder aber an der Akademie der Saarwirtschaft. Die jungen Menschen sparen Zeit, erhalten eine Ausbildungsvergütung und haben am Ende zwei wertvolle Abschlüsse in der Tasche. Ein tolles Angebot mit hervorragenden Karrierechancen.

Die Anforderungen an Auszubildende im Handwerk steigen. Was können Sie als Handwerksbetriebe und als Kammer tun, damit daraus keine Probleme entstehen?

Kirf: Wir haben im Handwerk seit vielen Jahrzehnten das bewährte Instrument der ergänzenden überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung. Gerade in jüngster Zeit erfahren wir, wie wichtig es ist, einen einheitlichen Kenntnis- und Wissensstand in unseren überbetrieblichen Werkstätten für unsere Betriebe zu erzeugen. Wir lassen weder unsere Betriebe noch unsere Auszubildenden alleine. Ein weiteres Angebot ist die Ausbildungsberatung. Sie unterstützt Auszubildende und Betriebe, wenn es zu Problemen wie Prüfungsangst, Lernschwierigkeiten et cetera kommt. Wir nutzen hier auch unsere engen Kontakte zu den beruflichen Schulen, um Hilfestellung zu leisten. Jeder Betrieb und jeder Auszubildende kann sich an uns wenden. Wichtig ist allerdings, dass wir angefragt werden, wenn noch Zeit ist. Wer zwei Tage vor der Prüfung den Ausbildungsberater anruft, dem können wir nur sehr schwer helfen.

Was erwarten Sie aus dem Umfeld der saarländischen Wirtschaft an Unterstützung für die ausbildenden Betriebe?

Weber: Die IHK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - ob haupt- oder ehrenamtlich - haben im Rahmen der Ausbildungskampagne Bemerkenswertes geleistet und viele Betriebe zu einem stärkeren Ausbildungsengagement bewegt. Nun haben sich aber die Vorzeichen geändert. Die Zahl der Schulabgänger geht ständig zurück und viele Betriebe klagen bereits heute über fehlende Bewerber für ihre Ausbildungsplätze. In Zukunft erwarten unsere Ausbildungsbetriebe von den Partnern des Paktes, insbesondere aber von den Mitarbeitern der IHK, dass sie sich genauso engagiert dafür einsetzen, die Ausbildungsbetriebe bei der Suche nach geeigneten Bewerbern zu unterstützen. Gemeinsame Initiativen, aber auch die Weiterentwicklung unserer Aus- und Weiterbildungsberater zu umfassenden Qualifizierungsberatern werden helfen, jungen Menschen noch leichter den Weg in eine Ausbildung zu zeigen. Und dies nicht nur im Saarland, sondern in der gesamten Großregion. "Das Saarland steht sehr viel besser da als viele andere Regionen."

IHK-Präsident

Richard Weber

"Wir hoffen, dass sich wieder mehr geeignete junge Menschen bewerben."

HWK-Präsident

 Hans-Alois KirfFoto: P. Diersch
Hans-Alois KirfFoto: P. Diersch
Für jeden ist eine Chance dabei
Für jeden ist eine Chance dabei

Hans-Alois Kirf