Erst Tiere umsiedeln, dann roden

Rund 200 Zauneidechsen verlangsamen die Arbeiten am Franzenbrunnen.

(ste) Etwa 210 000 Euro investiert die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) im kommenden Jahr in das Wohngebiet Franzenbrunnen in Alt-Saarbrücken. Dort sollen eine Fläche freigeschnitten und gerodet und ein historischer Fußweg aus Natursteinpflaster wieder hergestellt werden.

Insgesamt erhält die GIU rund 800 000 Euro des Gesamtbetrags von 92 Millionen Euro, den die Landeshauptstadt für Bauarbeiten und Sanierungen in Saarbrücken bereitstellt. Im laufenden Jahr ist der Investitionsbetrag, den die GIU von der Landeshauptstadt erhält eher gering, da sich einige größere Projekte noch in der Planung befinden, in die noch nicht investiert werden könne, sagt GIU-Geschäftsführer Jürgen Schäfer. Das städtische Unternehmen ist eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Gewerbestandorte und Wohnflächen plant und anlegt. Die GIU hat beispielsweise das Medienzentrum Saar und das Vitrina-Bürogebäude auf den Saarterrassen sowie das Quartier Eurobahnhof in Saarbrücken entwickelt.

Bevor Mitarbeiter der GIU mit der Rodung am Franzenbrunnen beginnen können, müssen sie erst etwa 200 Zauneidechsen, die unter Artenschutz stehen, umsiedeln. Die GIU könne jedoch nicht einfach die Eidechsen einsammeln und irgendwo aussetzen, sagt Projektleiter Christoph Vogt: "Wir müssen erst einen Antrag zur Umsiedlung der Eidechsen stellen, den das Landesamt für Umweltschutz genehmigen muss. Dann können sogenannte Habitate angelegt werden, in die die Tiere dann umziehen." Das neue Zuhause der Tiere müsse dabei mindestens die gleiche Fläche haben oder größer sein als das derzeitige Gebiet am Franzenbrunnen, erklärt er weiter. Der Freischnitt der Fläche im Wohngebiet erfolgt aber erst im kommenden Winter. "Wenn die Eidechsen im Wurzelreich ihren Winterschlaf halten und nicht aktiv sind", sagt Vogt. Aus diesem Grund könne auch die Rodung erst erfolgen, wenn die Eidechsen eingesammelt seien. Auf Anfrage der SZ teilte Sabine Schorr, Pressesprecherin des Umweltministeriums, mit: "Die Tiere sollen in das Naturgebiet unmittelbar südlich des Wohngebietes Franzenbrunnen umziehen. Dort besitzt die Stadt Flächen, die sich für die neuen Habitate eignen." Die Umsiedlung der Eidechsen, der Freischnitt und die Rodung werden sich etwa bis Sommer 2018 hinziehen. Erst danach könne die GIU mit den Bauarbeiten beginnen, sagt Vogt. Ein zweites Projekt am Franzenbrunnen ist der historische Fußweg, der wiederhergestellt werden soll. Das Natursteinpflaster sei während Arbeiten an der Entsorgungsleitung beschädigt worden. "Der Weg ist auf der ganzen Länge in einem schlechten Zustand. Etwa ein Drittel der Steine muss ausgetauscht werden", sagt Vogt. Die Arbeiten an dem Pfad seien derzeit aber noch in Planung.

Die restlichen rund 600 000 Euro des Investitionsbetrags fließen in die eigenen GIU-Immobilien, sagt Schäfer. Das Geld werde für Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten verwendet, um den Wert der Gebäude zu erhalten. Haustechniker ermitteln vor Ort, wo Schäden aufgetreten sind, sagt Schäfer. Die GIU besitzt etwa 50 Immobilien mit rund 150 000 Quadratmetern Fläche. Dazu gehören Büros, Lagerflächen und Werkstätten, wie beispielsweise die ehemalige Buswerkstatt im Quartier Eurobahnhof.