Frauen-Sextett hat Jazz im Blut

Ihre neue CD „Sisters in Jazz“ hat die Saxofonistin und Saarländerin Nicole Johänntgen in Saarbrücken vorgestellt. An ihrer Seite: Fünf Frauen, die Johänntgens Leidenschaft für den Jazz teilen.

Sie ist eine treue Seele: Obwohl Saxofonistin Nicole Johänntgen schon länger von der Schweiz aus Musik macht, kommt sie regelmäßig in ihre alte Heimat. So auch am Sonntag, als die gebürtige Fischbacherin im Kulturbistro Malzeit in Saarbrücken auftrat. Dort war der Andrang so groß, dass an der Kasse selbst um reservierte Karten grimmig gefeilscht wurde - sogar an den Stehtischen herrschte Platzmangel. Anlass war die Präsentation der brandaktuellen CD "Sisters in Jazz " - einer rein weiblichen Formation gleichen Namens. Bei den "jazzenden Schwestern" handelt es sich um ein internationales Ensemble, das aus dem Projekt Sofia, einer von Johänntgen 2014 initiierten Aktion zur Förderung junger Jazzmusikerinnen, hervorging und das im August beim schwedischen Ystad-Jazzfestival sein Debüt gab.

Dort entstand auch der Live-Mitschnitt, der aktuell - in leicht veränderter Besetzung - bei einer Tour durch Deutschland und die Schweiz vorgestellt wird. In der Malzeit traten nun sechs sichtlich und hörbar gut gelaunte Schwestern auf und fluteten den Raum mit skandinavisch, mittel- und osteuropäisch sowie fernöstlich beeinflusstem Modern Jazz . Dabei steuerte jede der Musikerinnen eigene Kompositionen bei und moderierte die betreffenden Titel auch jeweils selbst an, was sehr charmant rüberkam.

Die fidelen Mädels bezirzten mit griffigen Motiven und stilistischer wie emotionaler Vielfalt; insbesondere Bandleaderin Nicole Johänntgen und Vibrafonistin Izabella Effenberg heimsten mit ihrem Gespür für lyrische Farben und ihrer zupackenden Virtuosität Ovationen ein. Effenberg tupfte auch intime impressionistische Klangmalereien mit Pianistin Naoko Sakata, während Kontrabassistin Federica Michisanti und Schlagzeugerin Dorota Piotrowska für jede Nummer die passenden Grooves parat hielten: Schwerelos schwebten Latin-Rhythmen, knackig pulsten treibende Beats, schwermütig tropften traurige Balladen.

Ebenfalls musikalisch ergiebig waren die Beiträge der Violinistin und Sängerin Ingrid Hagel, auch wenn sie nicht immer nach dem Reinheitsgebot intonierte.

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