Französische Azubis aus Nantes machen Praktikum in Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Azubi-Austausch zwischen Saarbrücken und Nantes : Zwischen Werkstatt und Weihnachtsmarkt

Acht angehende Metallbauer aus Nantes absolvieren zurzeit ein Praktikum in Saarbrücker Betrieben.

Konzentriert schweißt Steven Sarramea an einem Gitter, das anschließend verzinkt wird. Solche Arbeiten hat er schon hundertmal in der Lehrwerkstatt seiner Berufsschule La Joliverie in Nantes erledigt. Doch der Rest seines Arbeitstages sieht hier ganz anders als sein Azubi-Alltag in Frankreich aus. „Wir fahren auch mal mit zum Kunden“, erzählt der 17-Jährige stolz. Vier Wochen lang absolviert der angehende Metallbauer ein Praktikum im Saarbrücker Betrieb Metallbau Paul. Während die Ausbildung in Frankreich überwiegend schulisch ist, sammeln die französischen Azubis in Saarbrücken viel Praxiserfahrung. „Sie laufen bei uns ganz normal mit. Arbeiten zum Beispiel an Mustergeländern in der Werkstatt, aber unterstützen auch unsere Mitarbeiter auf den Baustellen“, erklärt Firmenchefin Steffi Paul. Seit 2015 beteiligt sich der Betrieb an dem Austausch – bisher immer mit positiven Rückmeldungen.

Neben Steven absolviert auch sein Mitschüler Clément Jousset sein Praktikum in der Saarbrücker Firma. Gleich zwei ausländische Praktikanten, die kein Wort Deutsch können und um die sich zehn Mitarbeiter neben ihrem regulären Pensum kümmern müssen – mutet Steffi Paul ihrem Personal nicht viel zu? „Auf keinen Fall. Der Austausch tut auch unserer Firma gut. Bei uns arbeiten Menschen verschiedener Nationalitäten, es herrscht ein offener Umgang. Und die Mitarbeiter freuen sich, den Praktikanten etwas beizubringen“, so die Chefin. „Für die jungen Franzosen ist es natürlich eine tolle Erfahrung, wir freuen uns, dass wir ihnen das ermöglichen können.“

Um die Chance auf den Praktikumsplatz in Saarbrücken haben Steven und Clément gekämpft. „Wir mussten eine gute Bewerbung abgeben und dann auch vor einer Jury vortragen, warum wir am Austausch teilnehmen wollen“, beschreibt Clément das Auswahlverfahren. Seinen Entschluss, zum ersten Mal ohne Familie ins Ausland zu gehen, hat er nicht bereut. „Das ist hier sehr abwechslungsreich. Man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen, es ist mal was anderes als in der Schule“, so der 17-Jährige. Bei Metallbau Paul werden Geländer, Treppen, Vordächer oder auch Balkon gefertigt. Vom Aluminium über Glas bis zum Edelstahl kommen die Azubis mit verschiedenen Stoffen in Kontakt.

Dass er kein Deutsch kann, tut Cléments Einsatz in der Werkstatt keinen Abbruch. „Klar, verstehe ich nicht immer sofort, was man von mir erwartet. Aber dann reicht es, dass sie es mir einmal zeigen und ich weiß, was gemeint ist.“ Das bestätigt Giosafat Castagnino, der den beiden Franzosen mit Rat und Tat zur Seite steht: „Sie sind zwar sehr jung, aber sie arbeiten selbstständig. Schon bevor es mit der Arbeit losgeht, haben sie Ohrschutz und Schutzbrillen an. Was man ihnen zeigt, können sie schnell umsetzen.“

Auch aus diesem Grund nimmt Steffi Paul bereits im vierten Jahr Praktikanten aus Nantes auf. Organisiert wird der Austausch durch das Zentrum für Bildung und Beruf Saar (ZBB) in Burbach. Unterstützung für das Projekt gibt es vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und Erasmus Plus. Neben der Vermittlung in den Betrieben organisiert das ZBB auch ein Rahmenprogramm für die Jugendlichen. „Wir waren im Rathaus, wo wir einen offiziellen Empfang hatten und fahren nächste Woche in die Völklinger Hütte“, berichtet Mechthild Jablonski-Derow vom ZBB. Untergebracht sind die acht französischen Gäste mit ihrem Lehrer in der Jugendherberge. Um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag bei Metallbau Paul. Ähnlich verhält es sich bei Maschinenbau Woll und Saarbrücker Luftkanalbau, wo die weiteren Praktikanten tätig sind. „Am ersten Tag begleiten wir sie zum Betrieb und zeigen ihnen, wie sie mit dem Bus dorthin kommen“, sagt Jablonski-Derow. Ab dem zweiten Tag müssten sie das alleine hinbekommen.

Abgeschreckt hat das die Jungs nicht. „Saarbrücken ist ungefähr so groß wie Nantes, wir kommen da schon zurecht“, meint Steven. In der Freizeit haben sie schon die besten Orte ausgekundschaftet, um Sport zu treiben. Heimweh? Fehlanzeige. Und wenn doch reicht ein Ausflug auf den Weihnachtsmarkt. „Da waren wir schon ein paar Mal. Am Wochenende sind soviele Franzosen da, man könnte glauben, Saarbrücken liege gar nicht in Deutschland.“