Firmen sind nur schwer zu verkaufen

Viele Firmeninhaber kümmern sich zu spät um eine Übergabe in jüngere Hände. Und die Jungen gründen lieber eine Firmen, als sich auf vage Angebote einzulassen – eine schwierige Materie, in der auch die Psychologie eine Rolle spielt.

Seit 17 Jahren verkauft Thomas Herrmann Süßigkeiten in seinem "Candi Shop". Das Lädchen, früher in der "Saar-Galerie", seit 2003 in der Diskonto-Passage, hatte der heute 49-Jährige als "glücklicher Single" aufgemacht, inzwischen ist er glücklicher Ehemann und möchte samstags auch mal Zeit für die Familie. Deshalb will Herrmann den Shop verkaufen - ein Vorhaben, das nicht leicht ist. "Es gibt Interessenten, aber die wollen am liebsten mit 40 Stunden Wochenarbeit reich werden. Von meinem Laden kann man leben, er wirft aber kein Vermögen ab", verrät der Kaufmann.

Gründer lassen ungern los

Ob kleiner Einzelhändler in der City oder großer Bäcker im Warndt - ein Geschäft zu veräußern ist ein kompliziertes und meist langwieriges Vorhaben. Der Markt ist nicht transparent, schon gar nicht für Außenstehende. Als gesichert gilt immerhin die Feststellung der Industrie- und Handelskammer (IHK), dass immer mehr Betriebe - die Rede ist von 40 Prozent - keinen passenden neuen Chef finden, wenn der Inhaber 70 wird und ans Aufhören denkt - oder denken sollte. Nach Expertenmeinung trennen sich Firmenchefs nämlich oft viel zu spät von ihrem Betrieb und gefährden damit sogar dessen Fortbestand. Spätestens mit 55 Jahren sollte der Chef beginnen, seinen Betrieb für eine Übergabe vorzubereiten, befand ein Forum des Arbeitskreises Wirtschaft, ein Verein saarländischer Unternehmer und Firmen. Thomas Pitz von der IHK Saar spricht in diesem Zusammenhang von der "psychologischen Komponente". Die Gründergeneration lasse ungern los vom Lebenswerk, schätze dessen Wert zu hoch ein und traue jungen Leuten, oft auch den eigenen Kindern, nicht genug zu. Auch der Kaufpreis sei bisweilen überzogen oder die Banken seien bei der Kreditvergabe an Übernehmer zu zögerlich.

Frank Jungblut aus Schmelz, Vorstand der Frankfurter Aktiengesellschaft VSU, die Unternehmen bei Transaktionen berät, schätzt, dass im Saarland jährlich etwa 280 so genannte "übernahmewürdige Unternehmen" zur Übergabe anstehen. Hinzu komme eine noch größere Zahl von Firmen, die zwar auch übernahmereif seien, denen es aber an der Wirtschaftlichkeit und damit Attraktivität fehle. Als "übernahmewürdig" gilt ein Unternehmen nach Jungbluts Definition, wenn es mindestens einen Jahresgewinn in der Höhe des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens zuzüglich des Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung - derzeit 49 500 Euro - sowie einer marktüblichen Verzinsung des eingesetzten Kapitals erwirtschaftet.

IHK macht Mut zur Übernahme

Um Firmen und Nachfolger zusammenzubringen, setzt die IHK an zwei Seiten an. Sie macht jungen Leuten Mut, eine Firmenübernahme in Erwägung zu ziehen statt eine eigene zu gründen, sich also in ein halbwegs gemachtes Nest zu setzen, statt ein eigenes zu bauen. Und sie rät betroffenen Unternehmen, sich möglichst frühzeitig um eine Unternehmensnachfolge zu kümmern. Hilfreich sind bei der Suche die Online-Nachfolgebörsen wie nexxt-change.org oder unternehmensboerse-saarlorlux.de. Der Arbeitskreis Wirtschaft hat eine kostenlose CD/DVD produziert, auf der Übergabe-Ratschläge und Beispiele für erfolgreiche Transaktionen aus dem Saarland enthalten sind.

Manchmal ergeben sich Transaktionen aber auch aus dem Alltag und persönlicher Nähe. So hat die Indonesierin Nona Altabari dieser Tage vom thailändischen Vorbesitzer einen asiatischen Lebensmittelhandel in der Saarbrücker Richard-Wagner-Straße gekauft. Wie sie unserer Zeitung sagte, wolle der Vorbesitzer in die Heimat zurück und habe sein Geschäft "in gute Hände" abgeben wollen. Man habe sich sehr schnell geeinigt.