Fast ganze Stadt wird Sperrbezirk

Saarbrücken · Saarbrückens Straßenstrich soll nur noch einen Bruchteil der bisherigen Größe haben. Das sieht die neue Sperrbezirksverordnung vor. Charlotte Britz verteidigte sie gestern gegen erste Kritik und mahnte bundesweit bessere Gesetze gegen Auswüchse der Prostitution an.

Drei Straßen stehen für drei Ausnahmen - kurze rote Striche im Grün des Saarbrücker Stadtgebietes. Sie sind die einzigen Orte, wo die Stadt und das Land voraussichtlich ab April noch Straßenprostitution zulassen wollen. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz stellte gestern im Rathaus St. Johann vor, was eine Arbeitsgruppe von Stadt und Land erarbeitet hat.

Demnach bleiben in der künftigen Sperrbezirksverordnung als Straßenstrich die Dudweiler Landstraße, aber nur stadtauswärts von der Eisenbahnbrücke bis zur Einmündung "Im Sauerbrod". Im Deutschmühlental ist es die Dr.-Vogeler-Straße von der Metzer Straße bis zur Unterführung Eisenbahntunnel - ausgenommen die Eingänge zum Hauptfriedhof. Und in Burbach bleiben 389 Meter der Hochstraße von der Einmündung Frankenstraße bis Von-der-Heydt-Brücke. Gesamtlänge des künftigen Straßenstrichs: 2,8 Kilometer, während er bislang an 547 Kilometern des Saarbrücker Straßennetzes erlaubt ist.

Weitere Einschränkung: Die Prostitution ist auch in den Ausnahmestraßen nicht rund um die Uhr erlaubt, sondern im Winter von 20 Uhr bis 6 Uhr, im Sommer von 22 Uhr bis 6 Uhr.

Besondere Regeln gelten allerdings für die drogenkranken Prostituierten im Projekt "Le Trottoir". Sie können auf dem Prostitutionsplatz an der Dudweilerstraße bleiben und dürfen dort den ganzen Tag über auf Freier warten.

Charlotte Britz und ihre Mitarbeiter machten noch einmal klar, dass den neuen Regeln eine Flut von Beschwerden vorausgegangen war. Und sie verdeutlichte auch: Eine Stadt ohne Straßenstrich könne es nicht geben. "Ganz verbieten dürfen wir ihn nicht. Die Ausnahmen sind wegen der geltenden Gesetzeslage auch künftig notwendig."

Kritik an den noch vorgesehenen Ausnahmen - Stichwort: Straßenstrich Burbach - griff sie auf. "Heute gibt es dort Prostitution mitten im Ort und im Wohngebiet." Entlang der 389 Meter des noch zugelassenen Straßenstrichs gebe es dagegen keine Wohnhäuser, betonte Britz. Ihr Kommentar zur Neuregelung des Sperrbezirks: "Das ist eine massive Verbesserung in Burbach und wichtig für die Bürger." Die Frauenbeauftragte Petra Messinger sagte, es gehe darum, das Angebot auszutrocknen und über die Sanktionen auch die Organisationen im Hintergrund zu treffen.

Verwaltungsdezernent Jürgen Wohlfarth betonte, Saarbrücken stehe mit dem Problem nicht allein da, und nannte unter anderem als Beispiel Trier. "Wir sind nicht die Hauptstadt der Prostitution", sagte der städtische Jurist und sprach von ersten Erfolgen. Sechs Bordelle habe die Stadt wegen baurechtlicher Verstöße dichtgemacht. "Und die Liste ist längst nicht abgearbeitet", sagte Wohlfarth. Und: Die für den Straßenstrich vorgesehenen Ausnahmezonen seien mit Bedacht gewählt. Dort gebe es keine Schulen, und der Straßenstrich gefährde weder Fahrer noch Fußgänger. Britz betonte, dass Saarbrücken allein das Problem nicht lösen könne. Sie sprach von einem "Tropfen auf den heißen Stein, weil die Möglichkeiten einer Kommune begrenzt sind".

Deshalb wandte Britz sich mit dem Appell um deutschlandweit strengere Regeln für Prostitution an die Bundesregierung. Und sie fand auch harte Worte für die Freier, die das schnelle Geschäft mit dem Sex erst ermöglichen.

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