„Es lohnt sich, man schenkt Leben“

Gertrud Schmidt aus Dillingen lebt seit zwei Jahrzehnten mit einer gespendeten Niere. Wie es der 57-Jährigen damit geht und wie sie selbst zu dem Thema steht, darüber sprach mit ihr zum Tag der Organspende SZ-Redakteurin Laura Blatter.

Frau Schmidt, der 7. Juni ist der Tag der Organspende. Sie selbst leben seit 20 Jahren mit einer gespendeten Niere. Inwiefern hat das Ihr Leben verändert?

Gertrud Schmidt: Ich konnte nach der Transplantation wieder ein normales Leben führen, das nicht vom Rhythmus der Blutwäsche, dreimal pro Woche vier bis fünf Stunden, und den Zwängen der Ess- und Trinkvorschriften eines Dialysepatienten bestimmt war. Vom Gefühl her war ich wieder frei und gesund. Ich konnte wieder das gleiche Leben führen wie andere Menschen meines Alters.

Denken Sie manchmal noch an den Spender? Wer und wie er gewesen ist?

Schmidt: An den Spender denke ich sehr oft und auch an die anderen Patienten, die vielleicht von ihm oder ihr ein Organ erhalten haben und damit ein Leben geschenkt bekamen. Jeder Organspender schenkt gleich mehrere Leben, oft an junge Menschen, die dank der Organspende ein normales Leben führen können. Auch an die Familie des Spenders denke ich oft und hoffe, dass sie etwas Trost empfanden bei dem Gedanken, dass die Organe des Spenders in einem anderen Menschen weiter leben.

Bei all den Negativschlagzeilen rund um die Organspende: Wie wichtig ist es Ihnen als Betroffene, über dieses Thema aufzuklären?

Schmidt: Es ist mir sehr wichtig, da es für viele Menschen sehr viel einfacher ist, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, wenn sie einen Betroffenen, der auf ein Organ wartet, kennen. Von einem abstrakten Gedanken wird das Thema dann plötzlich sehr persönlich und sehr menschlich. Jeder kann in die Situation kommen, dass nur eine Blut- oder Organspende sein Leben retten kann, und deshalb sollte sich auch jeder mit diesem Thema beschäftigen und sich als möglicher Spender testen lassen. Es lohnt sich, man schenkt Leben.

Haben Sie selbst einen Organspende-Ausweis?

Schmidt: Ich hätte einen Organspende-Ausweis, wenn ich als Spender in Frage käme. Da ich aber als Transplantierte sehr viele Medikamente nehmen muss, damit das Spenderorgan nicht abgestoßen wird, komme ich als Organspender nicht in Frage. Sollte sich daran etwas ändern, werde ich sofort alle meine Organe zur Verfügung stellen.

Zum Tag der Organspende, 7. Juni, informiert das Infoteam Organspende Saar rund ums Thema. Ein Aufklärungs-Stand steht von 10 bis 17 Uhr in Saarbrücken vor der Europagalerie. Das Motto: "Ein Herz für Organspende".