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Film zeigt die Stärken der Alten im Beruf

Im Alter die Ruhe genießen – das ist nicht für jeden das Richtige. Manche mögen es lieber gesellig, arbeiten noch, wollen gebraucht werden. symbolFoto: Christoph Schmidt/dpa
Im Alter die Ruhe genießen – das ist nicht für jeden das Richtige. Manche mögen es lieber gesellig, arbeiten noch, wollen gebraucht werden. symbolFoto: Christoph Schmidt/dpa FOTO: Christoph Schmidt/dpa
Saarbrücken. Wer im Rentenalter ist, mag Ruhe und Fernsehen genießen. Es gibt aber auch Leute jenseits der 60, die im Erwerbsleben bleiben. Sie genießen es, zu arbeiten, gebraucht zu werden, Dinge anzustoßen. Barbara Wackernagel-Jacobs, früher Politikerin, heute Filmproduzentin, gehört bundesweit zur Speerspitze einer Bewegung, die sich für die Potenziale älterer Arbeitnehmer stark macht. Peter Wagner

Ist es nicht kurios, dass "Älterwerden " gern mit negativen Gedanken und Begriffen in Verbindung gebracht wird: mit verödenden Dörfern, Pflegenotstand, demografischem Wandel, Rentenlücken oder verschreibungspflichtigen Gehhilfen? Im Supermarkt und auf dem Straßenfest trifft man aber überwiegend agile 75-Jährige, die auch mal Wok-Gerichte kochen, im Urlaub auf einen Zweitausender wandern und für die Kinder noch ein Gartenhaus bauen wollen. Gern auch noch in der Firma mitschaffen.


Barbara Wackernagel-Jacobs aus Saarbrücken gehört zu den größten Fürsprechern dieser Menschen, "die mit 50 noch 30 gesunde Jahre vor sich haben". In Anlehnung an die New Yorker Medizinerin Linda Fried hat sie "Sputnik Moment" realisiert, ein Film- und Buchprojekt mit 30 Porträts, in dem es vor positiver Einschätzung des Alterns und des Arbeitens und Gebrauchtwerdens im Alter nur so strotzt. Ihre Botschaft lautet: Man muss die Älteren allenfalls vor schlechten Arbeitsbedingungen schützen. Und man möge jeden mit Respekt in Rente schicken, der dies wünscht. Man dürfe aber keinen aufs Nichtstun festnageln oder ihm ein schlechtes Gewissen einreden, wenn er sich im Ruhestand nicht ausgelastet fühlt. "Arbeit gibt Struktur und Selbstwertgefühl, sie hält die Menschen in Kontakt, und sie verschafft Einkommen", sagt die 66-Jährige.

"Sputnik Moment" hat der Filmproduzentin eine Menge Zuspruch aus der ganzen Republik eingebracht: "Sie haben mir einen optimistischen Blick aufs Älterwerden gegeben", heißt eine Dankadresse.

Die Soziologin und Familientherapeutin Barbara Wackernagel-Jacobs, SPD,war von 1990 bis 1999 in der Landespolitik, diente unter den Ministerpräsidenten Lafontaine und Klimmt als Staatssekretärin und Ministerin. Nach dem Regierungswechsel zu Peter Müller gründete sie ihre auf Dokumentationen spezialisierte Filmfirma "Carpe Diem" ("Nutze den Tag"). Für sie war Weiterarbeiten selbstverständlich, "denn man braucht doch einen Grund, um morgens aufzustehen". Sie hat noch das Bild ihrer Mutter vor Augen, die gern gearbeitet hätte, für die es sich an der Seite eines erfolgreichen Mannes nicht schickte, das zu tun. Der Vater hätte das als Makel empfunden. Dass Arbeit Halt geben kann, hatte er nicht im Sinn.

Barbara Wackernagel-Jacobs möchte denn auch "so lange wie möglich arbeiten", "Sputnik Moment" hält sie immer noch in Bewegung, ein nächstes Projekt ist aber schon im Blick: Auf Spurensuche nach dem heiligen Wendelin.



Der 80-jährige Howard Ring (Zweiter von links) arbeitet noch bei Dreharbeiten der US-Firma Vita Needle mit. Foto: Carpe Diem
Der 80-jährige Howard Ring (Zweiter von links) arbeitet noch bei Dreharbeiten der US-Firma Vita Needle mit. Foto: Carpe Diem FOTO: Carpe Diem