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„Es gibt einen riesigen Bedarf“

Helferin Katja Kurtz war bei der Weihnachtsfeier 2015 im Einsatz. archivFoto: bub
Helferin Katja Kurtz war bei der Weihnachtsfeier 2015 im Einsatz. archivFoto: bub FOTO: bub
Saarbrücken. Ein würdiges Weihnachtsfest in wohltuender Atmosphäre: Was sich viele Menschen wünschen, ist nicht jedem vorbehalten. Die Heiligabend-Aktion im Saarbrücker E-Werk soll die Lücke ein Stück weit schließen. Andreas Lang

Traurige Tradition - diese Bilanz zieht der Superintendent des Kirchenkreises Saarbrücken West, Christian Weyer, wenn er an die ökumenische Heiligabend-Aktion für Alleinstehende und Wohnungslose denkt. Seine Gedanken dazu gab er im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld der Aktion, die im E-Werk ihre 47. Auflage erlebt, preis: "Es ist traurig, dass eine solche Aktion noch immer notwendig ist. Es zeigt sich sogar, dass es noch einen riesigen Bedarf gibt. Es gibt noch immer viele Menschen, die eine Weihnachtsfeier sonst nicht hinbekämen - aus welchen Gründen auch immer."

In den vergangenen Jahren waren jeweils etwa 700 Gäste ins E-Werk gekommen, an Heiligabend rechnet Diakon Horst-Peter Rauguth mit einer ähnlich hohen Zahl: "Darunter auch zahlreiche Familien mit Kindern." Mit bis zu hundert Kindern rechnet er, weswegen die Macher in einem abgetrennten Bereich des E-Werks eine Kinderbetreuung einrichten werden. Weyer sieht in der Aktion aber auch eine Chance für junge Leute, das aus der eigenen Familie bekannte, eingefahrene Weihnachtsfest auf dem Weg ins Erwachsensein für sich neu zu entdecken. Mit ehrenamtlicher Hilfe dafür zu sorgen, dass Bedürftige eine würdige Weihnacht erleben. Sein Schlüsselerlebnis ist es, wenn ganze Familien aus dem E-Werk froh nach Hause gehen: "Dann ist Weihnachten geworden in den Herzen dieser Menschen." Rund 100 Helfer werden wieder in die Aktion eingebunden sein, wie Diakon Rauguth informiert. Im Alter von 16 und 70 Jahren, viele sind seit Jahren dabei, einige neu und einige werden spontan kommen, die Konfession spielt dabei keine Rolle. "Das ist eine durch und durch ökomenische Aktion", hebt Pastoralreferent Heiner Buchen hervor. Außerdem verjünge sich der Helferkreis quasi von selbst: "Viele derer, die vor vier Jahren neu waren, sind geblieben, und auch dieses Jahr kommen neue junge Leute dazu." Dechant Benedikt Welter sieht im Wirken der Helfer ein gutes Beispiel für den Akt der Nächstenliebe: "Die Erfahrung von Schenken und Nächstenliebe wächst so. Kirche soll so sein, dass Menschen Heilung erfahren."

Die Kirchenvertreter danken allen Ehrenamtlichen, die mithelfen, das Fest zu gestalten und den Firmen, die die Aktion mit Geld- und Sachspenden unterstützen. Dennoch bleiben nach Angaben der Veranstalter rund 30 000 Euro an Kosten übrig, die die Kirchenvertreter ausschließlich aus Spenden finanzieren müssen - daran kann sich jeder Interessierte beteiligen. Ein Spendenkonto ist bereits eingerichtet.

Zum Thema:

Auf einen Blick Mehr als 100 Helfer haben sich im vergangenen Jahr an Heiligabend im E-Werk auf den Burbacher Saarterrassen um das Wohl von gut 600 Bedürftigen und Einsamen gekümmert. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten im Vorfeld mussten dafür keine Abstriche gemacht werden, da neben der Sparkasse Saarbrücken im Zuge der Berichterstattung in der SZ auch Privatpersonen und Vereine die Finanzierungslücke mit ihren Spenden geschlossen haben. Für ein festliches Programm sorgen auch in diesem Jahr der Posaunenchor Saarbrücken , der Rodenhofer Chor Chorioses, die Tanzschule Euschen-Gebhardt, die Feuer-Jongleure des Zirkus Heckmeck vom Turnverein Völklingen und Gitarrist Hector Zamora. Das E-Werk hat die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Aktion in diesem Jahr kann gespendet werden an: Sparkasse Saarbrücken , Iban: DE 57 5905 0101 0000 0901 75, Stichwort: "Heilig-Abend-Aktion". al

Benedikt Welter
Benedikt Welter
Christian Weyer
Christian Weyer
Horst-Peter Rauguth
Horst-Peter Rauguth
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