Freiheit für die Tänzer

Saarbrücken. Bestimmt ist sie eine kleine, quirlige, dunkelhaarige Französin, denkt man sich beim Warten auf Cecile Bouchier. Und dann das: Die Frau, die einem wenige Minuten später die Hand hinstreckt und sich als Bühnenbildnerin des Nussknackers vorstellt, ist eine große Blonde, die Deutsch mit holländischem Akzent spricht

Saarbrücken. Bestimmt ist sie eine kleine, quirlige, dunkelhaarige Französin, denkt man sich beim Warten auf Cecile Bouchier. Und dann das: Die Frau, die einem wenige Minuten später die Hand hinstreckt und sich als Bühnenbildnerin des Nussknackers vorstellt, ist eine große Blonde, die Deutsch mit holländischem Akzent spricht. Eine, mit der man, um im Klischee zu bleiben, jederzeit in See stechen würde. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die diese Künstlerin bietet, die Räume jeder Art gern gestaltet, nicht nur Bühnen. Rotterdam, Berlin (wo sie Marguerite Donlon kennen lernte), New York, Los Angeles fasst sie die wichtigsten Stationen ihres Lebens zusammen. "Seit acht Jahren wohne ich jetzt in Kalifornien, in der Mojave-Wüste, das ist dort, wo die Weltraumtouristen starten."

Von wegen See! Mitten im heißen Wüstensommer hat sich die Holländerin erstmals das Nussknacker-Märchen, das am vorigen Sonntag im Staatstheater Premiere hatte, vorgeknöpft. Nach den "Roten Schuhen" für Berlin, dem Beckett-Abend für Luxemburg, "Die Schachtel/Spiel mir das Lied vom Tod" und "Romeo und Julia" ist es ihre fünfte Arbeit mit Choreografin Donlon.

"Ich erfinde etwas, das Ausgangspunkt für eine Atmosphäre ist", erklärt sie ihren Ansatz. Dass Maggie Donlon das meistens auch umsetze - das scheint sie immer wieder zu verblüffen und zu beglücken. Denn das sei keineswegs selbstverständlich bei Regisseuren. "Bühnenbilder dürfen die Tänzer nicht behindern, nicht im Weg sein", sagt sie.

"Die Übergänge von einer Szene zur anderen sollten fließend sein, beim Umbau sollte es kein Gerumpel geben". Auch deshalb arbeitet Bouchier gern mit Licht, wobei sie dann meist mit Lichtdesigner Fred Pommerehn kooperiert. Keine Vorzeichnungen auf Papier - sie entwirft direkt am Computer. Nicht nur den Vorhang Lämpchen, der am Anfang des Saarbrücker Nussknackers hochgezogen wird, hat Bouchier zunächst mal in ihrem riesigen Atelier in der Wüste gebaut, um zu testen, ob er funktioniert. Auch die Konfetti-Ballons und den Weihnachtsbaum, den sie als Mobile versteht - behängt mit den Figuren, die im Stück eine Rolle spielen und später als Schattenspiel über die Wand laufen. "Maggie hat einen guten Instinkt dafür, was auf der Bühne funktioniert", sagt Bouchier und hat dann endlich das passende Bild gefunden, um zu beschreiben, wie sie ihre Aufgabe als Bühnenbildnerin versteht: "Ich bin die Trage, auf der die Tänzer und das Licht aufblühen".