Fazit: sauber, aber unübersichtlich

Saarbrücken. Menschen brauchen oft nur einen Augenblick, um sich eine Meinung von einer Person oder einem Ort zu bilden. Da Tausende Saarbrücken mit der Bahn erreichen, ist das Erste, was sie von der Stadt sehen, der 2007 eingeweihte Eurobahnhof

Saarbrücken. Menschen brauchen oft nur einen Augenblick, um sich eine Meinung von einer Person oder einem Ort zu bilden. Da Tausende Saarbrücken mit der Bahn erreichen, ist das Erste, was sie von der Stadt sehen, der 2007 eingeweihte Eurobahnhof. Ist der Bahnhof eine Visitenkarte Saarbrückens?Wir fragten Fernreisende, welchen Eindruck der Eurobahnhof auf sie macht und wie es aus ihrer Sicht um Sauberkeit, Sicherheit und Übersichtlichkeit bestellt ist.

Zu wenige Sitzplätze

Der 17-jährige Nicklas Marienhagen aus Regensburg ist etwas enttäuscht: "Ich will nach Paris und muss noch etwas länger warten, aber die wenigen Sitzplätze sind besetzt." Tatsächlich stehen auf dem Bahnsteig nur vier Bänke mit jeweils drei Plätzen. Viele Reisende hocken auf ihrem Gepäck, dem Boden oder einer Mauer an der Treppe. "Außerdem habe ich lange nach der Wagenstandsanzeige auf dem Bahnsteig suchen müssen", sagt Marienhagen. Den Bahnhof selbst findet er aber sehr sauber: "Nirgendwo liegt hier Müll rum."

Dem stimmt Anika Hand (30) aus Landau zu: "Der Saarbrücker Bahnhof ist viel sauberer geworden. Nach dem großen Umbau fühle ich mich hier auch sicherer, es gibt keine dunklen Ecken mehr. Früher war mir hier oft unheimlich." Auch wesentlich übersichtlicher sei der Eurobahnhof geworden, sagt Hand.

Gunter Römer (52) aus Stuttgart hält dagegen. Er ist das erste Mal in Saarbrücken und will eine Radtour entlang der Saar machen. "Nachdem ich aus dem Zug gestiegen bin, war ich erst mal orientierungslos. Ich weiß nicht, wie ich zur Stadt komme." Die Hinweisschilder auf den Bahnsteigen hält er für wenig hilfreich. "Die Hinweise sind viel zu klein", sagt Römer. Auf den ersten Blick sei der Bahnhof allerdings sehr sauber.

Astrid Hoffmann (55) aus München kennt den Saarbrücker Bahnhof noch von früher: "Die Eingangshalle und der Tunnel zu den Gleisen haben sich gut gemacht. Der Bahnhof ist schöner geworden. Früher war es hier richtig schmutzig, das hat sich seit dem Umbau stark verbessert." Sie lobt die Gepäckbänder an den Rolltreppen und die Fahrstühle: "Reisen mit Gepäck ist so viel einfacher."

Freundliche Beratung

"Ich habe schon deutlich hässlichere Bahnhöfe gesehen", sagt Jörg Sturm aus Nürnberg. Der Eurobahnhof sei ganz normal, nichts Besonderes, meint der 44-Jährige, weist aber auf etwas aus seiner Sicht Erfreuliches hin. "Ich fand vor dem Bahnhof direkt einen Parkplatz, das hat mir gut gefallen. In Nürnberg wäre das nicht so einfach gewesen", sagt Sturm.

Auch Reisenden aus dem Saarland gefällt der umgebaute Eurobahnhof nun besser. Christel Schtoum aus Saarbrücken und Jutta Welsch aus Wadern reisen nach Paris. "Mir gefallen besonders die neue Fahrkartenausgabe und Auskunft in der Bahnhofshalle gut, dort wird man immer freundlich beraten", sagt Welsch. Der Bahnhof sei insgesamt freundlicher und übersichtlicher geworden, findet Schtoum. Allerdings bemängelt sie, die Uhr an der Fassade sei zu klein und fügt Gravierendes hinzu: "Sicher fühle ich mich auf dem Bahnhof nicht. Es sind immer nur wenige Polizisten da, das schafft eine unsichere Atmosphäre."

Hintergrund

Der Saarbrücker Hauptbahnhof wurde von 2006 bis 2008 für zirka 31 Millionen Euro umgebaut. Anlass war die ab 2007 in Betrieb genommene Schnellstrecke von Paris nach Frankfurt, die über Saarbrücken führt. Umgebaut wurden die Empfangshalle und der Fußgängertunnel zu den Gleisen. Über einen neuen Eingang am Nordende des Tunnels ist der Bahnhof nun auch vom Stadtteil Rodenhof erreichbar. Alle Bahnsteige sind über Aufzüge barrierefrei zugänglich. fre