Firma vermietet Arbeitsplätze

Saarbrücken. Seit November bietet das Unternehmen Ligatura am Quartier Eurobahnhof einen so genannten "Coworking Space" (Parallelarbeitsraum) mit 22 Schreibtischplätzen an, die man mieten kann

Saarbrücken. Seit November bietet das Unternehmen Ligatura am Quartier Eurobahnhof einen so genannten "Coworking Space" (Parallelarbeitsraum) mit 22 Schreibtischplätzen an, die man mieten kann. Hinter dem englischen Begriff "Coworking Space" versteckt sich die Idee, dass Freiberufler aus kreativen Berufen in einem Gemeinschaftsbüro - zwar unabhängig voneinander, aber doch Seite an Seite - arbeiten. Die Arbeitsplätze am Eurobahnhof werden einzeln für ein Vierteljahr, einen Monat, zehn Tage oder auch nur für einen Tag vermietet. "Du kannst dir einen freien Tisch aussuchen", sagt Stefan Hübsch (31), einer der beiden jungen Gründer der Arbeitsplatzvermieterfirma. Fünf Mieter sitzen konzentriert an ihren Computern. Ich setze mich mit dem Rücken zu den Fenstern; Ablenkung will ich heute keine. Mir gegenüber sitzt Julian Clemens (28). Der Grafiker ist im Stress. "Ich habe eine Abgabe um 14 Uhr", sagt er und lässt die Finger fliegen. Mein Blick wandert zur Küche. Irgendjemand hat eine Schale mit frischen Früchten hingestellt, es gibt Kaffee, im Kühlschrank warten Softgetränke. Ich öffne das halbfertige Word-Dokument. Langsam schaffe ich mich rein. Das emsige Tippen meines Gegenübers motiviert mich.

In meinem Rücken sitzt Kuratorin Leonore Leonardy. Sie ist "Quartalsmieterin und seit Beginn dabei". Die 53-Jährige pendelt zwischen ihrer Berliner Wohnung und dem Saarbrücker Elternhaus. Sie hat fürs Sprengel Museum Hannover gearbeitet, für das Siemens Kulturprogramm, und gerade hat sie einen Lehrauftrag bei der Saarbrücker Hochschule der Bildenden Künste angenommen. "Coworking" kennt sie aus anderen deutschen Großstädten.

 In diesem Büro arbeiten Freiberufler an gemieteten Arbeitsplätzen unabhängig voneinander. Foto: Oliver Dietze
In diesem Büro arbeiten Freiberufler an gemieteten Arbeitsplätzen unabhängig voneinander. Foto: Oliver Dietze

"Seit März haben wir einen weiteren Raum dazugenommen. Mittlerweile haben wir 300 Quadratmeter. Über 20 Leute kommen regelmäßig zu uns", erklärt mir Oliver Jungmann (31) im großen Konferenzzimmer, den "die Mieter natürlich auch benutzen dürfen". Die Idee von "Coworking", beschreibt er, habe ihn schon während seines Kommunikationsdesign-Studiums begeistert. Doch bevor er mit Partner Hübsch seine Firma gründete, machte er "die ganze Palette des Arbeitslebens" mit: "Ich arbeitete in einer Agentur, in einem eigenen Büro und zuletzt zuhause." Arbeit und Privatleben, sagt er, "verschwimmen zuhause immer mehr". Jungmann schmunzelt: "Ich habe einmal ein Kundengespräch angenommen, als ich gerade aus der Dusche kam. Da stand ich nun nackt, redete mit dem Kunden und wusste, so kann's nicht weitergehen." Heute sind Jungmann und Hübsch -"obwohl es Monate gibt, wo wir draufzahlen" - froh, dass sie anderen Freiberuflern Räume und Infrastruktur (Internet, Drucker, Bibliothek, Schließfächer) bieten können. "Wir tauschen uns aus, geben uns Tipps. Es springen auch Jobs raus: Wir haben kürzlich für einem Programmierer, der hier arbeitet, eine Präsentation erstellt", sagt Hübsch. Keiner, so glauben Jungmann und Hübsch, fühle sich hier als Einzelkämpfer. "Weil man größer und mit einem repräsentativen Umfeld auftritt. Die Zeiten, wo ich mich in Cafés mit Kunden verabredet habe, sind vorbei."