„Für eine freie Saar wollte er kämpfen“

Er war ein Kämpfer mit einem langen Atem, er wollte die Freiheit im Saargebiet und die 23 jüdischen Gemeinden an der Saar vor den Nazis beschützen: Friedrich Schlomo Rülf. Um sein Leben geht es heute ab 17.15 Uhr bei einem Vortrag im Rathausfestsaal. Und um das Mahnmal auf dem Platz, der nach Rülf benannt ist, geht es ab 19 Uhr bei einer Diskussion im U 2-Raum in der Ufergasse 2.

Er rettete Leben, denn er gehörte zu denen, die das sogenannte Römische Abkommen zustande brachten. Dieses Abkommen ermöglichte es saarländischen Juden - nach dem Anschluss des Saargebietes an Nazi-Deutschland - noch bis zum 29. Februar 1936 das Saarland zu verlassen und dabei mehr als nur das Nötigste mitzunehmen. Seine Beteiligung am Römischen Abkommen gilt vielerorts als die wichtigste historische Tat des Rabbiners Friedrich Schlomo Rülf, nach dem in Saarbrücken der Platz vor dem Saar-Center benannt ist.

Aber Rülfs Lebenslauf hat noch weit mehr zu bieten. Einen Teil davon wird Professor Herbert Jochum heute, Mittwoch, ab 17.15 Uhr im Festsaal des Rathauses St. Johann vorstellen.

Und um 19 Uhr beginnt dann im U 2-Raum, Ufergasse 2, die Podiumsdiskussion "Gedenken für die Zukunft - das Mahnmal am Rabbiner-Rülf-Platz".

Professor Jochum gestattete der SZ einen Blick in das Manuskript seines Vortrages, bei dem er immer wieder auf Rülfs Autobiografie "Ströme im dürren Land" Bezug nimmt. Rülf kam am 13. Mai 1896 in Braunschweig zur Welt. Ab 1916 kämpfte er im Ersten Weltkrieg in Nordfrankreich. Er wurde verwundet und danach Seelsorger für jüdische Soldaten. Nach dem Krieg wurde er Rabbiner in Hamburg, dann in Bamberg und 1929 schließlich in Saarbrücken. Er liebte die Stadt und schrieb: "Saarbrücken war damals eine Brücke von Mitteleuropa zur westlichen Welt."

Rülf machte bei seinen Gottesdiensten Front gegen die Nazis. An hohen Feiertagen passten nicht alle, die ihn hören wollten, in die Synagoge, und er hielt einen zweiten Gottesdienst im damaligen Saalbau am Neumarkt. Als abzusehen war, dass die Saarländer für den Anschluss an Nazi-Deutschland stimmen würden, gründete Rülf einen Widerstandskreis und war einer von denen, die international so lange hinter den Kulissen Druck machten, bis das Römische Abkommen stand - das vielen saarländischen Juden ihr Leben rettete. Am 16. Januar 1935 ging Rülf nach Palästina und beteiligte sich am Aufbau des Staates Israel. 1951 kam er zurück nach Saarbrücken, weihte die neue Synagoge ein und blieb ein Jahr als Rabbiner. Dann ging er wieder nach Israel und setzte in seinem Heimatort Nahariya dem Saarland ein Denkmal, die Saar-Halle - Saarbrücken revanchierte sich 2008 mit dem Rabiner-Rülf-Platz. Rülf starb im August 1976.