Forscher entdecken Spiegel im Grab einer Keltin

Die Grabungsphase auf dem römischen Gräberfeld im Freisener Ortsteil Schwarzerden ist für dieses Jahr beendet. Bei den Untersuchungen hat Grabungsleiterin Inken Vogt vier Kammergräber freigelegt und darin zahlreiche Funde entdeckt. Separat sind Fragmente von sandsteinernen Löwenköpfen gefunden worden.

Vor sieben Jahren sind Archäologen auf dem Areal Im Römertal in Schwarzerden auf einen römischen Siedlungsort nebst Friedhof gestoßen. "Es liegt eine von der Befundqualität trächtige Gegend vor uns, die auch für saarländische Verhältnisse relativ groß ist", erklärt der Leiter des Landesdenkmalamtes, Josef Baulig. Nun ist die Grabungsphase 2013 abgeschlossen und die Forscher sind erneut fündig geworden.

Vier Kammergräber wurden auf dem ehemaligen römischen Friedhof freigelegt, in denen, laut Grabungsleiterin Inken Vogt, herausragende Funde entdeckt worden sind. Den in Grab 229 gefundenen Schreibgriffel bezeichnet sie als Höhepunkt und erklärt: "Es ist der erste Schreibgriffel, der in Schwarzerden bisher gefunden wurde". Da die Römer auf Wachstafeln geschrieben hätten, sei ein Schreibgriffel auf einer Seite angespitzt, um das Wachs zu ritzen. Das andere Ende des Griffels sei quasi der Radiergummi.

Der Bestattete - wie alle anderen Toten des Gräberfeldes - sei ein Kelte gewesen, der die römische Lebensweise übernommen habe. "Er konnte lesen und schreiben", meint Vogt. Zudem freigelegt wurde das bislang älteste entdeckte Grab, davon gehen die Forscher aus. Es soll aus der Zeit 20 vor Christus stammen. 19 Gefäße aus Glas und Keramik und ein Spiegel kamen in einem Frauengrab zu Tage. "Der Boden ist nicht aggressiv für Glas, die Funde mussten nur gewaschen und deshalb nur geringfügig restauriert werden", teilt Walter Reinhard, der Leiter der Bodendenkmalpflege, mit. Eine Doppelbestattung konnte durch paarweise Grab-Beigaben nachgewiesen werden. Separat sind zwei Löwenköpfe aus Sandstein gefunden worden. "Ein sensationeller Fund", wertet Grabungsleiterin Vogt.

Ursprünglich hat wohl eine 23,30 Meter lange und ein Meter breite diagonal verlaufende Mauer, den Bereich der Gräber von den Aschegruben getrennt. Heute sind davon nur noch die unvermörtelten Bruchsteine des Fundaments erhalten. In der Fundamentstickung wurden einige Fragmente verbaut, die einst zu zwei Löwenfiguren gehörten. "Wir gehen deshalb von einer Zweitverwendung aus", erklärt Reinhard. Die Löwenköpfe mit ehemals aufgerissenen Schnauzen, sind restauriert und wieder zusammengesetzt worden. "Sie waren wohl als Paar zur Präsentation eines Denkmals aufgestellt", sagt Reinhard. Der Freisener Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) kann sich vorstellen mit den gesamten bislang entdeckten Fundstücken künftig eine Wanderausstellung konzipieren zu lassen.

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Auf einen BlickIm Jahre 2003 hatte die Gemeinde Freisen auf einer großen zusammenhängenden Fläche Im Römertal in Schwarzerden ein Neubaugebiet geplant. Die Gemeinde hatte das Gelände gekauft. Der Bauplan hatte die Auflage, wegen der geschichtsträchtigen Vergangenheit, das Areal zu untersuchen. Untersuchungen brachten unter der Oberfläche Überreste eines frührömischen Dorfes mit Villa, Badehäusern und einem Friedhof zu Tage. Der Gemeinderat hakte daraufhin die Fläche als Neubaugebiet ab. Die erste Grabungssondage (Probeschnitt) auf dem Areal erfolgte 2006, ein Jahr später wurde mit den Ausgrabungen begonnen. Für die Grabungsphase 2013 wurden seitens der Gemeinde Freisen 30 000 Euro verausgabt, vom Landesdenkmalamt 15 000 Euro, die Kosten für Restaurierungswerkstatt und Logistik sind noch nicht eingerechnet. frf