Etwas Wärme, einfach so

Mitte Dezember wird der Kältebus wieder Anlaufstelle für Menschen sein, die auf der Straße leben oder zu Hause einsam sind. Bis dahin leistet „Ingos kleine Kältehilfe Saarbrücken“ Beistand.

Kerstin Lafontaine wollte einfach "mal schauen". Auf der Internetplattform Facebook hatte sie von "Ingos kleiner Kältehilfe" gelesen. Und davon, dass Menschen gesucht werden, die anderen Menschen mit einer warmen Mahlzeit durch die Nacht helfen. "Ich dachte: Ich gehe da einfach mal hin und schaue mir das an", erinnert sie sich. Seitdem gehört sie zum Team.

Jeden Abend um 21 Uhr stehen einige der inzwischen rund 160 Unterstützer der Kältehilfe abwechselnd vor der Europa-Galerie am Hauptbahnhof oder an der Johanneskirche. Bis etwa Mitternacht verteilen sie warmes Essen, meistens auch Kaffee, Kuchen, Kakao, Tee an jeden, der es braucht.

Es ist Samstagabend, und Petra Therre hat einen Riesentopf voller Nudeln mit Bolognesesoße mitgebracht. Außer sieben Kilo Fleisch ist auch viel Gemüse drin. Das ist ihr wichtig: "Wir machen einfaches, aber möglichst gesundes Essen." 50 Portionen, auch mal deutlich mehr.

Leben auf der Straße

"Mal kochen Hausfrauen, mal ganze Familien. Auch die Jugendfeuerwehr St. Johann hat schon gekocht", sagt Ingo Wilke. Ingo ist der Mann, der das alles losgetreten hat. Einem Menschen in Not 20 oder 50 Cent in den Sammelbecher zu werfen, sei gut, sagt der Mann, der in wenigen Wochen 65 Jahre alt wird und selbst von Hartz IV lebt. Aber es sei ihm zu wenig. Vermutlich, weil es Menschen, denen er begegnet ist, als es ihm selbst schlecht ging, auch zu wenig war.

Das ist noch nicht so lange her. Vor zwei Jahren, im Winter 2014/2015 lebte Ingo Wilke selbst auf der Straße. Er war Fernfahrer. Ein Bandscheibenvorfall, Arbeitsunfähigkeit - und irgendwann schlief Ingo unter der Autobahnbrücke in Güdingen. In der Tankstelle, die er aus seiner Zeit als Fahrer kannte, bekam er Kaffee umsonst, auch mal etwas zu essen. Jemand schenkte ihm eine warme Decke.

Kurz nach Weihnachten brach Ingo zusammen. Im Sommerschlafsack durch den Winter zu kommen, da spielte sein Körper nicht mit. Ingo landete im Krankenhaus, wo es der behandelnde Arzt nicht fassen konnte, wie jemand, der sein ganzes Leben gearbeitet hat, auf der Straße landen konnten. In der Notschlafstelle der Arbeiterwohlfahrt bekam er dann den Tipp, doch mal zum Kältebus zu gehen.

Diese private Initiative, die in jenem Winter erstmals aus einem Linienbus einen Ort gemacht hatte, an dem obdachlose und einsame Menschen übernachten und etwas Warmes essen können, eröffnete Ingo Wilke ein neues Leben.

Es begann damit, dass er zwei Fragen stellte. Frage eins: Ob er einen warmen Pullover haben könne. Und als er ihn bekam, Frage zwei: "Was kann ich dafür tun?"

So wurde Ingo ehrenamtlicher Helfer im Kältebus. Das Team organisierte ihm eine Wohnung. Ingo fasste wieder Tritt. In der zweiten Kältebussaison half er wieder. Und in der dritten, die wohl Mitte Dezember beginnt und Ende März endet, auch wieder. Aber bis Dezember sei es noch lang, sagt Ingo. Kalt und ungemütlich ist es aber schon jetzt. So kam die Idee mit der Kältehilfe.

Mit einigen Leuten, die er vom Kältebus kannte, hat er die Idee auf Facebook vorgestellt. Mit dem, was dann passiert ist, habe er nicht gerechnet, sagt Ingo. Die Gruppe verteilt seit Mitte Oktober nicht nur jeden Tag warmes Essen. Sie hilft auch bei anderen Dingen, auch bei der Wohnungssuche, und sie verteilt Kleidung. "Ich hätte nie gedacht, dass das solche Ausmaße annimmt", sagt Ingo.

Kerstin Lafontaine wundert das alles nicht. "Wenn man einmal dabei ist und sieht, wie die Menschen reagieren, dann bleibt man dabei. Ich habe noch nie im Leben so viel ,Bitte!' und ,Danke!' gehört", wundert sie sich fast ein wenig. Und die Gruppe sei wundervoll. Man lacht viel miteinander.