Flötengirlanden und Klarinettenseufzer

Saarbrücken. Mathematiker spitzten am Mittwoch die Ohren beim 5. Ensemblekonzert der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) in der Musikhochschule Saar: Acht DRP-Mannen spielten in Siebener-, Sechser- und Fünfer-Formation. Damit war allerdings programmatisch die Arithmetik auch schon an ihrem Ende, denn die Stücke selbst waren nicht nach zahlensymmetrischen Formspielereien aufgebaut

Saarbrücken. Mathematiker spitzten am Mittwoch die Ohren beim 5. Ensemblekonzert der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) in der Musikhochschule Saar: Acht DRP-Mannen spielten in Siebener-, Sechser- und Fünfer-Formation. Damit war allerdings programmatisch die Arithmetik auch schon an ihrem Ende, denn die Stücke selbst waren nicht nach zahlensymmetrischen Formspielereien aufgebaut.Hübsche, lockere und tanzartig beschwingte Suiten waren zu hören, in denen die DRP-Holzbläser sich nach Herzenslust tummeln konnten. Aber Obacht. Was da so übermütig sprudelte, erwies sich schnell als technisch anspruchsvoll gesetztes Form- und Farbenmosaik. Was scheinbar leicht beflügelt daherschwirrte, entpuppte sich als rational bis ins kleinste Detail ausformulierte Forderung des Komponisten. Ein Lob den prächtig aufgelegten Musikern. Sie bewältigten souverän ihre handwerklichen Aufgaben und konnten sich dann gelöst den gehaltlichen Geheimnissen widmen, die hinter jedem Melodiefragment lauerten.

Schon in Vincent d'Indys einleitendem Bläserseptett "Chanson et danses" merkte man sehr bald, dass Fröhlichkeit nicht allein das Wesen dieser so "französisch" anmutenden Formkunst ausmacht. Der "Esprit", die geistige Durchdringung, muss hinzukommen, um Tanz und Bewegung, Klang und Form zu einer Einheit zusammenzuschweißen. So verbanden sich Flötengirlanden, Klarinettenseufzer, Fagott-Räuspern und Horn-Kantilenen zu imprägnierter Farbechtheit. Das eben entsprach künstlerischem Ernst, wie er etwa in Barbers Quintett "Summer Music" überdeutlich wurde.

Bohuslav Martinu hat die hellen, durchsichtig gewobenen Maschen seines Septetts (1929) mit ironischen Farbtupfern koloriert. Fedele Antonicelli begleitete am Klavier sehr aufmerksam und wahrte die kluge Mitte zwischen solistischem Hervorschlüpfen und grundierender Wachsamkeit.

Besonders in Poulencs abschließendem Sextett bewährte er sich als Garant für tadellose Fingerfertigkeit und spritzig aufschäumende Lebensfreude. pes