Foxtrott mit dem Rollator

Auf einen Rollator angewiesen und trotzdem das Tanzbein schwingen? Dass das möglich ist, zeigte sich bei einem Rollator-Tanzkurs für Mitarbeiter von Altenheimen in Saarbrücken. Sie sollen den Tanz ihren Heim-Bewohnern nahebringen.

Aus einer kleinen Box dröhnt blechern eine Walzer-Melodie. Auf ihren Rollatoren sitzend schunkeln sich die Damen (und ein Herr) warm. Die Arme kreisen, aufstehen, und los geht's: Die Hände fest am Lenker - acht Schritte vor, acht Mal in die Hände geklatscht, acht Schritte zurück - so weit, so einfach. Hier und da gedämpftes Kichern, ein wenig komisch ist es ja, als junger Mensch einen Rollator vor sich herzuschieben. Die 22 Frauen und ein Mann, die sich hier im Rollatortanz üben, sind keineswegs auf die Gehhilfe angewiesen. Sie arbeiten in Altenheimen im gesamten Saarland und lassen sich von Sylvia Scheerer, der Rollatortanz-Beauftragten des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbands (ADTV), den ungewöhnlichen Tanz beibringen, um Abwechslung und Bewegung in den Alltag ihrer Heim-Bewohner zu bringen.

2011 kam man beim ADTV auf die Idee, den Tanz mit der Gehhilfe anzubieten. Ursprünglich stammt die Idee aus den Niederlanden. Das Konzept wurde mit Ärzten, Psychologen und Physiologen entwickelt. Der Tanz soll Haltung und Balance verbessern, ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln und "einfach Spaß machen", sagt Scheerer. Nun fand in Saarbrücken der erste und vorerst einzige Kurs im Saarland statt. Einen regelrechten Ansturm habe es gegeben, erzählt Scheerer mit Blick auf die 23 Teilnehmer. Im Schnitt hat sie nur zehn Schüler pro Kurs. Für die Laien-Tänzer ist das Ganze kostenlos - gesponsert von der AOK . Die Krankenkasse sieht darin nämlich nicht nur einen fröhlichen Zeitvertreib für die Senioren, sondern auch eine Sturzprophylaxe. "Der Tanz vermittelt den Menschen ein besseres Gefühl für den Rollator, und sie werden sicherer im Gehen", sagt Jan Rößler, Sprecher der AOK in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Dass sich der Achter-Grundschritt - je nach geistiger Fitness der Senioren - beliebig abwandeln lässt, zeigt sich in den nächsten Stunden: Sternformation, schneller Wechsel, die einen vor, die anderen zurück, und immer schön im Rhythmus bleiben. "Eins, zwei, drei, nicht über die Füße fahren!", mahnt Scheerer. Da kommt selbst manch Junger durcheinander. Standard-, Latein-, Kreis- oder Sitztänze - beim Rollatortanz ist vieles möglich, immer angepasst an die Älteren: Wo beim normalen Walzer drei Schritte pro Takt gemacht werden, ist hier eben nur einer vorgesehen.

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland nutzen einen Rollator - Tendenz steigend. Die einen nennen ihn liebevoll ihren "Mercedes", die anderen würden ihn am liebsten in die nächste Ecke stellen. Diese Erfahrung hat auch Norga Theis vom Haus Sonnenwinkel in Saarbrücken gemacht, die an dem Kurs teilnimmt: "Für viele ist der Rollator nichts Tolles. Aber er muss zum Lebenspartner werden." Dabei helfe auch der Rollatortanz.

Es sind viele gekommen, die in der sozialen Betreuung arbeiten, die Tag für Tag mit den alten Menschen basteln, singen, Gymnastik machen. "Heute zählt ja Gott sei Dank nicht mehr nur ,Warm, satt, sauber', sondern auch, dass die Menschen beschäftigt werden", sagt Margrit Wendel, die in der Seniorenresidenz Auf dem Bellem in Blieskastel arbeitet. Dass man durch Musik leichter Zugang zu den Bewohnern findet, sieht Petra Seifermann vom Hanns-Joachim-Haus in Kleinblittersdorf als weiteren Pluspunkt. Die 23 Laien-Tänzer sind sichtlich begeistert - jetzt muss der Rollatortanz nur noch bei den Senioren Anklang finden.