Erleuchtung im Starkstromkeller

Saarbrücken. Manche Dinge erzählen Geschichten. Etwa die schwarze elektrische Gitarre vom Typ Fender Stratocaster, die Anfang der 70er Jahre in Saarbrücken gekauft worden war, und zwar im damaligen Musikhaus F.C. Louis. Sie gehört heute Wolfgang Niedecken, dem Gründer und Kopf der Kölner Rockgruppe BAP. Er spielt sie nicht sehr oft, nimmt sie aber bald mit auf Deutschland-Tour

Saarbrücken. Manche Dinge erzählen Geschichten. Etwa die schwarze elektrische Gitarre vom Typ Fender Stratocaster, die Anfang der 70er Jahre in Saarbrücken gekauft worden war, und zwar im damaligen Musikhaus F.C. Louis. Sie gehört heute Wolfgang Niedecken, dem Gründer und Kopf der Kölner Rockgruppe BAP. Er spielt sie nicht sehr oft, nimmt sie aber bald mit auf Deutschland-Tour.

Wolfgang Niedecken, Jahrgang 1951, neugierig wie ein Kind, arbeitsam und derzeit gern in grobem Zimmermanns-Cord unterwegs, liebt Dinge mit Geschichten und deshalb diese Gitarre. Übernommen hatte er sie von einem seiner, wie er sagt, raren engen Freunde, dem Berliner Eff Jott Krüger, seinerzeit Gitarrist der Neue-Deutsche-Welle-Band "Ideal". Krüger starb 2007 an Krebs, das mag die Bindung des Freundes an das Instrument noch verstärkt haben. Als er BAP 1992 erstmals hörte, hat Krüger zu Niedecken gesagt, und der hat es bis heute behalten: "Anjenehmet Ensemble, keene Ziggen...".

Mehrfach schon hatte sich Wolfgang Niedecken vorgenommen, den Ursprüngen der schwarzen Fender in der Landeshauptstadt nachzusteigen. Und auch einem Bierkrug, der daheim im Kölner Wohnzimmer der Niedeckens steht und mit dem Bild von Kunibert Luck verziert ist. Herr Luck war der Boss des Musikalienhandels Louis gewesen.

Im Mai hätte es fast geklappt mit Niedecken und der Spurensuche, aber da hatte er sich von dem Messingschild auf der Kopfplatte der Gitarre in die Sulzbachstraße irreführen lassen - und stand enttäuscht vor einem Orthopädie-Laden. Am vergangenen Freitag aber wurde nun alles gut, und zwar im Nachfolge-Geschäft Arthur Knopp in der Futterstraße, dank ein paar musikbesessenen Ex-Mitarbeitern, die von Niedeckens Wunsch Wind bekommen hatten. Allen voran Peter Hübener, ein Wiener, der in Bubach-Calmesweiler lebt, bei Louis gearbeitet und Teile des Geschäfts nach dessen Konkurs übernommen hatte. Außerdem dabei: Profimusiker Horst Friedrich (www.simply-unplugged.de) sowie Josef Luxenburger, heute Geschäftsführer des Musikpoint24, der Gitarrensparte von Knopp. Eine Stunde begaben sich die Männer in den Keller des Hauses, fügten sich beim Hervorkramen von Erinnerungen an "Gold-Tops" und gruselige Abbeizungen gegenseitig Gänsehäute zu und konnten das meiste klären: Der Krug war von Herrn Luck zu dessen 50. Geburtstag 1974 hergestellt und verschenkt worden. Die Party fand in Hassel statt, im Beisein des damals noch unbekannten Frank Fahrian. Der hatte später Kontakt zu Ideal, und womöglich kam die Ende der 60er gebaute Fender so zu Herrn Krüger und dann über Offenbach nach Köln. Herr Hübener berichtete, dass das Musikhaus Louis in den 70ern eine bundesweit geschätzte Anlaufstelle für die Rockmusiker gewesen sei. Da diese harten Burschen, die quasi "alle" dort ein- und ausgegangen seien, aber als noch nicht so gesellschaftsfähig galten wie das Stammpublikum der "ernsten" Musik, hielt man das ihnen zugedachte Sortiment im Untergeschoss vor, dem damals so genannten Starkstromkeller.

Warum auf dem Messingschild nicht die Futterstraße angegeben ist? Vermutlich, weil diese Schilder ausgegangen waren. Oder weil die Gitarre in einem kurze Zeit existierenden Nebenladen in der Sulzbachstraße verkauft worden war, nicht zu verwechseln mit dem Orgelhaus Louis in der Sulzbachstraße. Niedecken, um das noch zu verraten, spielte früher einen kunstlederbezogenen roten Quelle-Bass. Zieht er bald fragend durch Saarbrücken, ist er vielleicht wieder auf Spurensuche.

 BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (von rechts) philosophiert im Saarbrücker Musikhaus Arthur Knopp mit Friedrich Horst, Josef Luxenburger und Peter Hübener über alte Zeiten. Fotos: SZ/Becker&Bredel
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (von rechts) philosophiert im Saarbrücker Musikhaus Arthur Knopp mit Friedrich Horst, Josef Luxenburger und Peter Hübener über alte Zeiten. Fotos: SZ/Becker&Bredel