Frische Ideen für die Stadtgalerie

Saarbrücken. Diesen Anblick wünscht man sich öfter: In der Stadtgalerie drängten sich am Freitagabend die Leute genauso dicht wie auf dem Weihnachtmarkt draußen

Saarbrücken. Diesen Anblick wünscht man sich öfter: In der Stadtgalerie drängten sich am Freitagabend die Leute genauso dicht wie auf dem Weihnachtmarkt draußen. Zur Wiedereröffnung des Hauses nach einem Jahr Stille waren gefühlt "alle" erschienen: Kunstfreunde, Vertreter von Künstlerverbänden, kulturellen Vereinigungen, Stadtratsfraktionen und natürlich jene Menge Künstler, darunter auch auffallend viele Jüngere aus der Hochschule der Bildenden Künste hervorgegangene, nur deren Leitung wurde vermisst. Auffallend war auch die angenehm unsteife, zwanglose Atmosphäre, die das Eröffnungsritual umgab. Kein rotes Band, keine Vorab-Performance oder Musik-Umrahmung und als Häppchen bodenständige, gesunde Gemüsekuchen vom alteingesessenen Markt-Café. Erstes Anzeichen für einen anderen Stil, der mit der neuen Stadtgalerie-Leiterin Andrea Jahn hier einzieht?

Während die älteren Honoratioren brav den Reden folgten, streiften die Jüngeren schon mal neugierig durch die Etagen mit den beiden Ausstellungen von Birgit Dieker und Pablo Wendel (Besprechung folgt) und konnten durch überall verteilte Lautsprecher trotzdem hören, was nebenan gesagt wurde. Das war, wie man schon ahnte, im Grunde nichts wirklich Neues, alles schon mal verkündet. Dass man sich "junge, frische Ideen" in der Stadtgalerie wünsche, wiederholte etwa die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz - eine Art "Sparte 4 der Kunst". Und dass man nach der Übernahme in städtische Regie weiter mit dem Land gut zusammenarbeiten wolle. "Stadt und Land - Hand in Hand" - mit ihm als Kulturminister derselben Partei werde das kein Problem sein, bekräftigte Ulrich Commerçon denn auch gleich. Was aber meinte er wohl mit dem Satz, "wir werden dafür sorgen, dass unsere (Kunst-)Orte auffindbar sind"? Eine in der Tat nötige Aufwertung der Eingangssituation der Stadtgalerie?

In der abendlichen Dunkelheit zwar kaum zu erkennen, war Andrea Jahn auch hier schon aktiv. Ein neues Logo hat die Leiterin für die Stadtgalerie kreieren lassen, das nun als weißer Umriss ebenso auf den Glastüren im Erdgeschoss prangt wie Pfeile, die Besuchern den Weg weisen sollen. Nur eine eigene Webseite, außerhalb des Saarbrücken-Portals hat die Galerie leider (noch?) nicht. Wie viel Jahn und ihr Team seit Juli gerackert haben müssen, konnte man nur ahnen. Die fünf vergangenen Monate seien die wohl aufregendsten ihrer bisherigen Kuratorinnen-Laufbahn gewesen, sagte die glücklich lächelnde Chefin nur und ließ sich Erschöpfung nicht anmerken. Noch einmal betonte sie, sie wolle an die ursprüngliche Konzeption des Hauses anknüpfen. Sie machte aber auch deutlich, dass, wer "mutige, unkonventionelle Ausstellungen" wolle, nicht nur "nach Besucherzahlen schielen" dürfe.

Um mehr und auch neue Besucher für ihren Kunstort im ersten Stock zu gewinnen, hat sie gleichwohl schon einiges in die Wege geleitet: So kann man neben wöchentlichen Führungen durch die beiden Ausstellungen von dienstags bis samstags in Pablo Wendels "Kunstkantine" von 12 bis 14.30 Uhr auch essen. An "Kindersonntagen" gibt es Workshops für die Kleinen, während die Eltern sich durch Ausstellungen führen lassen können.

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