Fenster in die Welt der Meditation

Für Samstagabend hatte die evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen zum dritten Taizé-Abend ins Martin-Luther-Haus eingeladen. Musikgruppen gestalteten einen meditativen Abend, mit dem ein weiteres Taizé-Fenster willkommen geheißen wurde.

Es müssen an die 250 Kerzen gewesen sein, die - aufgereiht auf den langen Fensterbänken, auf dem Altar und sogar auf dem großen Holzkreuz an der Wand - den Saal in warmes, sanftes Licht tauchten. Nie war Taizé näher als an diesem Abend. Was neben der Atmosphäre vor allem an den typischen, eingängigen Gesängen und Liedern lag, die die Musikgruppen des Gemeindebezirkes Furpach/Kohlhof mit einer - dank zahlreicher Proben - hohen Perfektion und viel Spielfreude interpretierten. Unter Leitung von Gudrun Herzog und Britta Eisenbeis, unterstützt von Kantor Andreas Ganster, webten die Musiker mit Flöten und Gitarren, Xylophonen, einem Glockenspiel, Klanghölzern und ähnlichen Instrumenten einen phantastischen Klangteppich. Dahinein stellte sich der mehrstimmige Taizé-Gesang: einfache, melodiöse Choräle wie "Bleibet hier und wachet" oder "Ostende nobis", in welche die Zuhörer gern und zahlreich einfielen.

Unterbrochen wurden die meditativen Klänge durch Denkanstöße von Pfarrer Uwe Schmidt. Warum nicht zufrieden sein mit dem, was man hat und kann? Ist es zeitgemäß, Opfer zu bringen? Und wie sieht es mit der Liebe aus? Hand in Hand gingen Texte und Lieder, mit denen man, so Schmidt, "der besonderen Stimmung Taizés nachspüren" wolle.

Dass dies wunderbar gelang, daran hatten nicht zuletzt drei elektrisch beleuchtete Fensterbilder Anteil. Zwei davon sind seit der umfangreichen Renovierung des Kircheraums vor drei Jahren Bestandteil des Altarraums. Ein weiteres wurde jetzt von Jugendpfleger Oliver Ludwig und weiteren ehrenamtlichen Helfern fristgerecht eingebaut und pünktlich am Samstagabend eingeweiht. Das große Fensterbild zeigt eine Taube und stammt wie die anderen aus dem 2009 abgerissenen Paul-Gerhardt-Haus. Dort reichten sie zum Teil vom Boden bis zur Decke.

Geschaffen wurde die Fenster-Serie von Eric de Saussure, einem Künstler aus der Brüder-Gemeinschaft von Taizé. Geboren 1925 in Genf, hinterließ der 2007 in Taizé gestorbene französische Künstler nicht nur Aquarelle, Ölbilder und Skulpturen sowie Kinderbücher, sondern auch zahlreiche Bleiglasfenster in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und den USA. Besonders bekannt ist Saussures Fensterzyklus auf der Südseite der Versöhnungskirche in Taizé, der die christlichen Feste symbolisiert.

"Unsere Fenster weisen ähnliche Züge auf", so Schmidt. Er ist froh, dass die Fenster kurz vor dem Abbruch des Paul-Gerhardt-Hauses im Lerchenweg, "als das Gebäude bereits verkauft war", durch einige beherzte Gemeindemitglieder gerettet wurden. Seitdem warten sie eingemottet im Wichern- und im Martin-Luther-Haus darauf, wieder Verwendung zu finden. Wobei die Kapazitäten im Martin-Luther-Haus nun langsam erschöpft sind. "Wenn es nach mir geht, bleibt es dabei", erklärt der Pfarrer mit Blick auf die insgesamt zehn in den Kirchraum integrierten Fenster. "Ich bin froh, dass wir noch eine freie weiße Wandfläche haben" - hätten doch die Noten zum Mitsingen und die Stimmungsbilder von Taizé sonst gar nicht an die Wand projiziert werden können.

Was mit den restlichen, laut Schmidt nicht wenigen Fenstern passiert, ist offen. Schade wäre es allemal um die Arbeiten von Saussure. Zumal das eindruckvollste der Öffentlichkeit vorenthalten bliebe: eine großes, aus mehreren Teilen bestehendes Fenster mit dem alttestamentarischen Motiv des brennenden Dornbuschs.