Eröffnungsfilm ging unter die Haut

Komasaufen, Fehltritte in den sozialen Medien, Islam, Nationalsozialismus oder Sterbehilfe: Die AK-Filmtage in Kooperation mit dem Kino Achteinhalb beleuchten Themen, die das Weltbild junger Menschen prägen.

Was prägt das Weltbild junger Menschen? Wie entwickeln sich ihre Wertvorstellungen? Und welche gesellschaftlichen Freiräume und Grenzen braucht es? "Mit kritischem Blick" schauen die diesjährigen "AK-Filmtage", eine Kooperation der Arbeitskammer des Saarlandes und des Kinos Achteinhalb, auf Themen wie Komasaufen , Fehltritte in den sozialen Medien, Islam , Nationalsozialismus oder Sterbehilfe . Dabei haben sie insbesondere junges Publikum im Fokus: Drei Mal täglich laufen die insgesamt fünf Spielfilme, die jeweils die Lebenswirklichkeit junger Menschen spiegeln, als reservierungspflichtige Vorstellungen für Schulen, Auszubildende und Jugendgruppen.

Die abendlichen Vorführungen sind öffentlich, so auch der ansehnlich besuchte Eröffnungsabend am Montag, wo die Schirmherrin, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, von Kulturdezernent Erik Schrader vertreten wurde. Schrader lobte die nachhaltige kommunale Filmszene Saarbrückens und dankte der Arbeitskammer für ihr Engagement für die Jugend und den Mut zu schwierigen Themen, während Horst Backes, Geschäftsführer der Arbeitskammer, die eingangs erwähnten Fragestellungen dieser siebten AK-Filmtage erläuterte. Keine leichte Kost bot der Eröffnungsfilm, an dessen Ende sich nahezu alle Zuschauer verstohlen die Tränen von der Backe wischten: "Und morgen Mittag bin ich tot" (Deutschland/Schweiz 2013) erzählt von der unheilbar an Mukoviszidose erkrankten jungen Lea, die trotz Atemgerät an ständiger Luftnot leidet und nach Zürich fährt, um ihrem Leben in einem Sterbehospiz ein Ende zu setzen. Erst als sie dort angekommen ist, informiert sie ihre Familie und lädt sie zu einer letzten Geburtstagsfeier ein. Der mit Lena Stolze und Bibiana Beglau prominent besetzte Streifen geht unter die Haut, zeigt in ergreifenden Großaufnahmen Emotionen von verzweifelter Hoffnung über fassungsloses Entsetzen bis zu hilfloser Wut und Trauer und wird doch nie voyeuristisch oder larmoyant. Im Gegenteil: Getragen von lakonischem Humor , ist er eine Liebeserklärung an das Leben und brachte der Hauptdarstellerin Liv Lisa Fries beim diesjährigen Max-Ophüls-Filmfestival den Preis als beste Nachwuchsschauspielerin ein. Im Gespräch mit Jürgen Meyer (Arbeitskammer) erzählte Regisseur Frederik Steiner von der Entstehungsgeschichte des Films, seinem Hadern mit dem Thema und der Motivation, die er durch den Humor und die Tapferkeit von in die Recherche-Arbeit involvierten Mukoviszidose-Kranken erfuhr.

Bei den AK-Filmtagen läuft bis Freitag, 10. Oktober, täglich ab 20 Uhr ein Spielfilm im Kino Achteinhalb . Karten (3 Euro) gibt es an der Abendkasse.

arbeitskammer.de