„Es gibt Glücksgefühle und Fehlschläge“

Andreas Hollstein (CDU), Bürgermeister der westfälischen Kleinstadt Altena, machte Schlagzeilen, weil er zusätzliche Flüchtlinge für seine Gemeinde wollte, da er sie als Chance sieht. Im Rahmen der Reihe „Was wollen wir werden“ ist Hollstein am 7. Oktober in Saarbrücken zu Gast. SZ-Redakteurin Susanne Brenner hat er vorab ein paar Fragen beantwortet.

Es ist jetzt ein gutes Jahr her, dass Sie bundesweit bekannt wurden als der Bürgermeister, der ausdrücklich um zusätzliche Flüchtlinge für seine Stadt bittet. Haben Sie es je bereut?

Andreas Hollstein: Gerade um ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen, war unsere Altenaer Entscheidung wichtig und richtig. Die Menschen haben uns vielfältig gefordert, aber auch bereichert. Ja, ich bin froh, dass wir so entschieden haben und nehme die Anfeindungen, die es auch gab, nach wie vor als Antrieb. Wenn man sieht, welche Fortschritte viele Geflüchtete bereits gemacht haben, besonders unsere ca. 120 Kinder, dann ist da viel Freude und Glück.

Es gab ja leider auch in Altena einen, zum Glück glimpflich verlaufenen, Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft. Wie würden Sie heute die Stimmung in der Stadt beschreiben?

Andreas Hollstein: Viel ruhiger und zum Glück sachlicher als um den Jahreswechsel. Das Verbrechen hat viele Menschen bewegt und dazu animiert, mit anzupacken, um so ein Zeichen gegen Hass und für ein friedliches Miteinander zu setzen. Die Mehrheit will kein Gemeinwesen, in dem Hass, Gewalt und Vorurteile herrschen, lokal und auch in Deutschland.

Und wie geht es "Ihren" Flüchtlingen in Altena heute ? Schaffen die das auch mit der Integration?

Andreas Hollstein: Integration ist harte Arbeit und ein Prozess. Für diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren, wie auch für die hauptamtlich Tätigen und ganz besonders für die geflüchteten Menschen. Es ist ein mühevoller Prozess, mal mit Glücksgefühlen, mal mit Rückschlägen. Aber es gilt: Wir werden das gemeinsam hinbekommen, und unser Land wird davon profitieren. Dafür lohnt sich der Einsatz.

Zum Thema:

Auf einen Blick "Was wollen wir werden?" ist das Oberthema einer ambitionierten Reihe zur Zukunft unserer Gesellschaft, die die Sparte 4, Werkstattbühne des Saarländischen Staatstheaters, veranstaltet. Noch bis Ende Oktober beschäftigen sich Fachleute, Laien, Künstler und Politiker in öffentlichen Workshops, Diskussionsrunden und Seminaren mit der Frage, wie unsere Gesellschaft sich im Zuge der Zuwanderung der letzten Monate und Jahre verändern wird. Am Freitag, 7. Oktober, 20 Uhr, findet in diesem Rahmen in der Sparte 4 (Eisenbahnstraße 22) eine Runde mit dem Thema "So schaffen wir das!" statt. Gast ist Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena, der im letzten Herbst, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 100 zusätzliche Flüchtlinge in seinem Ort aufnahm. Er sieht die Zuwanderung als Chance gerade für ländlichere Gegenden. Mit auf dem Podium sitzen Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Veronika Kabis, die Leiterin des Saarbrücker Zuwanderungs- und Integrationsbüros. red