„Es wird viel gestorben“

Sulzbach · Eine Lesung auch zum Zuschauen, das vollbrachte der Schriftsteller Sobo Swobodnik. Er stellte seinen Kriminalroman „Sils Maria“ in der Sulzbacher Stadtbibliothek vor und bewies dabei reichlich Schauspielkunst.

 Sobo Swobodnik (sitzend) im Gespräch mit Lesern in der Stadtbibliothek. Foto: Anne Allenbach/Stadt

Sobo Swobodnik (sitzend) im Gespräch mit Lesern in der Stadtbibliothek. Foto: Anne Allenbach/Stadt

Foto: Anne Allenbach/Stadt

Man kann eine Autorenlesung ganz konventionell veranstalten. Dass das aber auch anders geht, bewies Sobo Swobodnik bei der ersten Dienstagslesung in der Sulzbacher Stadtbibliothek, die im Stile der Dienstagsvernisagen stattfand. Dort las der Berliner Autor aus seinem Kriminalroman "Sils Maria".

Im gutbesuchten Lesesaal gab es zunächst eine ganz andere Gattung des Kunstgenusses: Saxophon-Musik von Cornell Wegmann. So waren die Besucher der Lesung schon ein wenig sensibilisiert für das, was sie gleich zu Gehör bekamen. "Sils Maria" ist nicht nur der Name des Buches von Swobodnik, sondern auch ein Ort in der Schweiz. Genauer gesagt ein landschaftlich sehr reizvoller Ort im Kanton Graubünden, an dem sich bereits Hesse und Nietzsche oft aufgehalten haben. Genügend Inspiration für den von der Schwäbischen Alb stammenden Autor, der ansonsten eigentlich für Kinder- und Jugendbücher bekannt ist. Es ist der achte Roman mit der Hauptfigur Paul Plotek. Bereits 2002 schuf Sobo Swobodnik diesen spröden und gleichzeitig mehr als ulkigen Hauptdarsteller, als er mit Altötting die Reihe begann.

Dem Schriftsteller kommt bei der Lesung seine andere Professionen zu Gute, denn von Hause aus ist er Schauspieler. Sobo, so sein Pseudonym bei Kinderbüchern, nimmt einem mit auf die Reise in die Handlung. Man gerät leicht in Tagträume, sieht sich als Beobachter und Gast live vor Ort. Er beschreibt nicht nur detailliert die Erlebnisse des Plotek, sondern die Gerüche, die Stimmung. Kopfkino leicht gemacht, könnte man da sagen. Sicherlich auch ein Umstand, welcher dem Filmemacher (Gewinner der Sparte Bester Dokumentarfilm 2012 beim Max-Ophüls-Preis), wie auf den Leib geschrieben ist. Apropos Leib: Hauptfigur Plotek geht es nach einem Schwächeanfall nicht gut und er wird zur Kur geschickt. Sein Kumpel Vinzi soll ihn dabei begleiten. Der ist beinamputiert. Ein Schicksal, welches der Autor keinesfalls bemitleidenswert, sondern vielmehr humorvoll schildert, ohne dabei lächerlich zu werden. Schließlich sollen seine Krimis auch Persiflagen auf selbige sein, bekannte Swobodnik im Anschluss bei der Fragerunde mit Moderator Norbert Degen. Er verarbeite Alltagsgeschichten, die ihm auf den Keks gehen. Und eines stellte er in Sulzbach gleich klar: Er und Plotek sind nicht identisch. Obwohl, so ein paar Parallelen gibt es bei ihm schon.

Zum Brüllen komisch ist die Geschichte alleine schon beim Zuhören. Zuerst entdeckt Plotek per Zufall eine Leiche, Situationskomik inklusive, wird von einer mannsdollen Marlies verfolgt, gerät zufällig in die Voyeurrolle, als er auf der Flucht vor seiner Verehrerin ein Paar beim Sex erwischt. Das wiederum muss flüchten, weil eine Leiche durchs Dach fällt. Von diesen gibt es gar viele in dem Krimi. "Es wird viel gestorben", gab Swobodnik zu. Das sagte er mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Vielleicht trug auch der Ort selbst dazu bei, den er als einen "faszinierenden, magischen Ort" bezeichnete. Sein nächster Roman wird übrigens in Wien spielen, entlockte Norbert Degen Sobo Swobodnik am Ende. Dann sei aber Schluss mit der Plotek-Reihe, gab der Autor bedauerlicherweise zu und begab sich gutgelaunt zum Signieren.

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