Flüchtlinge wollen mehr Freiheit

Etwa 100 Flüchtlinge marschieren von Kehl nach Brüssel, um für mehr Freiheitsrechte in der EU zu werben. Am Dienstag verteilten sie Flugblätter im Lager Lebach. Unterstützung kommt aus der katholischen Kirche.

. Diese Flüchtlinge verursachen den Behörden im Saarland kaum Arbeit: Der Marsch von etwa 100 Flüchtlingen für mehr Freiheitsrechte in Europa und gegen die Abschottung der EU-Außengrenzen durchquert derzeit das Saarland. Nach dem Grenzübertritt bei Saargemünd am Montagabend haben die Teilnehmer des Marsches am Dienstag im Flüchtlingslager Lebach bei den dort derzeit untergekommenen etwa 1200 Leidensgenossen Flugblätter mit ihren Anliegen verteilt.

In der Saarbrücker Innenstadt demonstrierten sie am Nachmittag. An diesem Mittwoch soll es über Völklingen weitergehen Richtung Schengen; dort, wo die Verträge über das grenzenlose Europa einst geschlossen wurden - allerdings nur für Europäer. Im Saarland sorgen der Flüchtlingsrat und die Aktion 3. Welt Saar für die Unterkunft des Demonstrationszuges, der die EU-Hauptstadt Brüssel als Ziel hat. Roland Röder vom Flüchtlingsrat sagte, dass beim EU-Gipfel am 26. und 27. Juni eine Aktionswoche gegen die europäische Migrations- und Asylpolitik geplant sei: "Für Bewegungsfreiheit und Bleiberecht für alle. Gegen die Verhaftungen und Abschiebungen von Geflüchteten und Migrantinnen und gegen das europäische Grenzregime". Solange Europa Zäune baue und Fluchthelfer kriminalisiere, werde es weitere Tote im Mittelmeer geben, sagte Röder dem SR.

Unterstützung für die Anliegen der Flüchtlinge kam aus der katholischen Kirche im Saarland. Gegen die "repressive europäische Flüchtlingspolitik" protestierte der Dekanatsrat Saarlouis. Die europäische Flüchtlingspolitik basiere auf "Elementen der Abwehr und Abschreckung". Das führe dazu, dass insbesondere aus dem Kriegsgebiet in Syrien geflohene Menschen kaum eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhielten, so der Rat. Der Ratsvorsitzende Bruno Steinke, die Vizin Rita Ney, Dechant Heinz Haser und Dekanatsreferent Rolf Friedsam schickten die Mahnung an Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Innenministerin Monika Bachmann (beide CDU). Das Saarland nehme viel zu wenige Syrer auf. Stattdessen werde weiter nach Italien abgeschoben, wo die Syrer sich selbst überlassen würden. Die Katholiken forderten die CDU/SPD-Landesregierung auf, für eine "Willkommenskultur" zu sorgen, "in der jeder Flüchtling als eine Chance für unser Land angesehen wird".

Die jetzt 20 jugendlichen Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien, die vergangene Woche wegen Überfüllung der Jugendhilfeeinrichtungen vom Regionalverband in der Köllerbacher Turnhalle einquartiert worden waren (die SZ berichtete), werden wohl am kommenden Montag ins ehemalige Erholungsheim "Sonnenwald" des Sozialverbands VdK in Merzig-Besseringen verlegt. Das sagte Stefan Kiefer, Pressesprecher des Regionalverbands, der SZ. Das Rote Kreuz und die Diakonie hatten die Flüchtlinge in Köllerbach betreut. "Die Jusos sind gekommen und haben mit den Jungs Fußball gespielt", berichtete Rotkreuz-Sprecher Frank Bredel der SZ von ersten Eingewöhnungsschritten. Die Jungen aus Ostafrika waren von der Bundespolizei vor etwa drei Wochen aus ICEs am Saarbrücker Hauptbahnhof geholt worden. Sie kamen aus Paris.

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