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Experten warnen: Neue Bio-Droge "Spice" ist auf dem Vormarsch

Experten warnen: Neue Bio-Droge "Spice" ist auf dem Vormarsch

Saarbrücken. Die Wirkung dieser Mischung aus Kräutern, Pflanzen und Gewürzen ist stärker als die von Cannabis. "Spice" heißt die neue "Bio-Droge", die von Konsumenten geraucht wird und seit einigen Monaten bundesweit auf dem Vormarsch ist

Saarbrücken. Die Wirkung dieser Mischung aus Kräutern, Pflanzen und Gewürzen ist stärker als die von Cannabis. "Spice" heißt die neue "Bio-Droge", die von Konsumenten geraucht wird und seit einigen Monaten bundesweit auf dem Vormarsch ist. Experten einer großen Fachtagung zum Thema "Drogenerkennung beim polizeilichen Einschreiten" warnten am Dienstag nachdrücklich vor der Wirkung von Spice, das ganz legal, etwa im Internet, gekauft werden kann. Hans-Jürgen Maurer (Foto: Welter), Drogenbeauftragter der Saar-Polizei, die Gastgeber des Treffens war: "Das Gehirn wird beeinflusst, Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen beeinträchtigt." Rechtsmediziner der Uniklinik Homburg sind dabei, zu erforschen, welche Substanzen der Mischung welche Wirkung auslösen. Für die Polizei sind diese Erkenntnisse wichtig, um bei Kontrollen und Unfällen beurteilen zu können, ob Fahrer "Spice" geraucht haben.

Die 250 Experten aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz, den Niederlanden und von der US-Militär-Polizei beschäftigten sich gestern auch mit der Drogen-Prävention. Bernd Römer, Polizeidirektor in Ludwigshafen, geht "vorsichtig optimistisch" davon aus, dass ein dort seit 2003 laufendes Präventionsprogramm "in bedeutendem Umfang ursächlich" für den Rückgang der Fallzahlen von Autofahrern unter Drogeneinfluss ist.

In Sachen Drogenerkennung im Straßenverkehr gehört die Saar-Polizei international zu den Vorreitern. Etwa 20 Top-Spezialisten hat die Verkehrspolizeiinspektion. Zudem sind rund 500 Beamte in anderen Dienststellen trainiert, Fahrer, die unter Drogeneinfluss stehen, zu erkennen.

Die Drogenspezialisten der Saar-Polizei arbeiten seit Jahren eng mit der Homburger Rechtsmedizin zusammen. Professor Dr. Thomas Krämer (Foto: SZ), Toxikologe und Pharmakologe, berichtete gestern bei der von Richter Michael Görlinger moderierten Veranstaltung über seine Praxiserfahrung mit Testgeräten, an deren Entwicklung die Saar-Polizei maßgeblich mitgewirkt hat: "Wir haben es mit der Industrie geschafft, Drogenvortests auf Speichelbasis zu entwicklen, die Qualität liefern." Gängige Drogengruppen könnten so erfasst werden. Es existierten aber eine Vielzahl von Substanzen, deren Konsum fahruntüchtig oder schuldunfähig macht, die aber mit den Tests nicht erkannt werden. Deshalb müssten die Polizisten weiter geschult werden, um besser als die Technik zu sein.

Nach Angaben von Hauptkommissar Maurer, erkennen Tests etwa die künstliche Droge Buprenorphin, das die ähnliche Wirkung wie ein Opiat hat, nicht. So könne es passieren, dass ein berauschter Fahrer wegen seines Verhaltens im Saarland einem geschulten Beamten auffällt und zur Blutprobe geladen wird. In Rheinland-Pfalz könnte er eventuell nach einer Kontrolle seine Fahrt fortsetzen, weil ein Drogenvortest keine Reaktion gezeigt habe.