Es war das Hühnchen und nicht die Lerche

Saarbrücken. Als im März die stürmische Xynthia über Saarbrücken hinwegfegte und sogar ein paar Dächer abdeckte, hätte das beinahe fatale Folgen für eine andere Dame gehabt. Die Maria-Helena nämlich. Das Theaterschiff von Frank Lion hatte sich im Sturm losgerissen

Saarbrücken. Als im März die stürmische Xynthia über Saarbrücken hinwegfegte und sogar ein paar Dächer abdeckte, hätte das beinahe fatale Folgen für eine andere Dame gehabt. Die Maria-Helena nämlich. Das Theaterschiff von Frank Lion hatte sich im Sturm losgerissen. Im letzten Moment konnte Lion, alarmiert von Anliegern, sein Schiff retten, "sonst hätte mein Schiff die Stadtmitte am Fluss ganz alleine gefräst". Das war aber glücklicherweise der einzige brenzlige Moment im letzten Jahr. Ansonsten nämlich schwimmt das Theaterschiff in ruhigen Gewässern. Der Laden läuft, die meisten Vorstellungen sind gut bis sehr gut besucht. Und die Nachfrage der saarländischen Gemeinden ist ungebrochen. Im Juni geht die Maria-Helena wieder auf große Fahrt Richtung Beckingen, Merzig und Völklingen, später geht es noch nach Saarlouis. Auch Thionville hätte die Maria-Helena gern engagiert, aber das ging terminlich in diesem Jahr nicht.

"Lediglich die Stadt Saarbrücken merkt gar nicht, dass sie ein Theaterschiff hat. Nur einmal im Jahr erinnert man sich an uns, wenn Saar-Spektakel ist und wir weg müssen, weil wir stören." Dass in den gut zwei Jahren, die es das Theaterschiff nun gibt, von der Stadt so gut wie kein Interesse signalisiert wurde, ärgert ihn. "Wir haben hier einen voll ausgestatteten Raum für 120 Zuschauer mitten in Saarbrücken, und von der Stadt kommt leider gar nix."

Dabei würde Lion gern noch mehr Programm anbieten, "aber da brauche ich mehr Sicherheit". Bisher wird das Schiff in erster Linie von Lions eigener Theatergruppe, der Compagnie Lion, bespielt. Aber auch andere Künstler nutzen das Schiff für Gastspiele. Gerade erst gab es den Elvis-Interpreten Steven Pitman (der kommt am 1. Oktober wieder), und Sascha Bendix, Preisträger der St. Ingberter Pfanne, war auch jüngst da.

Das "Hühnchen-Trio" um Gregor Köhne alias Ody hat das Schiff zur zweiten Heimat erkoren. Auf Tourneen sind öfter mal Saarbrücker Kleinkunst-Größen mit an Bord. Und es gibt immer mehr Privatleute, die in dem originellen Ambiente 50. Geburtstage und Hochzeiten bestreiten und so quasi den Kulturbetrieb mitfinanzieren.

Aber Herzstück bleibt natürlich das eigene Theaterprogramm. Und da steht demnächst einiges an: Am 16. Mai hat das neue Musiktheater "Die Bremer Stadtmusikanten" Premiere. Geschrieben hat das Stück Frank Lion selbst. Die Musik komponiert Wolf Giloi. Das bewährte Lion-Ensemble wird auf der Bühne stehen: Gabriele Bernstein als Katze, Meike Ruby als Hund, Ralf Peter als Esel, und Vincenzo di Rosa gibt den Gockel.

Im Herbst will die Compagnie Lion dann auch mal wieder ein Erwachsenen-Stück stemmen. Derzeit arbeitet Gregor Köhne vom "Hühnchen-Trio" eifrig an einer sehr speziellen Bearbeitung von "Romeo und Julia".

Auf einen Blick

Die nächsten Termine auf dem Theaterschiff Maria-Helena:

7. Mai, 21 Uhr: Soulkitchen-Party mit DJ Puma (Soul, Funk, R&B and Rock 'n' Roll).

16. Mai, 15 Uhr: Premiere "Die Bremer Stadtmusikanten".

18., 19., 20. Mai, je 10 Uhr: Die Bremer Stadtmusikanten.

11. Mai, 20 Uhr, Gastspiel der Saxofonistin Celia Baron.

14. Mai, 15 Uhr: Die Bremer Stadtmusikanten

Vom 28. Mai bis 19. Juni ist das Theaterschiff unterwegs zwischen Beckingen und Merzig.

Am 23. Juni geht die Maria-Helena in Völklingen vor Anker und die Cie. Lion spielt am 23. Juni, 9.30 und 11 Uhr, sowie am 24. Juni, 10 Uhr, Die Bremer Stadtmusikanten.

Am 26. Juni findet dann im Heimathafen in Saarbrücken die Veranstaltung "Strömungen der Innenarchitektur" statt. Mittwoch, 30. Juni, 20 Uhr, gibt das InZeit Ensemble ein Konzert. red

Kontakt: Frank Lion, Bismarckstraße 26, Saarbrücken, Tel. (06 81) 6 58 17 oder (0172) 6 56 77 77. Die Maria Helena liegt in Saarbrücken unterhalb der Alten Brücke.

www.theaterschiff-maria-helena.de