Feuerwehren missbilligen Leitstellen-Pläne

Immer noch kein Ende im Streit um die Integrierte Leitstelle: Die Feuerwehr-Gewerkschaft und der Landesfeuerwehrverband kritisieren die Pläne der Landesregierung. Der Verband räumt jedoch ein, dass die Umsetzung nicht mehr zu verhindern sein wird.

In den saarländischen Feuerwehren herrscht Unmut über die Pläne der Landesregierung, die Rettungsleitstelle auf dem Winterberg zur Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr auszubauen und mit der Annahme des Notrufs 112 aus allen Landesteilen zu betrauen. Im Regionalverband Saarbrücken sind für die Notruf-Annahme bislang noch Berufsfeuerwehr und Polizei zuständig, in den fünf Landkreisen bereits die Leitstelle Winterberg. Sie wird vom kommunalen Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) betrieben.

Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes (LFV), Detlef Köberling, sagte der Saarbrücker Zeitung, die Annahme der 112 gehöre in die Hände der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, ebenso die Alarmierung der Feuerwehren im Saarland. Diese ist mittlerweile Aufgabe der Leitstelle Winterberg - mit Ausnahme der Feuerwehren im Regionalverband, für die laut Gesetz die Berufsfeuerwehr zuständig ist. Köberling sprach von einer "politischen Entscheidung", die man nicht mehr stoppen könne. Der ZRF habe in der Vergangenheit mit Millionen-Investitionen Fakten geschaffen, denen man sich nun ergeben müsse.

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG), die nach eigenen Angaben 80 von 180 Angehörigen der Saarbrücker Berufsfeuerwehr organisiert, kritisiert: "Wenn der Notruf 112, den die Bürger ganz klar mit der Feuerwehr verbinden, nun in einer Leitstelle entgegengenommen wird, die nicht zur Feuerwehr gehört, finden wir das schon absurd." Das Saarland werde dafür "sicher wieder belächelt werden, vielleicht wird man aber auch nur Kopfschütteln ernten", sagte DFeuG-Landeschef Detlef Schütz. Der ZRF argumentiert hingegen stets, die 112 sei nicht nur der Notruf für die Feuerwehr, sondern auch für den Rettungsdienst. Und 90 Prozent der Notrufe beträfen nun einmal medizinische Notfälle.

Landesfeuerwehrverband und Feuerwehr-Gewerkschaft halten es also für einen Fehler, die Integrierte Leitstelle an den ZRF zu vergeben und nicht an die Berufsfeuerwehr. Dahinter steht auch die Ansicht, dass die Angehörigen der Berufsfeuerwehr grundsätzlich besser für den Job in einer Leitstelle, insbesondere für den Feuerwehr-Part, qualifiziert sind. Schütz: "Anders als bei den Disponenten der Rettungsleitstelle, wo neben der Rettungsdienstausbildung nur eine mehrwöchige Modulausbildung zum Einsatzsachbearbeiter Feuerwehr vorgeschrieben ist, hat jeder Mitarbeiter der Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr eine zweijährige Brandmeisterausbildung durchlaufen, etliche Sonderlehrgänge absolviert und kann auch auf eine mehrjährige Erfahrung im Einsatzdienst zurückblicken."

Der ZRF verweist darauf, dass die Ausbildung der Leitstellen-Disponenten in einer Verordnung verbindlich geregelt sei. Zur Qualität der Arbeit auf dem Winterberg gibt es indes unterschiedliche Einschätzungen. Ein führender Feuerwehr-Vertreter berichtete jüngst, in seinem Bereich klappe alles einwandfrei. Aus der Feuerwehr einer anderen Stadt war aber auch zu hören, es komme hin und wieder vor, dass nicht angemessen alarmiert werde, weil Einsätze von Mitarbeitern falsch eingeschätzt würden.