Evangelidis ist jetzt Grieche und Deutscher

Sein Vater ist halb Grieche, halb Österreicher und seine Mutter kommt aus Bosnien. Sokrates Evangelidis ist in Saarbrücken geboren und hat nun auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Saarbrücken. Seit wenigen Tagen hat Sokrates Evangelidis (48) die doppelte Staatsbürgerschaft: Er ist Grieche und Deutscher. Im April überreichte ihm Kajo Breuer, Dezernent für Umwelt, Migration und Recht, wie 37 anderen Saarbrückern die deutsche Einbürgerungsurkunde im Rathaus."Doch eigentlich ist es viel komplizierter", sagt er. Sein Vater ist zur Hälfte Grieche und zur anderen Hälfte Österreicher, wuchs aber in Sarajevo auf, wo auch seine bosnische Mutter herkommt. Damals gehörte Sarajevo noch zu Jugoslawien, heute ist es die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Ihr Sohn Sokrates wurde vor 48 Jahren in Saarbrücken geboren. "Ich bin Saarbrücker. Ich habe mich nie als etwas anderes gesehen", sagt Evangelidis. Und doch achten seine Eltern darauf, dass er ein Stück seiner Wurzeln behält. "Ich kann soviel Griechisch, dass ich in Athen den Taxipreis für Einheimische aushandeln kann", erzählt er schmunzelnd. Und Bosnisch? "Seitdem meine Eltern nicht mehr leben, ist das eingerostet. Sprechen wird schwer, aber verstehen würde ich noch etwas."

Sein Lebenszentrum ist Saarbrücken. Vor 30 Jahren beginnt er für die Saarbrücker Zeitung zu schreiben. "Zwölf Jahre habe ich meist über Konzerte geschrieben." Musik ist bis heute seine große Leidenschaft. Noch während seines Informatikstudiums beginnt er beim SR zu arbeiten. Mit 30 Jahren macht er ein Volontariat beim SR. 1999 bekommt er die Chance, ein Jugendradio aufzubauen: "Sieben Jahre war ich Unser-Ding-Chef. Eine tolle Zeit." Danach wechselt er zu SR1, arbeitet heute als Sounddesigner und Redakteur für den Sender.

Mittlerweile ist Evangelidis selbst Vater dreier Töchter. "Im vergangen Sommer waren wir in Griechenland. Ich wollte, dass sie das Land kennenlernen." Denn obwohl er dort nie gelebt hat, spürt er "ein Grundmaß an Verbundenheit. Mir sind nicht viele Verwandte geblieben. Meine Familie ist sehr klein", sagt er. Zwei seiner Cousinen leben in Griechenland. Mit ihnen hält er Kontakt. Die Töchter haben den deutschen Pass. Sie seien auch der Grund, warum er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat. "Als ich an der Uni Saarbrücken Informatik studiert habe, wurde ich als 'Bildungsinländer' geführt." Seltsame Beschreibung, findet er. 48 Jahre hat Evangelidis gewartet, weil er "mit dem Zusammenwachsen der Europäischen Union auch keine Notwendigkeit" sah. Und obwohl er nie in Griechenland gelebt hat, sagt er nachdenklich: "Es hat mich gestört, meinen griechischen Pass abgeben zu müssen, um Deutscher zu werden." Seine griechische Staatsangehörigkeit ist ein Teil seiner Identität. Seit 2000 haben EU-Bürger nicht mehr die Qual der Wahl. Das neue Staatsangehörigkeitsgesetz ermöglicht eine doppelte Staatsbürgerschaft. ceg