Fünf Parteien wollen in den Rat

Kommunalwahl ist im Saarland am 25. Mai. Wer tritt wo mit welchen Zielen an? Diese Frage beantwortet die Saarbrücker Zeitung in einer Serie über alle Gemeinden, Städte und den Kreis. Heute: Überherrn.

Fünf Parteien wollen nach der Kommunalwahl am 25. Mai wieder in den Überherrner Gemeinderat einziehen: CDU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP. Derzeit sind sie alle im Gemeinderat vertreten. Der Gemeinderat Überherrn hat 33 Sitze. Die CDU stellt 14 Mitglieder, die SPD elf, Die Linke vier, die Grünen zwei und die FDP zwei.

Die Gemeinde Überherrn hat aktuell 12 372 Einwohner. Wahlberechtigt sind 9910. Bürgermeister ist Bernd Gillo (CDU). Er hat die Bürgermeisterwahl im August 2011 mit 57,17 Prozent gewonnen.

Die Gemeinde Überherrn besteht aus sechs Ortsteilen: Altforweiler, Berus, Bisten, Felsberg, Überherrn und Wohnstadt. Touristische Attraktionen sind unter anderem die Teufelsburg in Felsberg sowie die Orannakapelle und das Europadenkmal in Berus. Als Grenzgemeinde pflegt Überherrn eine rege Freundschaft mit der nur wenige Kilometer entfernten Partnerstadt L'Hôpital in Lothringen.

Finanziell sieht es in Überherrn nicht gerade rosig aus. Um eine Überschuldung abzuwenden, hat der Gemeinderat Ende Januar einen Haushaltssanierungsplan verabschiedet. Dadurch sollen jedes Jahr rund 90 000 Euro eingespart werden, bis 2017 mehr als eine halbe Million Euro. Außerdem sind auch die Bürger gefragt. Wer eine Idee hat, wie die Kommune Geld sparen kann, kann per E-Mail seinen Vorschlag an die Verwaltung schicken: sparen@ueberherrn.de.

Geld spart die Kommune auch durch das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, zum Beispiel bei der Renovierung des Dorfzentrums in Felsberg. Großen Einsatz zeigen die Bürgerwerkstätten.

Auch der künftige Gemeinderat wird erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um die Weichen für die finanzielle Zukunft des Überherrner Haushaltes zu stellen. Folgende Spitzenkandiaten gehen bei der Kommunalwahl am 25. Mai ins Rennen: CDU: Vinzenz Winter aus Bisten, Jahrgang 1946, Rentner; SPD: Anne Yliniva-Hoffmann aus Überherrn, Jahrgang 1977, Volljuristin, beschäftigt bei der SPD-Landtagsfraktion als Referentin für Europa und Fragen des IPR, Justiz- und Verfassungsfragen sowie Haushalt und Finanzen; Die Linke: Thorsten Kien aus Bisten, 52 Jahre, Postbeamter; Bündnis 90/Die Grünen: Alfred Krier aus Überherrn, Jahrgang 1956, Industriefachwirt, technischer Angestellter; FDP: Reimund Götz aus Überherrn, 70 Jahre, Diplom-Bauingenieur, selbstständiger Statiker.Winter: Wir warten das Ergebnis der Kommunalwahl ab. Danach werden wir sehen, was inhaltlich und rechnerisch möglich ist.

Yliniva-Hoffmann: Es gilt, für unsere Gemeinde eine gute Politik zu machen, die die schwierigen Herausforderungen meistert und solide Lösungen erarbeitet. Hier sind wir offen für konstruktive Gespräche und Kooperationen mit allen demokratischen, im Gemeinderat vertretenen Parteien. Gemeinsame Ziele und gegenseitiges Vertrauen sind dafür entscheidend.

Kien: Wir setzen auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem gesamten Gemeinderat, denn uns geht es in erster Linie um das Wohl der Gemeinde Überherrn. Gute Entscheidungen werden von uns unterstützt, egal von welcher Partei.

Krier: In Überherrn haben wir in den letzten fünf Jahren mit allen Parteien gut zusammengearbeitet, und viele Beschlüsse waren einstimmig. Da für den Gemeinderat Überherrn nur demokratische Parteien antreten, ist eine Zusammenarbeit mit allen Parteien möglich, wenn die Schnittmenge stimmt.

Götz: Es gibt eine Zusammenarbeit mit allen Gemeinderatsmitgliedern, die die Punkte unter Frage eins (Ziele) unterstützen.Winter: Natürlich wollen wir die Kommunalwahl gewinnen - mindestens stärkste Fraktion im Gemeinderat werden.

Yliniva-Hoffmann: Ohne uns an dieser Stelle auf eine konkrete Zahl festlegen zu wollen, erwarten wir für uns ein deutlich besseres Ergebnis als das der letzten Kommunalwahl.

Kien: Ich hoffe auf ein zweistelliges Ergebnis.

Krier: Wir erwarten wieder mindestens in Fraktionsstärke in den Gemeinderat einzuziehen, aber gleichzeitig eine Verbesserung des Ergebnisses der letzten Gemeinderatswahl.

Götz: Wir rechnen mit einem ausreichenden Ergebnis, um im Gemeinderat erfolgreich mitbestimmen zu können.Vinzenz Winter, CDU: Die CDU setzt sich unter anderem ein für eine familien-, jugend- und seniorenfreundliche Gemeinde, in der man gerne lebt, arbeiten, einkaufen und vor allem, in der man sich wohfühlen kann. Dazu gehören gut ausgestattete Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten, Kinderspielplätze, die Schaffung von neuen und die Sicherung von vorhandenen Arbeitsplätzen. Damit die Abwanderung von Menschen in wirtschaftlich stärkere Regionen verhindert wird, wollen wir neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen die Wohn- und Lebensqualität in Überherrn noch verbessern durch Verkehrsberuhigungen und den Ausbau des Naherholungstourismus. Das Zusammenleben der Generationen ist uns ein besonderes Anliegen.

Wir unterstützen die Haushaltsanierung der Gemeinde, die die Handlungsfähigkeit und Funktionalität der Verwaltung gewährleistet - sowie jede mögliche interkommunale Zusammenarbeit.

Anne Yliniva-Hoffmann, SPD: Die Gemeinde Überherrn unterliegt strengen Sparvorgaben. Diesen wollen und müssen wir auch künftig nachkommen, um unsere Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit als Gemeinde zu bewahren. Zugleich darf aber nicht die Lebensqualität kaputtgespart werden. Das heißt, dass sich Menschen aller Generationen in unserer Gemeinde wohl fühlen sollen, etwa durch einen konkreten Ansprechpartner für die Belange älterer Menschen, durch gute Kinderbetreuung, attraktive Spielplätze in allen Ortsteilen und ein vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot. Dazu gehört auch ganz klar der Erhalt des Freibads. Einen ganz wesentlichen Teil zur Gestaltung des Gemeindelebens tragen in Überherrn die vielen ehrenamtlich Tätigen bei - in Vereinen ebenso wie in den Bürgerwerkstätten. Diese Kultur des bürgerschaftlichen Engagements gilt es auch in Zukunft zu fördern, sowohl durch konkrete Unterstützungsmaßnahmen, als auch durch eine greifbare Wertschätzung, etwa durch die Einführung einer Ehrenamtskarte.

Thorsten Kien, Die Linke: Windelzuschuss für Babys und pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Überherrn; Erhalt des Parkbades Überherrn; Reaktivierung des Überherrner Bahnhofs.

Alfred Krier, Bündnis 90/Die Grünen: Da die Gemeinde Überherrn jährlich einen Haushaltssanierungsplan erstellen muss, streben wir in der neuen Legislaturperiode eine Entschuldung mit Augenmaß an, damit das Leben in Überherrn noch lebenswert bleibt. Wie für Grüne selbstverständlich werden wir besonderen Wert auf Naturschutz, Landschaftsschutz und Baumschutz legen. Außerdem ist uns Bildung und Kultur ein besonderes Anliegen in der Gemeinde.

Reimund Götz, FDP: Attraktive Gestaltung der Gemeinde für alle Generationen; Verschlankung der Bürokratie, nach Möglichkeit kommunale Zusammenarbeit von Gemeinden; Sicherung der Finanzkraft und Erhalt der Eigenständigkeit der Gemeinde Überherrn.