Fastnachtsspaß beschäftigt jetzt die Anwälte

Ein Jahr nach dem Dudweiler Fastnachtsumzug geht eine Frau an die Öffentlichkeit. Als Zuschauerin trug sie Verletzungen davon. Sie stellte nicht nur Forderungen an die Bezirksverwaltung als Veranstalterin.

Der große Fastnachtsumzug 2014 durch die Dudweiler Innenstadt findet am Sonntag, 2. März, ab 13.11 Uhr statt. Vereine, Verbände und Fußgruppen können sich noch anmelden. Der Festausschuss Dudweiler Faasenacht sowie die Bezirksverwaltung nehmen die Anmeldungen entgegen. Soweit der Blick in die närrische Zukunft.

Weniger närrisch stellt sich indessen ein Geschehnis rund um den Dudweiler Gaudiwurm 2013 dar. Es geht um eine Frau, die jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist, weil sie massive Verletzungen beklagt und Wiedergutmachung beziehungsweise Konsequenzen einfordert. Die 34-Jährige macht geltend, bei der letztjährigen Veranstaltung als Zuschauerin, mit Mann und Kind vor Ort, durch eine von einem Motivwagen geworfene volle Bierdose unter anderem einen Nasenbeinbruch erlitten zu haben. Zudem wurde bei ihr von einer Psychotherapeutin eine ,,posttraumatische Belastungsstörung" festgestellt. Die ärztlichen Atteste liegen unserer Zeitung vor.

Die verletzte Zuschauerin beklagt, dass sich auch jetzt, fast ein Jahr später, für die Schäden niemand wirklich interessiere. Sie fordert, dass besagter Motivwagen ,,wegen groben Verstoßes gegen die Regeln" vom Gaudiwurm ausgeschlossen wird. Diesbezüglich verweist die Beschwerdeführerin auf die Teilnahmebedingungen, die "Bonbons, Brezeln, verpackte Würstchen u. ä." als Wurfmaterial erlauben, das Werfen von ,,Bierdosen, Pralinenschachteln, Schnapsflaschen usw." aber ausdrücklich verbieten.

Ein Sprecher des Motivwagens, an dem sich sechs Dudweiler Unternehmen beteiligten, erklärte gegenüber der SZ, dass die Bierdose nicht ins Publikum geworfen worden sei. Man wollte sie eigentlich nur herunterreichen, was jedoch missglückt sei. Bei dem Unfallopfer sei man gleich nach dem Vorfall mit Worten des Bedauerns und mit einem Blumenstrauß vorstellig geworden. Und habe auch die Privathaftpflichtversicherung über das Geschehen informiert. Nach den der SZ vorliegenden Unterlagen fordert der Anwalt der Geschädigten mittlerweile einen hohen vierstelligen Betrag von der Versicherung - ,,als Schmerzensgeldvorschuss und als Vorschuss auf den Haushaltsführungsschaden". Das geht aus einem Schreiben vom 11. November 2013 hervor.

Im Übrigen, so der Sprecher des Motivwagens, werde man dieses Jahr auf die Teilnahme am Fastnachtsumzug verzichten. Der Spaß daran sei allen Beteiligten vergangen. Als sehr befremdlich empfinde man es überdies, dass die verletzte Frau nun, ein Jahr nach dem Vorfall, an die Öffentlichkeit geht.

Veranstalterin des Dudweiler Fastnachtsumzugs ist die Bezirksverwaltung. Diese wiederum erklärte per Mail gegenüber der Beschwerdeführerin, dass man die Sache ans Rechtsamt der Landeshauptstadt Saarbrücken weitergeleitet habe.

Für die Verwaltung äußerte sich gegenüber der SZ deren Pressesprecher Robert Mertes: Das Werfen von Bierdosen, so schickt er voran, sei nach den Teilnahmebedingungen für den Fastnachtsumzug natürlich nicht erlaubt. Diese Teilnahmebedingungen würden immer die Verantwortlichen der Umzugswagen unterschreiben, ,,und sie werden auch am Tag des Umzugs nochmals darauf hingewiesen".

Die Bezirksverwaltung habe nach dem Vorfall überlegt, den Umzugswagen künftig nicht mehr zuzulassen, oder den Verantwortlichen zu ermahnen. Da der Wagen aber 2014 nicht mehr am Gaudiwurm teilnehmen wolle, habe sich das erübrigt. Mertes abschließend: "Wenn die von der Bierdose getroffene Frau einen Schadenersatz geltend machen will, so ist das eine rein privatrechtliche Angelegenheit, die sie mit dem Dosenwerfer klären muss." Mit anderen Worten: Der Veranstalter hat mit der ganzen Sache nichts zu tun.

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