| 00:00 Uhr

Experte: Krankenhaus-Dichte im Saarland 20 bis 30 Prozent zu hoch

Saarbrücken. Weniger Kliniken, die sich dafür stärker spezialisieren – das fordern die Kassen im Saarland seit Jahren. Ein Experte springt ihnen zur Seite. Die Landesregierung will die Krankenhausplanung neu ausrichten. Klar ist: Es wird sich etwas ändern. Daniel Kirch

Im Saarland gibt es nach Ansicht des Krankenhaus-Experten Sebastian Krolop zu viele Kliniken . Gemessen an anderen Bundesländern müsste die Krankenhaus-Dichte im Saarland eigentlich um 20 bis 30 Prozent niedriger sein, sagte der Arzt, Ökonom und Mitautor des jährlichen Krankenhaus-Rating-Reports beim Herbstempfang der Techniker Krankenkasse (TK) auf dem Saarbrücker Halberg. Für den Report untersuchen Wissenschaftler des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und weitere Experten jedes Jahr die Jahresabschlüsse von bundesweit rund 1000 Kliniken . Nach Krolops Angaben schreiben bundesweit 50 Prozent der kommunalen, 29 Prozent der freigemeinnützigen und 13 Prozent der privaten Krankenhäuser rote Zahlen. Im Osten geht es den Krankenhäusern dabei besser als in Westdeutschland.

20 bis 30 Prozent weniger Krankenhäuser im Saarland - dies entspräche der Schließung von vier bis sechs der 21 Einrichtungen. Wenn es weniger Krankenhäuser gebe, nehme die Spezialisierung zu und die Konkurrenz untereinander ab, sagte Krolop. Die verbleibenden Krankenhäuser müssten dann mehr Patienten behandeln. Auf SZ-Nachfrage relativierte Krolop das Argument, dass gerade für Akuterkrankungen wie einen Herzinfarkt eine wohnortnahe Versorgung besonders wichtig sei. Entscheidend sei nicht, ob der Patient nach der Erstbehandlung durch einen Notarzt nach 20 oder erst nach 35 Minuten in einer Klinik sei, sondern wie gut die Versorgung in der Klinik in den folgenden Stunden und Tagen sei.

Sozialstaatssekretär Stephan Kolling (CDU ) sprach mit Blick auf die jüngste Krankenhausreform von einem "Kurswechsel" in der Krankenhauspolitik: Die Qualität werde künftig zu einem zentralen Maßstab der Krankenhausplanung. Auf der einen Seite wolle man eine wohnortnahe stationäre Versorgung erhalten, auf der anderen Seite aber auch "spezialisierte Zentren" mit effizienten Strukturen schaffen. "Das kann man nur, wenn man Qualität in den Mittelpunkt stellt", so Kolling. Bei schlechter Qualität werde das Land nach einer Frist Krankenhaus-Stationen, notfalls ganze Häuser, aus dem Krankenhausplan herausnehmen. Für unzureichende medizinische Qualität sieht das neue Gesetz zunächst Abschläge bei der Vergütung vor. Wie die Qualität gemessen wird, muss aber noch festgelegt werden.

Zu strukturellen Veränderungen der Krankenhaus-Landschaft im Saarland wird nach Kollings Angaben auch der neue Strukturfonds des Bundes führen. Aus ihm fließen, einschließlich einer hälftigen Kofinanzierung durch das Land, einmalig zwölf Millionen ins Saarland - aber nur, wenn Krankenhausträger Abteilungen oder ganze Häuser schließen. Dies sei keine "Abwrackprämie", sagte Kolling, sondern eine Investitionsförderung, um ein Krankenhaus zukunftsfähig zu machen.

Der Leiter der TK-Landesvertretung im Saarland, Jörn Simon, sagte, das Geld könne etwa für sinnvolle Konzentrationen und Fusionen verwendet werden oder für die Umwandlung von Akuthäusern in Pflegeheime, Hospize oder Reha-Einrichtungen.

Das Hauptproblem bleibt aus Kassensicht die unzureichende Investitionskosten-Förderung durch die Bundesländer. Die 16 Länder sollen eigentlich für die Investitionen, die Kassen für die laufenden Behandlungskosten aufkommen. Unter dem Druck der Schuldenbremse hat jedoch auch das Saarland diese Förderung reduziert.