Farbe gegen Schmierfinken

Weiße Wände werden immer wieder beschmiert. Wenn sie bemalt sind, bleiben sie sauber. Diese Erfahrung haben Bürger in der Mainzer Straße gemacht. Sie sehen das als Modell für die ganze Stadt.

Farbe gegen Schmierfinken
Farbe gegen Schmierfinken
 Der bemalte Stromkasten in der Mainzer Straße wird nicht beschmiert, andere immer wieder neu. Fotos: Dumont
Der bemalte Stromkasten in der Mainzer Straße wird nicht beschmiert, andere immer wieder neu. Fotos: Dumont

Beschmierte Wände, verschmutzte Stromkästen und Schilder - dagegen kämpfen Bürgerinitiativen in der Stadt. Leider seien die Stadt, städtische Betriebe und Landesbehörden nicht immer so engagiert im Kampf um mehr Sauberkeit. Das hat die Altenkesseler Sauberkeitsinitiative kritisiert (die SZ berichtete). Aus der Mainzer Straße kommt nun ähnliche Kritik: Es gibt dort viele Bürger und eine Initiative, die für Sauberkeit kämpfen, sagt Andrea Dumont, die ein Hotel in der Straße betreibt. "Die Stadt hingegen unternimmt oft an den eigenen Gebäuden oder an vielen touristischen Hinweistafeln sehr wenig, um den Schmierfinken Einhalt zu gebieten", sagt sie.

Es sei dann immer zu hören, dass die Reinigung sehr teuer sei. "Das ist richtig. Aber man muss ja gar nicht ständig reinigen", erklärt Dumont. Farbe helfe dauerhaft gegen Schmierfinken, sagt Dumont und verweist auf einen Stromkasten und ein Garagentor in ihrer Nachbarschaft. Die wurden vor gut zwei Jahren bemalt. Dumont: "An beiden Objekten musste bis heute nichts mehr getan werden." Eine weiße Wand ein paar Meter weiter werde dagegen ständig neu beschmiert.

Dumont will nun zusammen mit anderen Initiativen aus dem ganzen Stadtgebiet bei der Stadtverwaltung dafür werben, "Kunst" als Mittel gegen Schmierfinken einzusetzen. Ein Vorstoß, den sie vor drei Jahren gemacht habe, als sie die Stadtverwaltung auf ein solches Projekt im amerikanischen Philadelphia hingewiesen hat, sei von der Verwaltung ignoriert worden.

Die Altenkesseler Sauberkeitsinitiative will ebenfalls auf Farbe setzen. Sie hat, wie ihr Sprecher Helmut Kohler sagt, inzwischen mit der Stadtverwaltung einen sogenannten Gestattungsvertrag für das Brückengeländer in Rockershausen abgeschlossen. Die Brücke, unter der die Eisenbahngleise verlaufen, soll mit bemalten Platten verschönert werden - allerdings erst Anfang 2016.

Die Initiative muss warten, bis sowieso an der Brücke gearbeitet wird. Die Kosten, den Bahnverkehr einzuschränken, weil an der Brücke Tafeln angebracht werden, seien zu hoch, sagt Kohler. Die Initiative hat aber bereits einen Künstlerwettbewerb ausgeschrieben. Bis Ende kommenden Jahres sollen Künstlerinnen und Künstler Altenkesseler Motive und Industriekulturbilder einreichen. Eine Jury, der auch Vertreter der Stadtverwaltung angehören sollen, werde dann entscheiden, welche Motive auf die Brücke kommen. Dass bis dahin noch etwas Zeit ins Land geht, habe auch einen Vorteil, sagt Kohler: Die Initiative sucht noch weitere Sponsoren, die helfen, das Projekt zu bezahlen.

Den Vorschlag von Dumont, alle Sauberkeitsinitiativen an einen Tisch zu bringen, finden die Altenkesseler gut.